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20.09.2012

15:31 Uhr

Wohin mit dem Geld?

Die Investmentstrategie der reichsten Uni der Welt

Harvard, die reichste Hochschule der Welt, hat zuletzt nicht allzu viel Rendite erzielt bei der Anlage ihres Vermögens. Das soll sich ändern, genauso wie die Strategie. Worauf der Hüter der Milliarden jetzt setzt.

Die Harvard-Stiftung investiert weltweit in Nutzwald. dpa

Die Harvard-Stiftung investiert weltweit in Nutzwald.

New YorkVor vier Jahren übernahm Jane Mendillo die Leitung der 32 Milliarden Dollar (24,6 Milliarden Euro) schweren Stiftung der Harvard University. Doch nach wie vor sucht sie nach einem Mittel, um die Konkurrenz hinter sich zu lassen und die Verluste aus der Zeit der Finanzkrise auszugleichen. Eine Antwort darauf könnten Investments in Nutzwald sein, die schon seit vielen Jahren zu den Favoriten von Mendillo zählen.

Harvard hat etwa die Hälfte der Verluste im Volumen von zehn Milliarden Dollar wieder hereingeholt, die bei der Finanzkrise 2008 angefallen waren. Universitäten wie Stanford, Columbia oder Princeton haben jedoch höhere Gewinne verbucht. Und das Fiskaljahr bis Ende Juni dürfte auch eher schwach ausgefallen sein, nachdem der Standard & Poor's 500 Index in den zwölf Monaten lediglich 3,1 Prozent zulegte.

Was aus 1.000 Euro in zehn Jahren wurde

Deutscher Aktienindex (Dax)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren: +88,8 Prozent (ohne Dividenden)

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.888 Euro

Dow Jones

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +52,7 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.527 Euro

EuroStoxx 50

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +31,3 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.313 Euro

Nikkei

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +10,1 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1101 Euro

Chinesische Aktien (Shanghai B-Index)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +10,3 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.103 Euro

MSCI Emerging Markets

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +228 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 3.285 Euro

Gold

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +314 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 4.142 Euro

Silber

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +428 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 5.275 Euro

Öl

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +221 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 3.205 Euro

Weizen

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +92 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.916 Euro

Kaffee

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +151 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 2.509 Euro

Staatsanleihen (Rexp)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +67 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.666 Euro

Unternehmensanleihen (Citigroup World BIG Corporate Index)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +56 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.559 Euro

Sparbuch

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.095,90 Euro*

*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 0,92 Prozent (Spareckzins)

Tagesgeld

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.209 Euro*

*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 1,92 Prozent

Festgeld

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.266 Euro*

*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 2,39 Prozent

„Alle versuchen übergroße Renditen zu erzielen, aber davon gibt es immer weniger“, sagt Brad Barber, Professor für Finanzwesen an der University of California in Davis. „Nur den besten und schlauesten dürfte es gelingen, etwas zu finden.“

Von allen institutionellen Investoren haben die Stiftungen in den zwölf Monaten bis Ende Juni die schlechteste Entwicklung erzielt, wie aus einem Bericht von Wilshire Associates vom 6. August hervorgeht. Im Schnitt haben sie in dem Zeitraum demnach lediglich 0,37 Prozent zugelegt. Harvard wird sein Ergebnis in den nächsten Wochen bekannt geben. Princeton-Präsidentin Shirley Tilghman kündigte vergangene Woche an, dass ihre Stiftung wohl zwischen null und fünf Prozent zugelegt hat. Im Jahr davor waren es noch 22 Prozent.

Um die reichste Hochschule der Welt auch bei der Performance an die Spitze zu bringen, hat Mendillo nun eine Strategie wieder ausgekramt, deren Wegbereiterin sie schon vor mehr als einem Jahrzehnt gewesen ist. Dabei geht es um den Kauf von Nutzwald. Die Strategie erwies sich beim Kauf von Wald in den USA als profitabel, nun will sie Mendillo weltweit einsetzen. Stattdessen sollen Investments in Beteiligungs-Fonds und andere alternative Investments zurückgefahren werden.

Aktien für Langfrist-Anleger

AmBev

Guter Schutz gegen die Euro-Krise bietet die Brauerei aus Brasilien. Sie wächst vor allem in den Schwellenländern, ist aber weltweit präsent und nahezu schuldenfrei.
Börsenwert in Millionen Euro: 81674
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 20,7
Dividendenrendite: 0,9 Prozent.

Apple

Trotz der imposanten Rally ist die Aktie nicht teuer. Gewinn und Umsatz wachsen gar schneller als der Börsenwert.
Börsenwert in Millionen Euro: 428190
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 12,5

Dividendenrendite: 1,6 Prozent.

Baidu

Der Konzern verliert zwar Marktanteile, wächst aber insgesamt nach wie vor rasant im chinesischen Internet-Markt. Die Aktien sind günstig.
Börsenwert in Millionen Euro: 29197
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 16,8
Dividendenrendite: keine

British American Tobacco

Der Tabakkonzern aus Großbritannien kann trotz der immer strenger werdenden Gesetze jedes Jahr Umsatz, Gewinn und Dividende steigern. Besonders stark ist das Unternehmen in den asiatischen Schwellenländern.
Börsenwert in Millionen Euro: 75886
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 13,8
Dividendenrendite: 4,6 Prozent

CF Industries

Der hochprofitable und dividendenstarke US-Düngemittelkonzern profitiert vom steigenden Bedarf an Nahrungsmitteln weltweit.
Börsenwert in Millionen Euro: 11021
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 8,8
Dividendenrendite: 0,8 Prozent

Deckers Outdoor

Ein Ende der jahrelangen Wachstumsstory ist noch immer nicht absehbar. Die Aktie ist günstig.
Börsenwert in Millionen Euro: 1300
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 8,5
Dividendenrendite: keine

Elekta

Der Medizintechniker ist besonders stark in der Krebs-Medizin, einem wachsenden Zweig.
Börsenwert in Millionen Euro: 3671
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 18,4

Dividendenrendite: 1,5 Prozent

Kia Motors

Die neuen Modelle des schnell wachsenden Automobilherstellers gewinnen derzeit alle Qualitätstests.
Börsenwert in Millionen Euro: 202557
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 5,9
Dividendenrendite: 0,8 Prozent

Novo Nordisk

Der dänische Pharma-Konzern ist bei Diabetes-Medikamenten mit einem Anteil von über 51 Prozent weltweit Marktführer.
Börsenwert in Millionen Euro: 67311
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 20,4
Dividendenrendite: 1,6 Prozent

Millicom Cellular

Das Mobilfunkunternehmen aus Luxemburg hat ein lukratives Geschäftsmodell entwickelt, indem es preisgünstige Handy-Einsteiger-Tarife in Schwellenländern verkauft.
Börsenwert in Millionen Euro: 7195
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 12,6

Dividendenrendite: 2,9 Prozent

Salesforce.com

Das Software-Unternehmen profitiert mit seiner Miet-Software vom weltweiten Trend zum Cloud Computing. Das Geschäft gilt als krisensicher.
Börsenwert in Millionen Euro: 16508
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 76,4
Dividendenrendite: keine

Shire

Der britische Pharma-Konzern hat zahlreiche neue Medikamente auf den Markt gebracht. Seine Aktien sind nicht hoch bewertet.
Börsenwert in Millionen Euro: 13305
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 14
Dividendenrendite: 0,5 Prozent

Vodafone

Das Unternehmen ist besonders stark in Afrika. Sein Umsatz nimmt leicht zu.
Börsenwert in Millionen Euro: 106910
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 10,5
Dividendenrendite: 6,1 Prozent

Williams Partners LP

Der Öl-Konzern profitiert von der Steuergesetzgebung in den USA und kann ein sehr hohes Umsatzwachstum vorweisen.
Börsenwert in Millionen Euro: 14171
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 19,5
Dividendenrendite: 6,1 Prozent

Im April flog Mendillo mit einer Turboprop-Maschine von der brasilianischen Hauptstadt Brasilia aus ins Landesinnere, um drei Nutzwaldplantagen von Harvard zu inspizieren. Wälder, Farmland und andere natürliche Ressourcen machen mittlerweile zehn Prozent des Portfolios – mehr als drei Milliarden Dollar – aus. Und Mendillo will den Bereich weiter ausbauen.

„Ich will Besitz, auf dem etwas produziert wird, das die Welt benötigt, und bei dem das Angebot nicht beliebig vergrößert werden kann“, sagt die 53-Jährige im Interview mit Bloomberg News im Büro von Harvard Management Co. in Boston, Massachusetts. „Nutzwald ist dafür ein perfektes Beispiel.“

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