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10.02.2017

12:42 Uhr

Yves Mersch

EZB muss Zinsausblick womöglich bald ändern

Der EZB-Direktor Yves Mersch stellt klar, dass die Europäische Zentralbank in absehbarer Zukunft den Ausblick auf die Zinsentwicklung ändern müsse. Bislang geht die Zentralbank von einer längeren Niedrigzinsphase aus.

Der EZB-Direktor fordert politische Unterstützung. AFP; Files; Francois Guillot

Yves Mersch

Der EZB-Direktor fordert politische Unterstützung.

FrankfurtDie EZB sollte nach Einschätzung von Notenbank-Direktor Yves Mersch ihren Zinsausblick bald ändern. Notwendige graduelle Anpassungen in der Kommunikation dürften nicht verschleppt werden, sagte das Mitglied des sechsköpfigen Führungsteams der Europäischen Zentralbank (EZB) am Freitag bei einer Veranstaltung in der Nähe von Hamburg laut Redetext. Die Geldpolitik müsse in Zeiten erhöhter Unsicherheit ein Garant der Stabilität und Verlässlichkeit sein. „Zugleich stellt sich allerdings die Frage, wie lange wir noch von 'niedrigeren Zinsen' als geldpolitischer Option reden können.“

Bislang gehen die Euro-Wächter in ihrem Ausblick davon aus, dass die Schlüsselzinsen für längere Zeit und weit über ihre Anleihenkäufe hinaus auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau bleiben werden. Kippt die EZB ihre Option auf noch niedrigere Zinsen, würde dies am Kapitalmarkt voraussichtlich als Signal gewertet, dass sie sich langsam in Richtung einer Abkehr von der ultra-lockeren Geldpolitik bewegt. Die Leitzinsen liegen seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Zudem müssen Banken Strafzinsen zahlen, wenn sie über Nacht Geld bei der EZB parken. Der sogenannte Einlagensatz steht bei minus 0,4 Prozent.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

Mersch machte zugleich aber klar, dass die Währungshüter an ihrem billionenschweren Staatsanleihen-Kaufprogramm festhalten wollen. Damit die wirtschaftliche Erholung nachhaltig greife, müsse die EZB zu ihrem Wort stehen. „Unser im Dezember neu-justiertes Wertpapier-Kaufprogramm wird umgesetzt wie angekündigt.“ Die EZB hatte die in Deutschland umstrittenen Käufe auf ihrer Dezember-Zinssitzung um neun Monate bis Ende 2017 verlängert. Das Gesamtvolumen schwillt dadurch auf 2,28 Billionen Euro an.

Im Januar war die Inflation im Euro-Raum wegen gestiegener Energiepreise auf 1,8 Prozent in die Höhe geschossen. Damit ist die Teuerung wieder nahe an das Ziel der Notenbank von knapp zwei Prozent herangerückt. Mersch zufolge geht die EZB davon aus, dass energiepreisbedingt die Inflationsrate bis Mitte 2017 anziehen wird. „Aber eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.“ In der zweiten Jahreshälfte werde die Teuerung wieder sinken und 2018 bei 1,5 Prozent landen. „Die verhaltene Inflation wird uns also noch eine ganze Weile begleiten.“

Von

rtr

Kommentare (1)

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G. Nampf

10.02.2017, 14:02 Uhr

„Unser im Dezember neu-justiertes Wertpapier-Kaufprogramm wird umgesetzt wie angekündigt.“

Sofern es nicht wiederum neujustiert wird - wahrscheinlich zum Nachteil der deutschen Sparer und Rentner.

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