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11.05.2011

15:10 Uhr

Zahl des Tages

Zahltag mit Beigeschmack

VonSibylle Schikora

31 Milliarden Euro schütten die 334 wichtigsten deutschen Aktiengesellschaften in diesem Jahr an Aktionäre aus. Warum die Freude daran nicht lange währt.

Köln31 Milliarden Euro fließen in diesem Jahr von den 334 deutschen Aktiengesellschaften aus dem sogenannten Prime Standard an Aktionäre, fast ein Drittel mehr als im Jahr zuvor. Besonders mittelgroße Firmen beglücken Aktionäre mit einem hohen Dividendenplus. Die Ausschüttungen der MDax-Unternehmen sind um satte 67 Prozent gestiegen, haben die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und das Deutsche Institut für Portfolio-Strategien nachgerechnet.

Dax-Unternehmen schütteten 30 Prozent mehr aus als 2009. Und bis auf eine Ausnahme überweisen sogar alle Dax-Konzerne Geld an ihre Anteilseigner. Nur Commerzbank-Aktionäre müssen sich trotz hoher Gewinne auch in diesem Jahr mit einer Nullrunde begnügen – der Staat als rettender Großaktionär verbietet eine Ausschüttung.

Ist das Dividendenplus nun eine gute Nachricht? Einerseits deuten die hohen Gewinnbeteiligungen an, wie gut sich die deutsche Wirtschaft erholt hat. Andererseits sollte der Trend zu immer höheren Ausschüttungen nachdenklich stimmen. Denn schütten die Firmen derart viel vom Gewinn an Aktionäre aus, wissen sie offenbar nichts Besseres mit dem Geld anzustellen.

Zu den Spitzenreitern der Dividendenzahler zählt seit vielen Jahren die Deutsche Telekom. Dieses Jahr zahlt sie 70 Cent pro Aktie oder insgesamt 3,4 Milliarden Euro aus. Damit fließt der komplette Konzernüberschuss von 2010 an die Aktionäre. Das Geld ist weg, lässt sich nicht mehr in neue Netze investieren, in Infrastruktur oder in die Expansion.

Die Dividendenrendite der Telekom liegt bei rekordverdächtigen acht Prozent. Im Gegenzug ist der Glaube der Investoren an künftige Wertsteigerungen des Konzerns aber nahe Null: Der Aktienkurs dümpelt seit Jahren vor sich hin. Es gibt also eigentlich keinen anderen Grund mehr, eine T-Aktie zu halten als die jährliche Gewinnbeteiligung. Das zwingt den Konzern inzwischen zu Dividenden, die zu Lasten neuer Investitionen gehen – oder in schwächeren Jahren sogar zum Verkauf von Vermögensgegenständen zwingen.

Siemens macht vor, wie eine Dividendenpolitik auch aussehen kann. Der Münchner Konzern schüttet ebenfalls rekordverdächtige 2,4 Milliarden Euro an seine Aktionäre aus. Das ist aber gerade einmal die Hälfte des Überschusses. Den Rest will Siemens nutzen, um in der Umwelttechnik und in Schwellenländern zu wachsen. Keine schlechte Idee. Schließlich können Siemens-Aktionäre sich dann nicht nur über eine hohe Ausschüttung im Jahr 2011 freuen. Sondern auch auf weitere hohe Dividenden in den kommenden Jahren hoffen.

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