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13.06.2014

10:58 Uhr

Zahlen für Mai

Inflation sinkt auf Vier-Jahres-Tief

Die Preise in Deutschland steigen kaum noch. Im Mai sank die jährliche Teuerungsrate auf 0,9 Prozent – der niedrigste Stand seit Juni 2010. Das liefert den Befürwortern einer lockeren Geldpolitik weitere Munition.

Ein Kunde vor einem Supermarktregal: Die Preise steigen kaum noch. dpa

Ein Kunde vor einem Supermarktregal: Die Preise steigen kaum noch.

WiesbadenSinkende Energiepreise haben die Inflation in Deutschland auf den niedrigsten Wert seit fast vier Jahren gedrückt. Insgesamt ging die jährliche Teuerungsrate überraschend deutlich auf 0,9 Prozent zurück - nachdem sie im Ostermonat April auf 1,3 Prozent angezogen hatte. Die Verbraucherpreise stiegen so schwach wie seit Juni 2010 nicht mehr, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag mitteilte. Von April auf Mai 2014 sanken die Preise um 0,1 Prozent. Mit diesen Zahlen bestätigte die Behörde vorläufige Angaben.

Der Auftrieb der Verbraucherpreise in Deutschland liegt zwar noch deutlich über der Inflationsrate für den gesamten Euroraum, die im Mai 0,5 Prozent betrug. Er ist aber weit entfernt vom Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB). Die EZB sieht Preisstabilität bei einer Rate von knapp unter 2,0 Prozent gewahrt.

Die Notenbank hatte Anfang Juni mit einem historischen Notfallpaket auf die Mini-Inflation reagiert: Der extrem niedrige Leitzins wurde nochmals gesenkt auf jetzt 0,15 Prozent. Außerdem müssen Banken nun 0,10 Prozent Strafzinsen auf Geld zahlen, das sie bei der EZB parken. Das soll die Institute dazu bringen, mehr Kredite an Unternehmen und Verbraucher zu vergeben und so die Konjunktur anzukurbeln. Das würde in der Regel auch den Preisauftrieb stärken.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

In ihrem jüngsten Monatsbericht betont die EZB, sie sehe trotz der extrem niedrigen Inflation weiterhin nicht die Gefahr einer Deflation im Euroraum - also einem Preisverfall auf breiter Front, der dazu führen könnte, dass Verbraucher und Unternehmen Investitionen aufschieben, weil sie weiter sinkende Preise erwarten. Die Hälfte des Rückgangs der Gesamtinflation im Euroraum seit Ende 2011 ist nach Angaben der EZB auf die Entwicklung der Energiepreise zurückzuführen.

Die Entwicklung in Deutschland bestätigt das: Wie in den Vormonaten dämpfte die Preisentwicklung bei Energie die Gesamtteuerung. Würde man die Energiepreise herausrechnen, hätte die Teuerungsrate im Mai nach Angaben der Statistiker bei 1,1 Prozent gelegen. Insgesamt lagen die Energiepreise im vergangenen Monat um 0,8 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Autofahrer durften sich über günstigere Spritpreise freuen, Hausbesitzer und Mieter über sinkende Heizölpreise.

Zudem schwächte sich der Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln deutlich ab: Zwar mussten Verbraucher in Deutschland im Mai für Nahrungsmittel 0,5 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor. Der Preisanstieg in dieser Warengruppe lag aber erstmals seit drei Jahren unter der Gesamtteuerung.

Leitzins im Euroraum auf Rekordtief - was sind die Konsequenzen?

Video: Leitzins im Euroraum auf Rekordtief - was sind die Konsequenzen?

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Von

dpa

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

13.06.2014, 10:09 Uhr

Das ist doch einfach nur lächerlich! Wie wird Inflation heute berechnet? Hedonische Inflation? Warenkorb ohne Lebensmittel und Energie?
Gelddrucken hilft! Das haben die in Zimbabwe auch gemerkt. Das bringt Wohlstand. Aber nur für die 0,1% ganz oben. Die können gar nichts dagegen tun, noch reicher zu werden. Der Mittelstand verreckt allerdings.
FIAT-Money. Geschichtsbücher geben Auskunft!

Account gelöscht!

13.06.2014, 10:22 Uhr

Klar. Die Preise sinken auf breiter Front; die Löhne steigen. Die Leute wissen schon gar nicht mehr, wohin mit dem vielen Geld. Manche kaufen in ihrer Not schon griechische Staatsanleihen, nur um keinen Strafzins zahlen zu müssen fürs Geldanlegen. Mann, gehts uns gut! Kaum noch auszuhalten....

Account gelöscht!

13.06.2014, 11:14 Uhr

Zitat: "Die Leute wissen schon gar nicht mehr, wohin mit dem vielen Geld."

Wenn Sie mit "die Leute" die 20 % der Bevölkerung meinen, denen 80 % des Geldvermögens gehört, dann haben Sie mit Ihrem ursprünglich ironisch gemeinter Anmerkung völlig recht.

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