Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.08.2012

13:49 Uhr

Alternative Anlagen

Flucht in den Wald oder sonst wohin...

VonUdo Rettberg

Die Euro-Krise verunsichert die Anleger. Wo ist das Geld noch sicher - in Aktien, Anleihen oder doch auf dem Konto? Viele Investoren suchen und finden Alternativen. Aber Vorsicht, auch im Wald kann es gefährlich werden.

Wälder sind für viele Investoren eine attraktive Anlagemöglichkeit. dpa

Wälder sind für viele Investoren eine attraktive Anlagemöglichkeit.

FrankfurtSeit dem Euro und dem Dollar immer weniger zu trauen ist, werden Anleger erfinderisch. Sie suchen nach Auswegen aus dem Dilemma von Schuldenkrise und drohender Geldentwertung, allen voran Profis wie Versicherungen, Pensionskassen, Stiftungen und Vermögensverwalter. "Vor allem Institutionelle greifen vermehrt auch zu den illiquideren alternativen Anlageformen", sagt Frank Dornseifer vom Bundesverband Alternative Investments (BVAI) in Bonn. Der Anteil alternativer Investments ist in ihren Portfolios über die Jahre gestiegen. Sie suchen Zuflucht in Hedge-Fonds und Private Equity und setzen ebenso auf Werte mit Substanz wie Farmland, Forstland oder Rohstoffe. Auch Infrastrukturprojekte wie Energietrassen, die auf Sicht eine stabile Rendite versprechen, finden bei den Institutionellen wachsendes Interesse. Und längst haben den Markt gleichfalls Anbieter von Finanzprodukten für Privatanleger entdeckt. Sie bieten eine wachsende Auswahl an entsprechenden Zertifikaten, an Aktien einschlägiger Gesellschaften, Fonds oder gar direkten Beteiligungen an Waldstücken oder einem Windpark.

Wieder in Mode gekommen sind auch Kunst, Münzen, Briefmarken, Wein, Historische Wertpapiere, Oldtimer oder Schmuck. Solche Anlagen erfüllen jedoch meist nicht die an moderne Kapitalanlagen gestellten Anforderungen. Sie sind vielmehr in die Ecke "Liebhaberei" und "Sammelleidenschaft" einzuordnen. Es fehlt an Transparenz und Liquidität.

In der Finanzkrise wurden alternative Anlagen in großem Umfang abgestoßen

Alternativ Investments sollen in den Depots privater und institutioneller Investoren vor allem zwei Aufgaben erfüllen. Sie sollen zum einen eine stabile Rendite abwerfen und zum anderen das Vermögen besser streuen und damit das Risiko reduzieren. Jahrzehntelang hatten Experten die Auffassung in die Öffentlichkeit posaunt, Alternativ Investments seien für diesen Zweck ideal. Die Fachleute vertraten dabei noch bis vor kurzem auch die These, dass Alternativ Investments eine nur sehr geringe Abhängigkeit von der Entwicklung traditioneller Investments wie Aktien und Anleihen aufweisen und sie daher in jedes größere Depot gehörten.

Was aus 1.000 Euro in zehn Jahren wurde

Deutscher Aktienindex (Dax)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren: +88,8 Prozent (ohne Dividenden)

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.888 Euro

Dow Jones

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +52,7 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.527 Euro

EuroStoxx 50

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +31,3 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.313 Euro

Nikkei

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +10,1 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1101 Euro

Chinesische Aktien (Shanghai B-Index)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +10,3 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.103 Euro

MSCI Emerging Markets

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +228 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 3.285 Euro

Gold

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +314 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 4.142 Euro

Silber

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +428 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 5.275 Euro

Öl

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +221 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 3.205 Euro

Weizen

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +92 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.916 Euro

Kaffee

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +151 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 2.509 Euro

Staatsanleihen (Rexp)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +67 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.666 Euro

Unternehmensanleihen (Citigroup World BIG Corporate Index)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +56 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.559 Euro

Sparbuch

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.095,90 Euro*

*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 0,92 Prozent (Spareckzins)

Tagesgeld

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.209 Euro*

*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 1,92 Prozent

Festgeld

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.266 Euro*

*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 2,39 Prozent

Allerdings stellte sich dann während der Finanzkrise exakt das Gegenteil heraus. Als die Aktienkurse und Rohstoffpreise einbrachen, wurde auch die Wertentwicklung von Alternativ Investments in den "Sog der Krise" gezogen. Private und vor allem institutionelle Anleger sahen sich unter dem hohen Erfolgsdruck veranlasst, die in ihren Wertpapierdepots entstandenen riesigen Löcher zu stopfen. So stiegen sie auch aus jenen Vermögenswerten aus, bei denen sie sich noch in der Gewinnzone befanden. Durch diesen aufseiten der Anleger bestehenden Zwang, Geld einzutreiben, brachen dann auch die Kurse fast aller Alternativ Investments ein. Dabei fielen die Verluste oftmals sogar stärker aus als bei traditionellen Kapitalanlagen.

Bei zahlreichen dieser alternativen Investmentformen kamen nämlich die seit Jahren bekannten Schwächen - also geringe Transparenz und mangelnde Liquidität - erschwerend hinzu. Verkäufe waren dabei oftmals nur zu einem deutlich unter dem inneren Wert der Anlagen liegenden Kurs möglich. Interessierte Käufer konnten in aller Ruhe abwarten, bis die Preise ein für sie interessantes Niveau erreicht hatten.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

18.08.2012, 14:54 Uhr

Es wird dabei übersehen, dass man auch Holz-Plantagen nach IAS 41 tagesaktuell bewerten kann und wie jede andere Immobilie auch vor der ersten Ernte gewinnbringend verkaufen kann.
Man ist eben gerade dadurch nicht an die 15-20 Jahre gebunden und wesentlich flexibler, als es immer dargestellt wird.

Es ist eigentlich eine ganz einfache betriebswirtschaftliche Herangehensweise, die man seltsamerweise immer unter den Tisch fallen lässt. Eine Farm im Jahr 10 ist viel mehr Wert als eine Farm im Jahr 2. Diesen Wert kann man berechnen und entsprechend einpreisen.

Account gelöscht!

18.08.2012, 14:56 Uhr

Na, das mit dem Wald finde ich nun wirklich nicht blöde gedacht. "Social Sponsoring" ist schon lange ein einträgliches Geschäft. Vielleicht nicht nur mal an Fußball denken, sondern auch an die Natur, an die Bildung und an die Ausfüllung der Freizeit der vielen "frei gesetzten" Menschen.
Da ist mit Sicherheit mehr drin als mit Staatsanleihen und gesundheitsschädlichen Plastikartikeln aus Sonstwoher, ist eben alles ein Rechenexempel und eine Frage der Einstellung und des Willens.

Life_is_live

18.08.2012, 15:35 Uhr

Für unsere Hightech Favorenten gäbe es derzeit den Mars als Occasion: natürlich nach genauer Prüfung der Ziele.

Alles dauert mehr oder weniger mehr als eine Zigarette.

Was mich sauer macht: diese Unmengen von Bergen an Toten beim Investment!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×