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03.12.2014

15:50 Uhr

Anlage im Zinstief

Dividenden-Regen statt Strafzinsen

VonJürgen Röder

Die Negativzinsen bei Banken haben eine ganz andere (Neben-)Wirkung: Börsennotierte Unternehmen werden laut Experten höhere Dividenden ausschütten. Mit welchen Produkten Anleger von diesem  Geldregen profitieren können.

Im kommenden Frühjahr dürfte die Summe der Dividenden auf 29,6 Milliarden Euro steigen - Anleger dürfen sich auf einen so hohen Geldregen wie noch nie freuen. Getty Images

Im kommenden Frühjahr dürfte die Summe der Dividenden auf 29,6 Milliarden Euro steigen - Anleger dürfen sich auf einen so hohen Geldregen wie noch nie freuen.

DüsseldorfRobert Halver hat eine klare Meinung zur Geldanlage. „Ich habe mein Zinsvermögen längst auf ein erträgliches Maß gestutzt“, sagt der Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank. Denn die Strafzinsen, die von ersten Banken erhoben werden, lassen ihn nicht nur real, sondern auch nominal „verarmen“. Doch für ihn gibt es Alternativen: „Ich nutze den Dividendeneffekt bei Aktien: Die hohen Ausschüttungen lege ich immer wieder an und an und an….“

So wie Robert Halver geht es vielen Anlegern. In Zeiten von Minizinsen oder sogar Strafzinsen bei Banken sind Dividenden gefragt. „Die Vorliebe der Investoren für Dividenden ist im derzeitigen Nullzinsumfeld so ausgeprägt wie noch nie“, lautet das Ergebnis einer Umfrage des Analysehauses Sentix. Hingegen würden Anleger Aktien kaum noch aus dem Motiv der Kurssteigerungen heraus kaufen.

Bemerkenswert sei zudem, dass der Indikator in diesem Jahr untypischer Weise auch nach Ablauf der Dividendensaison weiterhin eine starke Vorliebe der Anleger für Ausschüttungen signalisiert hat. Laut der Sentix-Studie ist im laufenden Halbjahr diese Präferenz nun sogar so ausgeprägt wie noch nie.

Die Negativzinsen der Banken haben außerdem noch eine ganz andere Wirkung. „Das Risiko, bei den Banken Strafzinsen zu zahlen, wird die Firmen animieren, mehr Geld auszuschütten“, erklärt Andreas Hürkamp, Aktienexperte der Commerzbank, den Trend. So rechnen Experten mit deutlich höheren Dividendenzahlungen. Denn die Dax-30-Unternehmen haben schon jetzt rekordverdächtige 138 Milliarden Euro auf der hohen Kante - und bekommen dafür kaum noch Zinsen.

Wo die Deutschen ihr Geld lagern

Festverzinsliche Wertpapiere (inklusive Zertifikate)

216 Milliarden Euro (vier Prozent)

Sonstige Anteilsrechte (zum Beispiel GmbH-Anteile)

199 Milliarden Euro (vier Prozent)

Aktien

300 Milliarden Euro (sechs Prozent)

Sonstige Anlageformen

355 Milliarden Euro (sieben Prozent)

Investmentfonds

450 Milliarden Euro (neun Prozent)

Versicherungen

1552 Milliarden Euro (30 Prozent)

Bargeld und Einlagen

2082 Milliarden Euro (40 Prozent)*

*Quelle: Deutsche Bundesbank

Der Anlagenotstand treibt die Konzernchefs zu einer einfachen Lösung: Von den eigenen Gewinnen wird weniger einbehalten und mehr ausgeschüttet. Im kommenden Frühjahr dürfte die Summe der Dividenden auf 29,6 Milliarden Euro steigen - so viel wie noch nie. Während die Nettogewinne um fünf Prozent zulegen, wachsen die Dividenden doppelt so stark.

Und nicht nur in Deutschland, auch weltweit dürften die Ausschüttungen im nächsten Jahr ansteigen: „Trotz der ungewissen Aussichten für die Weltwirtschaft erwarten wir, dass auch 2015 ein gutes Dividendenjahr wird“, prognostiziert Alex Crooke vom britischen Fondshaus Henderson Global Investors.

Kommentare (5)

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Herr Pom Muc

03.12.2014, 16:33 Uhr

Wie verzweifelt die Finanzbranche ist kann man an der Anzahl der bestellten Artikel erkennen.

Beim dritthöchsten Kursgewinnverhältnis seit 100 Jahren (2. 1929 und 1. 2000) kann man auch den größten Dumpfbacken nichts mehr vom Dax 20.000 in 3 Jahren erzählen.

Dann muss man die Dividendenstory aufwärmen. 2-3% beim Dax vor Steuern. Da gehen aber noch 1-2% Fondsmanagementgebühr ab. Danach bleibt inflationsbereinigt nichts über.

Aktien die kein Kurssteigerungspotential haben bringen langfristig keine Rendite. Das ist das kleine 1x1 des Investments.

Herr Paul Mueller

03.12.2014, 19:37 Uhr

"...Hingegen würden Anleger Aktien kaum noch aus dem Motiv der Kurssteigerungen heraus kaufen. ..."

Ach so? Warum werden dann täglich in jeder deutschen Zeitung, auch dem HB, in mindestens 2 Artikeln der Stand und die Entwicklung des DAX bis zum Erbrechen analysiert, wenn Kursgewinne angeblich nebensächlich sind? Scherz, oder?

Herr Peter Spiegel

04.12.2014, 10:00 Uhr

"Da gehen aber noch 1-2% Fondsmanagementgebühr ab"

Sie werden doch keine Fonds kaufen wollen. Da sind Sie
doch gleich enteignet.

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