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01.04.2013

14:47 Uhr

Anlagestrategie

Aktienanleihen mit Extra-Kick

VonJessica Schwarzer

Für Zinsjäger ist an den Bondmärkten nicht mehr viel zu holen. Kein Wunder, dass Aktienanleihen immer beliebter werden. Sie bieten hohe Zinskupons. Welche Produkte es gibt und was Anleger beachten müssen.

Eine Mercedes-Felge: Autoaktien gehören zu den beliebtesten Basiswerten für Aktienanleihen. dpa

Eine Mercedes-Felge: Autoaktien gehören zu den beliebtesten Basiswerten für Aktienanleihen.

DüsseldorfIm Jahr sechs der Nullzinspolitik ist der Anlagenotstand groß. Wohin mit dem Geld, wenn eine Anleihe mit lukrativem Zinskupon fällig wird? An den Bondmärkten ist nichts mehr zu holen, Tages- oder Festgeld sind schon lange keine Alternative mehr. Immer mehr Investoren entdecken Aktienanleihen. „Sie eignen sich für Anleger, die eine fixe Zinszahlung erwarten und zu einem bestimmten Basiswert grundsätzlich positiv eingestellt sind“, sagt Dominik Auricht, Experte für Anlage- und Hebelprodukte Hypo-Vereinsbank onemarkets.

Mehr als 5,3 Milliarden Euro haben sie nach Zahlen des Derivate-Verbandes (DDV) in diese Produkte investiert – Tendenz steigend. Für die Papiere spricht, dass sie deutlich höhere, teilweise sogar zweistellige Kupons bieten. Aktuell bietet beispielsweise HSBC Trinkaus & Burkhardt eine Protect-Aktienanleihe Pro auf Daimler mit einem Kupon von sieben Prozent zur Zeichnung an.

So legen die Deutschen ihr Geld an

Top 7

Sicherheitsdenken dominiert sehr stark auch die Anlagestrategien männlicher Finanzanleger. 86 Prozent der befragten Männer können sich nicht vorstellen, bei Anlagen für eine höhere Rendite ein höheres Risiko in Kauf zu nehmen. Frauen sind aber offenbar noch sicherheitsorientierter: 96 Prozent von ihnen wollen bei der Geldanlage möglichst kein Risiko eingehen.

Top 6

Trotz des derzeit allgemein niedrigen Zinsniveaus können sich nur neun Prozent der Anleger vorstellen, bei künftigen Finanzanlagen mit einer höheren Risikobereitschaft gegebenenfalls eine höhere Rendite zu erzielen. Mit 91 Prozent legt die Mehrheit der deutschen Sparer einen großen Wert auf Sicherheit.

Top 5

Neben Festgeld und Tagesgeld würden die Verbraucher 2013 auch stärker in Immobilien, Gold und andere Edelmetalle investieren, wenn sie einen größeren Geldbetrag dafür zur Verfügung hätten. Den größten Zuwachs im Vergleich zu 2012 erleben Immobilien. 46 Prozent aller deutschen Anleger würden sich ein Haus oder eine Wohnung anschaffen. Auch die Krisenwährung Gold ist 2013 deutlich beliebter. Knapp 30 Prozent der deutschen Anleger würden sich größere Goldbestände zulegen.

Top 4

Während Frauen tendenziell stärker in Festgeld sowie Tagesgeld investiert sind, meiden sie Aktienanlagen noch in stärkerem Maße als Männer. Bei Fonds sind hingegen nur geringfügige, bei Immobilien, Gold und anderen Edelmetallen sogar überhaupt keine Unterschiede im Anlageverhalten von Männern und Frauen feststellbar.

Top 3

Im Jahr 2012 waren bei den deutschen Anlegern Festgeld und Tagesgeld die beliebtesten Anlageprodukte. Obwohl der Dax in diesem Jahr um rund 30 Prozent zulegte, rangieren börsennotierte Finanzprodukte erst deutlich danach. Gerade einmal jeder fünfte Deutsche investierte sein Geld in Aktien. Darauf folgten Immobilien mit knapp 17 Prozent. Das in der Krise besonders beliebte Anlageobjekt Gold lag mit gerade einmal neun Prozent ebenfalls auf den hinteren Plätzen.

Top 2

Trotz eines weiteren Euro-Krisenjahrs stieg der Dax 2012 auf ein neues Allzeithoch. Knapp die Hälfte (48 Prozent) der deutschen Anleger zeigte sich trotz der guten Kursentwicklung mit der Werteentwicklung ihrer Finanzanlage unzufrieden.

Top 1

Der Anteil der Deutschen, die 2012 einen nennenswerten Geldbetrag angelegt haben, steigt mit zunehmenden Alter erkennbar an. Mit knapp 65 Prozent stellen Deutsche ab 60 Jahren die größte Gruppe der Privatanleger.

Der Name täuscht allerdings ein wenig. Was Anleihe heißt, ist eigentlich gar keine. Aktienanleihen vermischen Aktien- und Anleihekomponenten, wobei das Aktienrisiko letztlich dominiert. Anders als der Name nämlich suggeriert, sind Aktienanleihen keine klassischen Bonds, sondern Zertifikate mit festem Zinskupon. Ihre Wertentwicklung ist an eine Aktie gekoppelt. Ob es am Ende das eingesetzte Geld zurückgibt oder Aktien im Depot landen, hängt von der Entwicklung des Basiswertes ab.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Im Fall der HSBC-Aktienanleihe auf Daimler (WKN: TB5ZUL) bekommt der Anleger zwar auf jeden Fall den Zinskupon, ob aber am Ende das investierte Geld auf dem Konto landet oder eine vorher festgelegte Anzahl von Daimler-Aktien, entscheidet sich am Ende der 14-monatigen Laufzeit. Fällt die Aktie unter 80 Prozent ihres Startniveaus, das am Ende der Zeichnungsfrist am 8. April festgelegt wird, gibt es Aktien.

Die sogenannte Protect-Aktienanleihe hat also einen Sicherheitspuffer von 20 Prozent. Klassische Aktienanleihen funktionieren etwas anders, bei ihnen entfällt der Puffer. Aktien statt Geld gibt es, wenn der Startwert unterschritten wird.

Echte Anleger sind...

...gelassen

"Sie wissen, dass Aktienkurse von allen möglichen unvernünftigen Kräften beeinflusst werden, dass sie ebenso fallen wie steigen können und dass das auch für Aktien gilt, die sie selbst besitzen. Wenn das passiert, reagieren sie darauf mit Gleichmut. Sie wissen, dass der Preis wieder zurückkommt, solange das Unternehmen die Eigenschaften behält, die sie als Anleger zunächst angezogen hatten."

...geduldig

"Anstatt sich von der Begeisterung der Menge mitreißen zu lassen, warten echte Anleger die richtige Gelegenheit ab. Sie sagen öfter Nein als Ja."

...rational

"Sie gehen auf der Basis klaren Denkens an den Markt und die Welt heran. Sie sind weder übermäßig pessimistisch noch irrational optimistisch; sie sind vielmehr logisch und rational."

Quelle: Robert G. Hagstrom, "Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie.", Börsenbuchverlag 2011.

Längst bieten die Emittenten aber nicht mehr nur diese vergleichsweise einfache Konstruktion an. Vontobel beispielsweise wirbt für eine Aktienanleihe mit mehreren Basiswerten: die 7,5 Prozent Protect Multi Aktienanleihe auf Deutsche Telekom, Deutsche Lufthansa und BMW (WKN VT735N). Fällt nur ein Wert unter die Barriere von 65 Prozent des Schlusskurses des Basiswertes am Ausgabetag, dann gibt es Aktien statt Bargeld.

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