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15.02.2013

11:41 Uhr

Anlagestrategie

Banken im Visier der Börsianer

VonMatthias von Arnim

Bankaktien sind wieder gefragt. Kurszuwächse von 50 Prozent und mehr waren in den zurückliegenden zwölf Monaten keine Seltenheit. Die Frage ist: Wie lange währt der Aufschwung noch?

Die Banken in Frankfurt. dpa

Die Banken in Frankfurt.

Frage: Was ist ein Optimist? Antwort: Ein Banker, der Sonntags fünf Hemden bügelt. Witze dieser Art machen derzeit in der Frankfurter Bankenszene die Runde, nachdem Politiker Zwangsaufspaltungen von Banken und sogar Gefängnisstrafen für zockende Bankmanager gefordert haben. Die Angestellten der Finanzbranche sehen die Entwicklungen in ihrer Branche jedoch offensichtlich weit kritischer als die Anleger.

Diese bewiesen nach einer langen Phase, in der Bankaktien als toxische Investments galten, wieder mehr Vertrauen in die Finanzindustrie und griffen bei Bankaktien in den vergangenen Monaten fleißig zu. Der Stoxx Europe 600 Banks Index, in dem die Kursentwicklung von aktuell 46 europäische Banken abgebildet wird, hat seit Juni 2012 mehr als 50 Prozent an Wert zugelegt. Die Aktienkurse einiger Finanzhäuser wie bei beispielsweise die Banca Popolare di Milano haben sich seitdem sogar fast verdoppelt. Die Frage ist nun: Geht es so weiter?

So legen die Deutschen ihr Geld an

Top 7

Sicherheitsdenken dominiert sehr stark auch die Anlagestrategien männlicher Finanzanleger. 86 Prozent der befragten Männer können sich nicht vorstellen, bei Anlagen für eine höhere Rendite ein höheres Risiko in Kauf zu nehmen. Frauen sind aber offenbar noch sicherheitsorientierter: 96 Prozent von ihnen wollen bei der Geldanlage möglichst kein Risiko eingehen.

Top 6

Trotz des derzeit allgemein niedrigen Zinsniveaus können sich nur neun Prozent der Anleger vorstellen, bei künftigen Finanzanlagen mit einer höheren Risikobereitschaft gegebenenfalls eine höhere Rendite zu erzielen. Mit 91 Prozent legt die Mehrheit der deutschen Sparer einen großen Wert auf Sicherheit.

Top 5

Neben Festgeld und Tagesgeld würden die Verbraucher 2013 auch stärker in Immobilien, Gold und andere Edelmetalle investieren, wenn sie einen größeren Geldbetrag dafür zur Verfügung hätten. Den größten Zuwachs im Vergleich zu 2012 erleben Immobilien. 46 Prozent aller deutschen Anleger würden sich ein Haus oder eine Wohnung anschaffen. Auch die Krisenwährung Gold ist 2013 deutlich beliebter. Knapp 30 Prozent der deutschen Anleger würden sich größere Goldbestände zulegen.

Top 4

Während Frauen tendenziell stärker in Festgeld sowie Tagesgeld investiert sind, meiden sie Aktienanlagen noch in stärkerem Maße als Männer. Bei Fonds sind hingegen nur geringfügige, bei Immobilien, Gold und anderen Edelmetallen sogar überhaupt keine Unterschiede im Anlageverhalten von Männern und Frauen feststellbar.

Top 3

Im Jahr 2012 waren bei den deutschen Anlegern Festgeld und Tagesgeld die beliebtesten Anlageprodukte. Obwohl der Dax in diesem Jahr um rund 30 Prozent zulegte, rangieren börsennotierte Finanzprodukte erst deutlich danach. Gerade einmal jeder fünfte Deutsche investierte sein Geld in Aktien. Darauf folgten Immobilien mit knapp 17 Prozent. Das in der Krise besonders beliebte Anlageobjekt Gold lag mit gerade einmal neun Prozent ebenfalls auf den hinteren Plätzen.

Top 2

Trotz eines weiteren Euro-Krisenjahrs stieg der Dax 2012 auf ein neues Allzeithoch. Knapp die Hälfte (48 Prozent) der deutschen Anleger zeigte sich trotz der guten Kursentwicklung mit der Werteentwicklung ihrer Finanzanlage unzufrieden.

Top 1

Der Anteil der Deutschen, die 2012 einen nennenswerten Geldbetrag angelegt haben, steigt mit zunehmenden Alter erkennbar an. Mit knapp 65 Prozent stellen Deutsche ab 60 Jahren die größte Gruppe der Privatanleger.

Tatsächlich gibt es Positives aus der Bankenbranche zu berichten. Die Strukturveränderungen sind gravierend. Viele Institute haben ihr Risikomanagement verbessert und ihre Tätigkeiten im Investmentbanking zurückgefahren oder sogar komplett eingestellt. Das Risiko in den Bilanzen ist eher gesunken. Das ist zu einem kleinen Teil der Einsicht geschuldet, dass vielen Bankern klar war, dass es nicht mehr so weitergehen konnte wie bisher. Hauptsächlicher Grund für die Reformen in den Geldhäusern ist aber vor allem, dass die Banken ihre Strukturen den neuen, strengeren regulatorischen Vorschriften aus Brüssel anpassen.

Echte Anleger sind...

...gelassen

"Sie wissen, dass Aktienkurse von allen möglichen unvernünftigen Kräften beeinflusst werden, dass sie ebenso fallen wie steigen können und dass das auch für Aktien gilt, die sie selbst besitzen. Wenn das passiert, reagieren sie darauf mit Gleichmut. Sie wissen, dass der Preis wieder zurückkommt, solange das Unternehmen die Eigenschaften behält, die sie als Anleger zunächst angezogen hatten."

...geduldig

"Anstatt sich von der Begeisterung der Menge mitreißen zu lassen, warten echte Anleger die richtige Gelegenheit ab. Sie sagen öfter Nein als Ja."

...rational

"Sie gehen auf der Basis klaren Denkens an den Markt und die Welt heran. Sie sind weder übermäßig pessimistisch noch irrational optimistisch; sie sind vielmehr logisch und rational."

Quelle: Robert G. Hagstrom, "Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie.", Börsenbuchverlag 2011.

So sorgt die Erhöhung der Eigenkapitalquote beispielsweise für belastbarere Bilanzen. Trotzdem liegen auf den Bilanzen immer noch die Schatten der noch immer ungelösten Schuldenproblematik der europäischen Krisenländer. „Europäische Banken sind die hauptsächlichen Inhaber von Staatsanleihen der Euro-Peripherie“, sagt Robert Halver von der Baader Bank. „Bankaktien haben aufgrund der Befriedung der Eurozone zu Jahresbeginn zwar deutlich stärker profitiert als der europäische Aktiengesamtmarkt, sie bekommen aber jetzt umgekehrt auch die politischen Risiken stärker zu spüren. Insgesamt steigt die Risikowahrnehmung wieder“, so Halver.

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