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05.12.2013

16:29 Uhr

Anlagestrategie

Boom der Öl-Zulieferer

VonMatthias von Arnim

Der Ölpreis stagniert seit Monaten. Der Grund dafür sind neue Fördermethoden, mit denen nun auch schwer zugängliche Quellen erschlossen werden können. Profiteure der neuen Entwicklung sind Ölservice-Unternehmen.

Ölpumpen auf einem Ölfeld in den USA: Der Preis für das Rohöl stagniert, doch von neuen Fördermethoden profitieren viele Öl-Zulieferer. dpa

Ölpumpen auf einem Ölfeld in den USA: Der Preis für das Rohöl stagniert, doch von neuen Fördermethoden profitieren viele Öl-Zulieferer.

DüsseldorfNikolaus steht vor der Tür, die Weihnachtsferien sind in Reichweite. In rund zwei Wochen, rechtzeitig zum Christbaumschmücken, werden Autofahrer auf dem Weg zu ihren Familien oder in den Urlaub wieder das alljährliche Ritual hoher Benzinpreise an den Tankstellen erleben dürfen. Doch diese Preise haben mit dem aktuellen Marktgeschehen rund ums Öl nur wenig zu tun. Denn an den Rohstoffbörsen schwankt der Ölpreis seit drei Jahren deutlich weniger als der Benzinpreis an den Zapfsäulen. Die Preisausschläge werden immer geringer, tendenziell geht es sogar leicht nach unten.

„Die Preise für Öl bewegen sich derzeit in einer Art Komfortzone. Sowohl die Produzenten als auch die Verbraucher können mit den derzeitigen Preisen gut leben“, sagt Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank. Es gebe mittelfristig auch keine signifikanten Gründe für einen langfristigen Preisanstieg. „Auf der einen Seite des Atlantiks bleibt der US-Markt durch die steigende Produktion im eigenen Land gut versorgt. Und auf der anderen Seite sorgen die in der OPEC zusammengeschlossenen Erdöl exportierenden Länder für stabile Preise. Vielleicht werden die OPEC-Mitglieder ihre Produktion sogar etwas drosseln, um einen Preisverfall zu verhindern“, so Weinberg. Der Grund: Da sich die USA zunehmend selbst mit Öl versorgen, wird der Bedarf an Öl aus OPEC-Ländern eher sinken – allerdings nicht in dem Maße, dass der Preis für Brent-Öl ins Bodenlose rutschen wird.

„Dafür sorgen schon allein immer wieder Unruhen in den Produzentenländern oder politische Entwicklungen. Ein schwer berechenbarer Faktor ist beispielsweise eine Rückkehr des Iran an die Ölmärkte. Ob und in welchem Umfang wieder iranisches Öl verkauft werden wird, kann im Moment niemand sagen“, so Weinberg. Sicher ist jedoch, dass die Ölförderung im Nahen Osten immer weniger Einfluss auf die Ölpreisentwicklung in den USA hat.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

Wie sehr sich die Ölmärkte westlich und östlich des Atlantiks schon jetzt voneinander entkoppelt haben, ließ sich insbesondere in den vergangenen Wochen gut anhand der unterschiedlichen Preise für die Ölsorten WTI (West Texas Intermediate) und Brent ablesen. Die Lagerbestände und damit auch das Rohölangebot in den USA sind hoch. Angaben des American Petroleum Institute zufolge sind die Ölvorräte in den vergangenen Wochen kräftig gestiegen.

Die Folge: Amerikanisches Öl der Sorte WTI geriet in den vergangenen Wochen deutlich unter Verkaufsdruck. Dagegen sorgen Streiks in den Förderanlagen im Osten Libyens weiter für Auftrieb beim Brent-Ölpreis. So kommt es, dass ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent zur Lieferung im Januar mittlerweile mehr als 111 Dollar kostet. Der vergleichbare Preis für amerikanisches Rohöl der Sorte WTI liegt derzeit bei gerade einmal 94 Dollar. Zum Vergleich: Vor ein oder zwei Jahren noch galt eine Differenz von ein oder zwei Dollar als normal.

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