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15.10.2011

12:34 Uhr

Anlagestrategie

Die billigen Dax-Schwergewichte

VonMatthias von Arnim

Nach dem Donnerwetter an der Börse sind die Aktienkurse einiger Dax-Konzerne sogar unter ihren Buchwert gerutscht und sind damit extrem günstig bewertet. Für Anleger bietet diese Situation Chancen.

Das Parkett der Frankfurter Börse. Viele Unternehmen notieren unter Buchwert. AFP

Das Parkett der Frankfurter Börse. Viele Unternehmen notieren unter Buchwert.

BonnDeutschlands Firmen verdienen prächtig. In diesem Jahr sammeln allein die Dax-Konzerne 74 Milliarden Euro an Gewinnen ein, so viel wie noch nie. Doch an der Börse werden deutsche Konzerne derzeit für zu leicht befunden. Der Dax hat seit Ende Juli rund 2.000 Punkte an Wert eingebüßt. Das ist ein Substanzverlust von 27 Prozent der noch im Sommer an der Börse vorhandenen Marktkapitalisierung.

Gegenüber dem Jahreshöchststand im April hat der Dax sogar ein Drittel seines Wertes verloren. Deutsche Unternehmen sind an der Börse derzeit so preiswert wie zuletzt in der schweren Wirtschaftskrise Anfang der achtziger Jahre. Im Schnitt zahlen Anleger für die 30 Dax-Konzerne nur noch knapp den achtfachen Jahres-Nettogewinn. Der historische Durchschnitt seit 1960 liegt beim 14-fachen des Jahresgewinns.

Der Kurseinbruch scheint nur auf den ersten Blick fundamental begründet: Die Konjunkturaussichten für die kommenden Jahre seien durch die Schuldenkrise eingetrübt, heißt es. Doch der Grund für den scharfen Dax-
Knick liegt nicht nur an den Ängsten der Börsianer vor einer Rezession, sondern auch in markttechnischen Gegebenheiten, die ausgerechnet den Dax derzeit besonders hart treffen: „Frankreich, Spanien und Italien haben sogenannte Leerverkäufe verboten. Das hat einige Marktteilnehmer dazu veranlasst, den Dax-Future als Weg zu nutzen, um sich gegen Kursrückschläge am europäischen Markt abzusichern. Denn der Dax-Future ist nach wie
vor frei von Beschränkungen auf Leerverkäufe“, erklärt Heiko Geiger von Vontobel.

Die Folge des technisch beschleunigten Ausverkaufs: Etliche Dax-Werte kosten an der Börse derzeit weniger als ihr eigener Buchwert. Selbst wenn eine Korrektur der Börsenkurse gerechtfertigt war, so ist zu erwarten, dass zumindest die Überreaktionen der Marktteilnehmer in Bezug auf die substanziellen Börsenbewertungen korrigiert werden. Beispiele für unterbewertete Aktien und die passenden Zertifikate für deren möglichen Turnaround sind fünf Schwergewichte aus dem Dax: Lufthansa, RWE, Volkswagen, Daimler und Thyssen-Krupp.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

15.10.2011, 14:57 Uhr

Zu RWE: Es gibt zusätzlich Probleme durch lange, ungünstige Gas-Lieferverträge mit Gazprom. Ende Juli wurde gemeldet: Gasabnehmer wie Eon-Ruhrgas, RWE oder GDF Suez haben mit Gazprom langfristige, teils bis 2036 laufende Verträge. Danach müssen sie Erdgas zu Konditionen kaufen, die sich am Ölpreis (WTI) orientieren. Die vereinbarten Mengen müssen die West-Konzerne auch kaufen, wenn sie selbst keine Abnehmer dafür finden. Dies ist zunehmend der Fall, seitdem relativ billiges frei verfügbares Erdgas in den Markt drängt. Grund dafür ist eine Importschwemme bei verflüssigtem Erdgas. Analysten rechnen mindestens bis 2014 mit Preisunterschieden bis zu 15 Prozent. Bisher weigerte sich Gazprom konsequent, dem Drängen der Abnehmer nach einer Aufweichung der Ölpreisbindung nachzugeben. Es ist also nicht nur der Ausstieg aus der Kernkraft und die Schuldenlast allein; man muss genauer hinsehen.
Übrigens wurden Ende September einige europäische Büros von Gazprom wegen des Verdachts auf illegale Gas-Preisabsprachen durchsucht, aber auch solche von RWE. Sollte der Gaspreis fallen, sitzt RWE noch mehr in der Klemme.

AlexM

15.10.2011, 20:12 Uhr

Geigers Aussage bzgl des DAX-Future machen keinerlei Sinn. DAX-Future Verkäufe senken nicht den Kurs der DAX-Aktien als solche.
Das Problem ist in Wirklichkeit, das die DAX-Firmen fast alle über 50% ihres Umsatzes in der EU machen (was bei starken zu erwartenden Unruhen, von denen wir jetzt schon die Anfänge sehen) zu massiven Einbrüchen führen wird. Zusätzlich kann man gerade sehen, das die Politik sich auf jedes Unternehmen stürzen wird, um es und seine Aktionäre immer mehr auszuplündern, mit netten links-populistischen Sprüchen werden u.U. Preissenkungen erzwungen, Steuern und andere Zwangsabgaben erhöht etc.. Dementsprechend wird immer mehr eine Flucht in asiatische und südamerikanische Staaten sowohl bei Firmen als auch bei Privatpersonen mit entsprechenden Fähigkeiten erfolgen. Ist alles immer wieder in der Geschichte passiert .. (und meistens fing der Zusammenbruch mit einer Banker- und/oder Kapitalistenhatz an)

GordonGekko

15.10.2011, 23:18 Uhr


Zitat: "was bei starken zu erwartenden Unruhen, von denen wir jetzt schon die Anfänge sehen"

Häh, was für Zeug haben Sie denn geraucht ???

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