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01.07.2011

10:23 Uhr

Anlagestrategie

Emerging Markets schlagen den Rest der Welt

VonJessica Schwarzer

„Hohe Chance gleich erhöhtes Risiko“ heißt eine Börsenregel. Für die Schwellenländer gilt das nicht mehr. Eine Analyse zeigt: Nicht nur bei der Kursentwicklung schneiden die Emerging Markets besser ab als die etablierten Märkte.

Ein chinesisches Model. Quelle: dapd

Ein chinesisches Model.

DüsseldorfDie aufstrebenden Schwellenländer sind bei Anlegern „in“ – und werden ihrer Rolle als Hoffnungsträger gerecht. Investoren konnten seit der Jahrtausendwende hohe Renditen einfahren. Das gilt nicht nur für Engagements an den Börsen in Brasilien, Russland, Indien oder China (den Bric-Staaten), sondern auch für viele andere Emerging Markets.

„In den vergangenen Jahren haben die Börsen in den Schwellenländern deutlich besser abgeschnitten als die Börsen in den Industrienationen“, sagt Carsten Mumm, Leiter Asset Management bei Donner & Reuschel. Das bestätigt das Rendite-Risiko-Radar, das Handelsblatt Online in Kooperation mit der Privatbank erstellt. „Es zeigt nicht nur, dass die Schwellenländer eine höhere Rendite bieten, sondern auch, dass das Risiko deutlich abgenommen hat“, sagt Mumm.

Grünes Licht für die Aktien aus den Wachstumsmärkten, ein sehr gemischtes Bild mit häufig auch roten Vorzeichen beim Welt-Index – das ist die Bilanz der vergangenen zwölf Jahre. Einige Beispiele: Anleger, die 2000 in den MSCI Emerging Markets investierten und 2011 wieder ausstiegen, erzielten eine jährliche Rendite von gut zehn Prozent. Hätten sie im selben Zeitraum auf den MSCI World gesetzt, der die Entwicklung der größten Aktien aus den Industrienationen widerspiegelt, hätten sie jährlich einen Verlust von knapp einem Prozent verbucht. Für den Zeitraum von 2008 bis 2011 sieht die Bilanz ähnlich aus. Die Emerging Markets punkten mit einer Rendite von gut 25 Prozent pro Jahr, der MSCI World schafft nur knapp 15 Prozent.

Indizes im Vergleich

Der MSCI World

Der MSCI World ist einer der prominentesten Aktienindex der Welt. Er gilt als Benchmark und Basiswert für unzählige Fonds, ETFs und Zertifikate. Mehr als 800 Aktien aus mehr als 20 Industrienationen sind in diesem Börsenbarometer enthalten. Aktien aus Entwicklungsländern (Emerging Markets) und Aktien kleiner Unternehmen (Small Caps) werden nicht berücksichtigt.

Die Länder im MSCI World

Ein Kritikpunkt an der Zusammensetzung des MSCI World ist die hohe Gewichtung amerikanischer Aktien. Fast 50 Prozent machen sie aus. Großbritannien ist nur mit 9,57 Prozent gewichtet, gefolgt von Japan mit 9,11 Prozent. Kanadische Aktien haben einen Anteil von etwas mehr als fünf Prozent, französische kommen auf etwas weniger als fünf Prozent. Deutschland hat einen Anteil von 4,06 Prozent am MSCI World.

Die größten Werte im MSCI World

Die zehn größten Werte im MSCI World sind Exxon Mobil, Apple, Nestlé, IBM, Chevron, General Electric, Microsoft, AT&T, Johnson & Johnson sowie Procter und Gamble. Deutschland ist beispielsweise mit Siemens, Merck & Co., BASF und Daimler vertreten.

Der MSCI Emerging Markets

Der Index MSCI Emerging Markets repräsentiert die Marktkapitalisierung der aufstrebenden Entwicklungsländer. Im Index sind allerdings auch hochindustrialisierte, reiche Länder wie Südkorea und Taiwan vertreten. Beide verpassten gerade erst den Aufstieg in den MSCI Word. Begründet hat MSCI das damit, dass die Währungen in diesen Ländern nicht frei konvertierbar sind. Im Dezember will der Indexanbieter über die Aufnahme von Katar und der Vereinigten Arabischen Emirate in die Reihe der Schwellenländer entscheiden.

Die Länder im MSCI Emerging Markets

Chinesische Aktien haben das größte Gewicht im MSCI Emerging Markets. Ihr Anteil liegt bei 17,29 Prozent. Brasilien ist mit 15,55 Prozent gewichtet. Es folgen Korea (14,77 Prozent) und Taiwan (11,08 Prozent). Indien und Südafrika kommen jeweils auf einen Anteil von etwas mehr als sieben Prozent, Russland auf etwas weniger.

Die größten Werte im MSCI Emerging Markets

Mehr als 1600 Unternehmen sind im Schwellenländer-Index gelistet. Samsung Electronics, Gazprom, Petrobras, Taiwan Semiconductor, Vale und China Mobile sind die größten Werte im MSCI Emerging Markets.

Der MSCI EM Eastern Europe

Der MSCI EM Eastern Europe Index ist der Aktienindex Osteuropas. Er beinhaltet Papiere von 55 osteuropäischen Unternehmen, die in Russland, Polen, Ungarn oder Tschechien ansässig sind.

Die Länder im MSCI EM Eastern Europe

Mit mehr als 73 Prozent gehören die meisten Aktien im Index russischen Konzernen. Es folgt Polen mit einem Anteil von gut 18 Prozent. Nur mit kleinen Anteilen, aber ebenfalls vertreten, sind Unternehmen aus Ungarn und Tschechien.

Die größten Werte im MSCI EM Eastern Europe

Stärkster Wert im MSCI EM Eastern Europe Index ist Gazprom. Der russische Energiekonzern hat ein Indexgewicht von mehr als 20 Prozent. Es folgen der Ölkonzern Lukoil und die russische Bank Sberbank. Zu den Unternehmen mit den größten Gewichtungen gehören außerdem Norilsk Nickel, Rosneft, Novatek, KGHM Polska Miedz, Mobile Telesys, Tatneft Common sowie die polnische Bank PKO.

Und auch in der Finanz- und Wirtschaftskrise waren Anlegern in Emerging Markets besser aufgehoben: Zwar stürzten auch die Schwellenländerbörsen ab. Doch sie erholten sich binnen kürzester Zeit wieder und legten in der Erholungsphase auch stärker zu. „Die Finanzkrise war vor allem eine Krise der etablierten Märkte“, sagt Mumm. „Die Emerging Markets bekamen die Schockwellen zwar auch zu spüren, wurden aber weniger hart getroffen. Während 2008 die meisten westlichen Industrienationen in die Rezession schlidderten, gab es in China, Indien und anderen Emerging Marktes lediglich eine Delle im Wachstum“, so Mumm.

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