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16.03.2014

12:19 Uhr

Anlagestrategie

Flucht in Sicherheit

VonMatthias von Arnim

Die Krim-Krise überschattet das Börsengeschehen. Manche Anleger haben Gewinne mitgenommen. Investoren sollten jetzt ihr Portfolio genau unter die Lupe nehmen und im Zweifelsfall defensive Werte bevorzugen.

dpa

UnkelPutin schafft Fakten. Auf der Krim haben seine Truppen schon vor Tagen die Kontrolle über die strategisch wichtigen Gebäude, Straßen und Versorgungseinrichtungen übernommen, die ukrainischen Kasernen werden belagert und der Hafen in Sewastopol blockiert. Die ukrainische Flotte soll an Russland übergeben werden – und der Rest der Krim gleich mit. Am Sonntag findet das umstrittene Referendum statt, in dem voraussichtlich beschlossen werden wird, dass die Krim offiziell russisch wird. Daran hegen Experten kaum einen Zweifel. Der Rest der Welt wird es vermutlich hinnehmen müssen.

„Es geht eigentlich nur darum, wie sich die Europäische Union und die USA aus der Affäre ziehen, ohne zu sehr an Glaubwürdigkeit zu verlieren“, sagt Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. Es geht allerdings nicht nur um Gesichtswahrung. Der Konflikt um die Krim ist ein politisches Beben, dessen Erschütterungen auch an den Finanzmärkten deutlich zu spüren sind. Die Stimmung unter den verunsicherten Investoren ist gedämpft. Aus Sorge um eine weitere Eskalation der russisch-ukrainischen Auseinandersetzungen haben Anleger in den vergangenen Tagen Gewinne mitgenommen. Der Dax notiert derzeit bei etwas unter 9.050 Punkten. Vor zweieinhalb Wochen stand der deutsche Leitindex noch bei über 9.700 Punkten. Folgt nun eine Baisse?

Turnaround-Kandidaten: Defensive Werte mit Offensivpotenzial

Turnaround-Kandidaten

Defensive Werte mit Offensivpotenzial

An den Börsen vermehren sich die Verkäufe. Die Anleger blicken mit Sorge auf die Krise in der Ukraine und die erlahmende chinesische Wirtschaft. Doch auch jetzt kann man noch Gewinne erzielen – mit defensiven Werten.

„Es heißt zwar, dass politische Börsen kurze Beine haben, doch in diesem Fall ist die Krim-Krise nicht die Ursache für die Kurskorrektur an den Aktienmärkten, sondern nur der Anlass für viele Anleger, die eigene Strategie zu überdenken, bereits erzielte Buchgewinne in bare Münze umzuwandeln und kurz innezuhalten“, meint Robert Halver. „Denn es gibt mehrere Unsicherheits-Faktoren, die von den Marktteilnehmern lange Zeit ausgeblendet wurden. Angesichts der dramatischen politischen Entwicklung in der Ukraine könnten verdrängte Ängste wieder geweckt werden“, so Halver. Dazu zähle die Angst, dass Chinas Immobilien-Kreditblase platzen und das Wirtschaftswachstum nicht nur in Asien, sondern weltweit gefährden könnte. Auch die Probleme in der Euro-Zone seien nicht gelöst, sondern nur mithilfe billigen Geldes von der Europäischen Zentralbank vertagt worden.

In den USA sei der Geldhahn ebenfalls weiterhin bis zum Anschlag geöffnet. Das Land sei nach wie vor hoffnungslos hoch verschuldet. Für Deutschland im Besonderen gelte: „Unsere Wirtschaft ist mindestens energieseitig eng mit der russischen verzahnt, dass es nicht im Interesse Deutschlands wäre, sich wegen der Geschehnisse auf der Krim ernsthaft mit Putin anzulegen“, so Halver. Je nachdem, ob der Krim-Konflikt sich ausdehnt oder nach und nach in diplomatischem Geplänkel ausklingt, hat dies die entsprechenden Folgen für verschiedene Branchen. So hat sich zuletzt zum ersten Mal seit Langem der MDax nicht mehr besser als der Dax entwickelt.

„Das liegt an den vielen zyklischen Exportwerten aus Branchen wie Maschinenbau, Automobil, Elektro und Chemie, für die Russland ein bedeutender Absatzmarkt ist. Aktien von Unternehmen aus diesen Branchen werden erneut steigen, wenn zwischen Russland und dem Westen wieder Tauwetter einsetzt“, erwartet Halver. Von einer heißen Spekulation auf die politische Entwicklung im Osten rät der Börsenexperte jedoch ab.

„Angesichts der Gesamtsituation ist es vermutlich kein Fehler, jetzt erst einmal auf defensive Branchen zu setzen“, so Halver. Dazu zählen Branchen wie Konsum, Telekom, Versicherungen und Pharma.

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