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13.07.2012

14:08 Uhr

Anlagestrategie

Gewinne einfahren in unsicheren Zeiten

VonMartin Ahlers

Die Stimmung der Privatanleger ist auf ein historisches Tief gefallen – kein Wunder angesichts der Schuldenkrise und vielen ungelösten Probleme. Doch genau dieses Stimmungsbild birgt Chancen für Anleger.

Ein Händler an der Frankfurter Börse: Die Stimmung der Anleger ist schlecht. dapd

Ein Händler an der Frankfurter Börse: Die Stimmung der Anleger ist schlecht.

DüsseldorfDie Lage ist alles andere als rosig: Die Zinsen spanischer und italienischer Staatsanleihen steigen kontinuierlich, die Ratingagenturen haben Dutzenden Banken herabgestuft, der Rettungsschirm wurde auf Zypern  ausgedehnt - und bald womöglich auch noch auf ganz Spanien und nicht nur wie bislang auf die dortigen Kreditinstitute. Da ist es wenig überraschend, dass die Börsenstimmung laut einer Umfrage der DZ Bank unter ihren Privatanlegern auf ein historisches Tief gefallen ist. „Nicht einmal jeder Sechste glaubt daran, dass sich die Situation positiv entwickeln werde“, so das Ergebnis der Befragung. „Nur noch jeder Fünfte rechnet in den kommenden sechs Monaten mit steigenden Kursen.“

Genau hierin könnte aber die große Chance liegen. So hätten schlechte Nachrichten zuletzt kaum noch für weitere Rückgänge am Aktienmarkt gesorgt, wie der Vermögensverwalter Thomas Grüner zu bedenken gibt. Wer verkaufen wollte, hat dies wohl längst getan.

Bleiben weitere schlechte Nachrichten aber aus oder gibt es sogar positive Überraschungen, wie Ende  vergangener Woche im Rahmen des EU-Gipfels, führt dies schnell zu steigenden Aktienkursen. Ein vollkommenes Eskalieren der Euro-Krise sowie ein Zerbrechen des Währungsraums einmal ausgeschlossen, sieht der Geschäftsführer der Grüner Fischer Investments in Rodenbach den Dax Ende Dezember deshalb bei Notierungen oberhalb des bisherigen Jahreshochs von 7.194 Punkten. 

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Entsprechend mag er dem häufigen Ratschlag, mit der Anlage noch zu warten, bis sich die Euro-Krise entspannt habe, auch nichts abgewinnen. „Wer nur bereit ist, in sicheren Zeiten Aktien zu kaufen, wird keine ordentlichen Gewinne einfahren“, so die These des Vermögensverwalters. 

Für Anleger, die Grüners Einschätzung teilen und ebenfalls eher positiv gestimmt sind, stellen Sprint- und Outperformancezertifikate eine interessante Depotbeimischung dar. Beide Produktgattungen können ihren Besitzern bei Preissteigerungen des Basiswertes überproportionale Gewinne bescheren. Dazu ist es allerdings erforderlich, die Unterschiede zu kennen und vor allem den richtigen Basispreis zu wählen.  

Andernfalls besteht die Gefahr, dass die prognostizierte Entwicklung des Underlyings (Basiswert) zwar exakt eintritt, sich der Kurs des Derivats aber nicht in der erwarteten Art und Weise entwickelt. Der Reiz von Sprintzertifikaten, die von manchen Emittenten auch als Double-Chance-Zertifikate bezeichnet werden, liegt darin, dass sich mit ihnen die Kursgewinne des Basiswertes innerhalb einer bestimmten Bandbreite verdoppeln lassen.

 

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