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16.08.2013

07:00 Uhr

Anlagestrategie

Gold glänzt wieder

VonMatthias von Arnim

Neun Monate lang kannte der Goldpreis nur eine Richtung: abwärts. Damit scheint es nun vorbei zu sein. Seit einem Monat steigt der Preis wieder zügig an. Mit welchen Produkten Anleger davon profitieren können.

Begehrtes Gold: Nach einer längeren Talfahrt könnte der Preis wieder anziehen.

Begehrtes Gold: Nach einer längeren Talfahrt könnte der Preis wieder anziehen.

FrankfurtGold ist eine Krisenwährung. Es gilt als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten, als Fieberthermometer der Konjunktur: Je mehr Angst herrscht, desto höher steigt die Fieberkurve. Wenn die Entwicklung des Goldpreises also tatsächlich der Gradmesser dafür ist, wie viel Angst Anleger vor unsicheren Zeiten haben, dann schien aus Sicht dieser Anleger die Schulden-Krise der westlichen Industriestaaten schon im Juli 2011 ein jähes Ende gefunden zu haben: Innerhalb weniger Wochen fiel der Preis für eine Feinunze Gold von rund 1900 auf unter 1600 US-Dollar.

Nach einer dann 18 Monate lang währenden Phase, in der der Goldpreis zwischen 1600 und 1800 US-Dollar hin- und herpendelte, rutschten die Goldnotierungen ab April 2013 dann sogar noch einmal dramatisch ab. Bei 1200 US-Dollar pro Feinunze war die Talsohle erreicht. Das war Ende Juni der Fall. „Wer seine Goldbestände verkaufen wollte, hat dies in den vergangenen Monaten getan. Die Stimmung für Gold ist auf einem Tiefpunkt angelangt“, sagt Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank. Selbst ehemalige Gold-Optimisten wie Fonds-Manager John Paulson, größter Investor des SPDR Gold Trust, George Soros und Daniel Loeb haben ihre Gold-Bestände stark reduziert oder sogar ganz komplett aufgelöst.

Was Sie über Gold wissen sollten

Was ist Gold?

Gold ist ein seltenes Metall mit einem Schmelzpunkt von 1064 Grad Celsius. Der Siedepunkt liegt bei 2856 Grad. Die chemische Abkürzung für Gold ist „Au“ und stammt vom lateinischen Wort „Aurum“ ab. Es hat mehrere Eigenschaften, die es für die Menschheit über die Jahre nützlich gemacht hat. Gold leitet extrem gut. Außerdem reagiert es nicht mit Wasser oder Sauerstoff.

Wie viel Gold wurde in der Geschichte gefördert?

Nach Schätzungen wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte bis heute um die 166.600 Tonnen Gold aus Minen geholt. Ein Großteil davon – etwa zwei Drittel – seit 1950.

Wie viel Gold gibt es noch auf der Erde?

Die letzten Zahlen der US Geological Society gingen im Januar 2011 von weltweit 51.000 Tonnen aus.

Wie viel Gold wird pro Jahr abgebaut?

In den vergangenen Jahren waren es etwa 2.500 Tonnen pro Jahr.

Wo wird weltweit am meisten Gold abgebaut?

Überall auf der Welt wird Gold gewonnen. Aber beinahe ein Drittel des Goldes wird in nur drei Ländern abgebaut. An der Spitze liegt China mit 13,1 Prozent, darauf folgen die USA und Australien mit jeweils 9,1 Prozent.

Was passiert mit dem Gold?

29 Prozent des abgebauten Goldes kommt im Investmentbereich zum Einsatz, also in Form von Münzen und Barren. Aus 59 Prozent wird Schmuck gemacht. 12 Prozent wird von der Industrie verarbeitet.

Wo sind die größten Absatzmärkte für Gold?

Mit 1059 Tonnen ist Indien der mit Abstand größte Absatzmarkt für physisches Gold (Münzen, Barren, Schmuck). Dahinter liegt China mit 770 Tonnen. Im Vergleich dazu abgeschlagen sind die USA mit 213 Tonnen und Deutschland mit 154 Tonnen.

Quelle: World Gold Council

Wer sind die größten Goldbesitzer?

Größte Goldbesitzer sind die Notenbanken. Die Vereinigten Staaten sitzen auf rund 8.100 Tonnen, gefolgt von Deutschland mit 3.400 Tonnen und dem Internationalen Währungsfonds mit 2.800 Tonnen. Die Notenbanken waren über Jahre Netto-Verkäufer. Seit dem vergangenen Jahr sind sie jedoch wieder Netto-Käufer. Das Interesse kommt vor allem aus den Schwellenländern.

Wie pessimistisch viele Anleger derzeit in Bezug auf Gold-Investments sind, macht die aktuelle Studie „Commitments of Traders“ (COT) deutlich, die einmal wöchentlich von der US-amerikanischen Aufsichtsbehörde für den Rohstoffhandel CFTC (U.S. Commodity Futures Trading Commission) veröffentlicht wird. Demnach ist der Optimismus für Gold unter den befragten Rohstoffhändlern so gering wie seit sieben Jahren nicht mehr. „Das Stimmungstief ist allerdings ein sehr guter Contra-Indikator“, sagt Eugen Weinberg. Er verweist dabei auf die seit Ende Juni anziehenden Preise. „Dass der Goldpreis nun wieder steigt, obwohl die Stimmung für Gold auf einem Tiefpunkt ist, ist ein gutes Zeichen für weiter steigende Notierungen. Selbst der aufkommende Konjunkturoptimismus konnte den Preisanstieg bei Gold in den vergangenen zwei Wochen nicht bremsen“, so Weinberg.

Während viele private Anleger aus Angst vor weiteren Verlusten sich vom gelben Edelmetall verabschiedet haben, greifen die Profis nun kräftig zu. „Die massiven Goldverkäufe auf den Terminmärkten wirken verunsichernd auf Anleger“, sagt der Vermögensverwalter Holger Schmitz, Vorstand der Schmitz & Partner AG aus Brione in der Schweiz. „Gleichzeitig wird an den Kassamärkten sehr viel gekauft, allen voran von den Notenbanken. Anleger tun daher gut daran, sich nicht beirren zu lassen und weiterhin auf Gold zu setzen“, so Schmitz. In der Tat horten die Zentralbanken weiter fleißig Gold. Aktuell lagern in ihren Depots insgesamt rund 31.671 Tonnen, das ist etwa ein Fünftel des jemals geschürften Goldes.

Kommentare (29)

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FFG

16.08.2013, 07:24 Uhr

Und wieder die Wahnsinnsempfehlung für Gold-ZERTIFIKATE - also reiner Papiergold. Manche lernen es nie.

Übrigens: Viele private Anleger hätten sich von ihren Goldbeständen getrennt? Das glaubt Ihr doch selbst nicht. Laut Pro Aurum lag das Verhältnis zwischen Goldkäufen und Goldverkäufen während der Talfahrt dennoch bei 5:1.

In Indien und China wird derzeit soviel Gold gekauft wie niemals zuvor: Für 2013 wird der Goldkauf von Privaten jeweils 1.000 Tonnen betragen.

Account gelöscht!

16.08.2013, 07:27 Uhr

...und der smarte Herr oben auf dem Foto hat vor ca. 3 Wochen empfohlen, Gold zu verkaufen ! Also auf dem absoluten Tiefpunkt. Seine Rat: "Gehen Sie u.a. in Anleihen". Und wieder dumm gelaufen, die Renditen sind in den letzten drei Wochen stark gestiegen, d.h ein weiterer Verlust. Die 99 sek. Arroganz waren wirklich ein starkes Stück, Herr Stock !

Kopfgeschuettelt

16.08.2013, 07:28 Uhr

Gestern war es Paulson, der sich von Gold trennt. Heute glänzt es schon wieder.

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