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01.03.2013

14:56 Uhr

Anlagestrategie

Wette auf das Comeback der Supermacht

VonMatthias von Arnim

Die USA rollen das Feld von hinten auf: Als billiger Industriestandort und Rohstoffexporteur setzt das Land auf Stärken, die man bisher nur Schwellenländern zuschrieb. Wie Anleger davon profitieren können.

Amerikanische Unternehmen sind in zahlreichen Feldern bis heute dominierend, dazu gehören unter anderem Informationstechnik, Finanzwirtschaft, Automobilbau und Rüstungstechnologie. dpa

Amerikanische Unternehmen sind in zahlreichen Feldern bis heute dominierend, dazu gehören unter anderem Informationstechnik, Finanzwirtschaft, Automobilbau und Rüstungstechnologie.

DüsseldorfZwei Milliarden Euro: Das ist der Wert der Waren und Dienstleistungen, die jeden Tag über den Atlantik hinweg zwischen den USA und der Europäischen Union ausgetauscht werden. Dieser Handelsstrom macht etwa ein Drittel des Welthandels aus und soll nun mithilfe einer transatlantischen Freihandelszone verstärkt werden. Die Idee kam vor kurzem aus dem Weißen Haus. Aus Washington. Ausgerechnet.

Auf den ersten Blick verwundert dies: Denn die Vereinigten Staaten waren in den vergangenen Jahren im Verhältnis zu Europa eher auf Krawall gebürstet, wenn es um den freien Handel ging. Da stellt sich die Frage, warum die US-Regierung plötzlich den Charme einer neuen Freihandelszone mit Europa entdeckt.

Die Antwort sei simpel, wenn man das Handlungsschema der US-Politik auf ihren wichtigsten Faktor herunterbreche, sagt Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. „Politische Entscheidungen lassen sich in den USA auf einen einfachen Nenner bringen: Wenn es der Wirtschaft nutzt, wird es gemacht“, erklärt Halver. Die USA hätten im Moment Interesse an einer Öffnung der Märkte. Denn die einstmals größte Industrie- und Exportnation der Welt wolle an ihre alten Stärken anknüpfen. Und dafür brauche sie frei zugängliche Absatzmärkte ohne Handelsbeschränkungen für US-Waren, so Halver.

Superreiche und ihre Aktien: Die Top 10 seit 2008

Berechnung

Vergleich von Aktien aus der Milliardärsliste, die Bloomberg veröffentlicht. Nicht alle Superreichen gründen ihren Reichtum auf Unternehmen, die an der Börse notiert sind. Einige der Aktien erlauben zudem keine Betrachtung über fünf Jahre, die hier vorgenommen wurde.

Stand: Ende Januar 2013

Jeff Bezos

Die Aktie: Amazon               (906866)  Die Performance:             299,41%

Amancio Ortega             

Die Aktie:            Inditex 756434  Die Performance:           228,00%

Jorge Lemann  

Die Aktie:            Anheuser-Busch  590932  Die Performance:           107,95%

Bernard Arnault              

Die Aktie:            LVMH   853292  Die Performance:           100,39%

Larry Ellison       

Die Aktie:            Oracle   871460  Die Performance:           96,29%

Iris Fontbona

Die Aktie:            Antofagasta       867578  Die Performance:           66,39%

Stefan Persson

Die Aktie:            Hennes & Mauritz             872318  Die Performance:           56,00%

Familie Walton 

Die Aktie:            Wal-Mart            860853  Die Performance:           53,56%

Larry Page         

Die Aktie:            Google           A0B7FY      Die Performance:           49,01%

Liliane Bettencourt        

Die Aktie:            L'Oreal  853888  Die Performance:           38,39%

Es ist also etwas in Bewegung geraten auf der anderen Seite des Atlantiks. Es war dringend nötig: Die Nation mit der weltweit höchsten privaten und Staats-Verschuldung ist heute ein Staat, der in den vergangenen Jahrzehnten eine radikale Deindustrialisierung betrieb. Kaum ein Produkt, das das Siegel „Made in USA“ trägt, wird noch in den USA gefertigt. Die Produktion und damit auch ein Großteil der Jobs in der Industrie wurden nach Asien und insbesondere nach China ausgelagert.

Heute macht allein der Konsum rund 72 Prozent des amerikanischen Bruttoinlandsprodukts aus. Ehemalige Industriestandorte wie Detroit veröden. Wer einen Job hat, der arbeitet in der Dienstleistungsbranche, bei einer Bank, einer Versicherung, in der Immobilienbranche, im öffentlichen Sektor oder als Rechtsanwalt. Exportweltmeister sind die USA nur noch, wenn es um Waffen und Software geht.

Kommentare (7)

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Darkwhite

01.03.2013, 15:17 Uhr

Durch das Fracking wird die Energie billiger. Was ich seit Beginn der Fracking-Begeistung in den Anlageblättern nicht verstehe: Wie sollen da die Energielieferanten von profitieren?

Geringere Gaspreise, höherer Wettbewerb da einfacher gefördert werden kann und höhere Technologiekosten für die Nutzung der neuen Methode sollen den Gasförderern einen Gewinnschub liefern? Übersehe ich da etwas?

Für eine ehrliche Antwort bin ich dankbar.

No_we_cannot

01.03.2013, 15:32 Uhr

Na, über eine Freihandelszone kann man nachdenken, wenn die Bedingungen zur Einreise für Europäer wieder zum Stand 1990 erfolgt. Ansonsten sehe ich keinen Grund eine Freihandelzone mit den USA einzugehen, schon garnicht bei Lebensmitteln.

WFriedrich

01.03.2013, 16:23 Uhr

Die im Redaktionsbeitrag beschriebene Strategie erscheint mir sehr zweckmäßig zu sein. Die Finanzindustrie wird künftig ihre volkswirtschaftliche Bedeutung nicht bewahren können, falls sich die Ereignisse aus 1929 wiederholen. Aber auch ohne diesen Extremfall werden die Banken (weltweit) mit geringeren Margen rechnen müssen. Ursache könnten sinkende Umsätze im Rohstoffmarkt (sinkende Einheitspreise bzw. Handelkurse) und rezessive Tendenzen sein. Bisher tauscht China seine Dollar-Guthaben noch nicht in Gold; das könnte sich im Falle sinkender Goldpreise urplötzlich ändern. Obwohl die US-Rüstungsindustrie die innovativsten und überlegendsten Waffen herstellt, ist deren Preis recht hoch (als Folge der Großzügigkeit der öffentlichen Nachfrage). China wird deshalb wohl bald mit niedrigeren Preisen herausfordern. Aktuell sehen wir, dass die Verbesserung der Exportfähigkeit mittels innerer Abwertung in anderen Ländern (Spanien, Griechenland ...) kaum voran kommt. Falls den USA die Kostensenkung der anderen Produktionsfaktoren gelingt, wird das strategische Ziel Sicherlich erreicht werden. Allerdings scheinen niedrigere Energiekosten angesichts ihres geringen Anteils an den Gesamtkosten allein kaum ausreichend zu sein. Auf jeden Fall wird es spannend im Wettbewerb. Mit Interesse wird nun auf die Antwort des alten Europa gewartet werden.

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