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13.06.2011

13:19 Uhr

Anlagestrategie

Wie sich Anleger vor der Inflation schützen

VonMatthias von Arnim

Inflation ist für viele Investoren ein Thema. Anleger, die sich vor der schleichenden Geldentwertung schützen wollen, sollten Anlagepapiere mit dem passenden Basiswert wählen – und vor allem auf die Konditionen achten.

Blick auf Euro-Geldscheine. Quelle: dpa

Blick auf Euro-Geldscheine.

DüsseldorfDie Inflation ist da. Und zwar nicht nur als  Gespenst oder gefühlt, sondern in Zahlen ablesbar. Zwar sank die offizielle Inflationsrate in Deutschland im Mai laut Statistischem Bundesamt leicht von 2,4 auf 2,3 Prozent. Die Wunschmarke der Europäischen Zentralbank (EZB) liegt aber nur bei 2,0 Prozent. Jede Preissteigerung darüber soll bekämpft werden. Die Konsequenz: Die Leitzinsen werden nun schrittweise erhöht. Die EZB hat Anfang April mit einer Erhöhung des Leitzinses um 0,25 Prozentpunkte auf aktuell 1,25 Prozent den Anfang gemacht. „Weitere Zinsschritte werden folgen. Darauf deuten auch die sogenannten Zins-Forward-Kurven hin, die die Erwartung der Marktteilnehmer zur künftigen Zinsentwicklung beschreiben“, sagt Dominik Auricht, Experte für Wertpapier-Anlagelösungen der Hypo-Vereinsbank Onemarkets.

So ist es kein Wunder, dass Anleger angesichts steigender Zinsen und steigender Verbraucherpreise auch vermehrt Wertpapiere suchen, die einen möglichen weiteren Preisauftrieb mitmachen und steigende Renditen bieten. Die Zertifikate-Branche kommt ihnen hier entgegen. Es gibt derzeit eine ganze Reihe von Neuemissionen, die unter dem Begriff „Inflationsschutz“ angeboten werden. Deren Prinzip ist auf den ersten Blick sehr ähnlich: Die Zertifikate bieten vierteljährlich eine Kuponzahlung. Die Höhe des Kupons richtet sich danach, ob der Basiswert des jeweiligen Zertifikats steigt oder fällt. Als Basiswert wird ein Inflations-Indikator herangezogen. Und genau hier sollten Anleger genau hinsehen. Denn die Auswahl des Basiswertes entscheidet darüber, ob das Geld gut angelegt ist.

Was von der Inflation bei den Verbrauchern ankommt

Warum steigen Verbraucherpreise?

Preise sind zum einen das Ergebnis von Angebot und Nachfrage. Für die Schwankungen bei den Preisen sind aber vor allem die Kosten für Rohstoffe verantwortlich, sowie auch Ausgaben für Mitarbeiter. „Zurzeit ist Energie ein wesentlicher Faktor, der die Preise steigen lässt“, sagt der Inflationsexperte und Professor an der Universität Freiburg in der Schweiz, Hans Wolfgang Brachinger. Benzin und Diesel sind im Jahresvergleich für den Monat Mai um 11,4 Prozent gestiegen, wie die Statistiker vom Bundesamt ausgerechnet haben. Strom, Gas und leichtes Heizöl wurden in der Zeit um 8,3 Prozent teurer. Durch den geplanten Atomausstieg müssen sich laut Brachinger deutsche Verbraucher auch in der nächsten Zeit auf steigende Energiepreise einstellen.

Führen teure Rohstoffe automatisch zu höheren Preisen?

Nicht unbedingt. Wenn die Kosten für die Herstellung steigen, können die Produzenten oder Händler entscheiden, ob sie direkt die Preise für ihre Produkte anheben, oder zeitweilig mit einem geringeren Gewinn auskommen. „Das geht natürlich nur, wenn die Nachfrage groß genug ist“, sagt der Konjunkturexperte vom hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut, Jörg Hinze. Machen die Unternehmen allerdings ihre Produkte teurer, riskieren sie, dass weniger gekauft wird oder die Kunden zur Konkurrenz gehen. Da vor allem im deutschen Einzelhandel intensiver Wettbewerb herrscht, sind Preiserhöhungen für die Händler oft schwer durchzusetzen.

Wie wird die Preisentwicklung gemessen?

Die Preisentwicklung wird von den Statistikern intensiv beobachtet - und mit Hilfe des so genannten Verbraucherpreisindexes (VPI) berechnet. Grundlage dafür ist ein Warenkorb aus gängigen Gütern und Dienstleistungen, der ständig aktualisiert wird. Die Statistiker berechnen zum Beispiel für Bücher, Kinokarten, Benzin oder den Friseurbesuch die Preisentwicklung - und gewichten nach Bedeutung. Das größte Gewicht mit insgesamt 30 Prozent machen Mieten inklusive Nebenkosten aus. Weitere große Posten sind Lebensmittel (10 Prozent), die Ausgaben für Verkehr (13 Prozent) sowie Freizeit und Kultur (12 Prozent). Für die Berechnung schicken die Statistischen Ämter jeden Monat rund 600 Mitarbeiter los, die mehr als 300.000 Preise erheben.

Wie aussagekräftig sind die bloßen Zahlen der Statistiker?

Durch die Brille vieler Verbraucher nur begrenzt. Der Warenkorb der Statistik muss ja mit den Konsumgewohnheiten einzelner Verbraucher gar nichts zu tun haben. Ähnlich wie beim Wetter gibt es zudem auch eine „gefühlte“ Inflation. Viele Haushalte stellen zunehmend bei Produkten eine starke Preissteigerung fest, die von ihnen häufig gekauft werden, wie Benzin und Lebensmittel. Steigt der Preis für Brot, nehmen das viele Kunden intensiver wahr, als bei Autos, Fernsehern oder Ausgaben, die per Dauerauftrag automatisch abgebucht werden. Das Statistische Bundesamt und Professor Brachinger geben daher auch Zahlen zum sogenannten „Index wahrgenommener Inflation“ (IWI) heraus. Diese Werte können deutlich vom VPI abweichen. „Unser IWI-Index steigt seit Mitte 2009 kontinuierlich und macht im Mai einen Riesensatz nach oben, von 3,4 auf 5,3 Prozent“, sagte Brachinger.

Warum liegen die „gefühlte“ und reale Inflation so weit auseinander?

Das lässt sich durch die unterschiedlichen Berechnungen erklären. „Sinkende Preise bei Notebooks, Handys oder auch Fernseher drücken den VPI, aber nicht den IWI, weil der Durchschnittsverbraucher diese Produkte nur selten kauft.“, sagte Brachinger. Schließlich wird Kaffee häufiger gekauft als ein neuer Fernseher. Beispielsweise wurden alkoholfreie Getränke im Jahresvergleich deutlich teurer - vor allem Kaffee (plus 22 Prozent) und Fruchtsaftarten (teils 14 Prozent). Dafür gingen die Preise bei elektronischen Geräten zurück: Notebooks (minus 14,0 Prozent), Handys (minus 14,6 Prozent), Fernseher (minus 13,0 Prozent). Im Mittelwert gleicht sich das bei den Verbraucherpreisen teilweise aus. Aber die „gefühlte“ Inflation steigt trotzdem stark an.

Als Basiswerte für Inflationszertifikate stehen mehrere Indizes zur Verfügung, wovon insbesondere zwei Varianten derzeit die Hitliste anführen: zum einen der sogenannte Harmonisierte Verbraucherpreis Index (HVPI) ohne Tabak für Deutschland oder Europa und zum anderen die Euro Interbank Offered Rate (Euribor). Das ist der durchschnittliche Zinssatz, zu dem sich in Europa die Banken gegenseitig Geld leihen. Der HVPI dient der Europäischen Zentralbank als Referenzwert zur Berechnung der Inflation. Doch das heißt nicht, dass dieser Index auch als Basiswert für Inflationszertifikate am besten geeignet ist. Der Grund: „Der HVPI ist letztlich ein politischer Index“, sagt Sasa Perovic von der Ratingagentur Scope. Denn der HVPI hat in Europa eine Aufgabe. Er spiegelt die Preisentwicklung für einen definierten Waren und Dienstleistungskorb (ausgenommen Tabakindustrie) in der Euro-Zone wider. Der Index wird vom europäischen Statistikamt Eurostat für die gesamte Euro-Zone berechnet. Grundlage für die Berechnung sind die nationalen HVPIs der EU-Mitgliedsstaaten.

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