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01.02.2007

11:19 Uhr

Anlagestrategie

Zertifikate-Auflauf im Fondsmantel

VonMatthias von Arnim

Fonds- und Zertifikatewelt wachsen weiter zusammen. Zertifikate-Fonds wollen die Vorzüge beider Gattungen vereinen. Doch nicht immer profitiert der Anleger davon.

Dieser Artikel ist der Ausgabe 02/2007 des kostenlosen Handelsblatt Zertifikate-Newsletters entnommen. Zur Vollansicht bitte anklicken. Illustration: Adja Schwietring.

Dieser Artikel ist der Ausgabe 02/2007 des kostenlosen Handelsblatt Zertifikate-Newsletters entnommen. Zur Vollansicht bitte anklicken. Illustration: Adja Schwietring.

„Wer seine Geschäfte maschinenmäßig betreibt, der bekommt ein Maschinenherz“, mahnte Konfuzius einst. 2500 Jahre später erinnern sich einige Fondsgesellschaften des weisen Chinesen und preisen Zertifikate-Fonds mit genau diesem Argument an. Erfahrene Fondsmanager aus Fleisch und Blut könnten das Beste herausholen aus den neuen künstlichen Kreationen der Finanzbranche, propagieren sie, und verweisen auf das schier unübersichtliche Angebot an Zertifikaten. Bonus-, Discount-, Lock-In und andere Investmentkonstruktionen haben jeweils für sich genommen besondere Vorteile in bestimmten Börsensituationen.

Doch wie bei jeder Geldanlage gilt auch hier: der richtige Mix macht´s. Und den zu finden, wird angesichts des von Tag zu Tag wachsenden Angebots immer schwieriger. Allein die Selektion der potenziell aussichtsreichsten Produkte kann zur Doktorarbeit werden. Knapp 73.000 Hebelprodukte und 60.000 Anlagezertifikate wurden Angaben des Derivate Forums zufolge im November 2006 in Deutschland gehandelt. Verbrieft wird nahezu alles, von Indizes über Aktien und Rohstoffe bis hin zum Wetter. Wer auf eigene Faust nach passenden Zertifikaten für sein Depot sucht, kann da schon einmal schnell den Überblick verlieren. Bei den Zertifikate-Fonds, so das Versprechen der Branche, managen dagegen Profis die im Fonds enthaltenen Zertifikate. Die Portfolios werden den Marktverhältnissen entsprechend täglich gepflegt. Das kann ein privater Anleger in der Tat nur schwer leisten.

Discount- und Bonus-Strategien überwiegen

Noch ist das Angebot an Zertifikate-Fonds überschaubar. Derzeit wollen 43 Fonds unter dieser Bezeichnung zum Nutzen des Anlegers Licht ins Derivate-Dunkel bringen. Schon beim ersten Blick durch die Reihen fällt allerdings auf, dass die meisten Konzepte dafür nur eine Sparflamme zünden. Mehr als die Hälfte der Fondsmanager konzentriert sich ausschließlich auf Discount- und/oder Bonus-Zertifikate auf europäische Aktien oder Indizes.

Und auch bei der Beschreibung der Fonds-Strategien hält sich die Phantasie der Investmenthäuser in Grenzen. Außer der Tatsache, dass die Fonds in Finanzderivate investieren, wird in der Regel wenig über die Anlageziele verraten. Ansgar Guseck von der Sauren Fonds-Research AG hält Zertifikate-Fonds vor diesem Hintergrund für „ein eher uninteressantes Thema.“ Mithilfe von Zertifikaten könne man durch die verschiedenen Auszahlungsdiagramme zwar interessante Strukturen darstellen, so Guseck, „allerdings gehen sie mit jedem höheren Renditeversprechen auch ein höheres Risiko ein – und umgekehrt. Wenn ein Fondsmanager nicht plausibel darlegen kann, wie er durch den Einsatz von Zertifikaten einen echten Mehrwert erzielen kann, bleibt der Nutzen eines Zertifikate-Fonds unklar.“

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Bei Fonds, die sich entweder auf Discount-, Bonus- oder auf die Kombination der beiden Zertifikatetypen spezialisiert haben, können Anleger immerhin auf ein bestimmtes Marktszenario setzen. Beide Zertifikatearten spielen ihre Vorteile vor allem in Seitwärtsbörsen aus. Das Prinzip der Discountzertifikate nutzen vorsichtige Fondsmanager, um die Volatilität ihrer Fonds möglichst niedrig zu halten: Discount-Zertifikate bilden die Wertentwicklung eines Index oder einer Aktie ab. Investoren zahlen allerdings nicht den vollen Preis, sondern der Rabatt fungiert als Verlustpuffer. Dafür sind die Gewinnchancen auf einen Maximalwert (Cap) begrenzt. Am Ende der meist 18- bis 24-monatigen Laufzeit wird der tatsächliche Börsenkurs der Aktie oder des Index ausgezahlt. Der Effekt: An Gewinnen oberhalb des festgelegten Caps partizipiert das Zertifikat nicht. Verluste des Basiswertes innerhalb des Rabatts führen nicht zu Kapitalverlusten.

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