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05.07.2013

11:52 Uhr

Anlagestrategie

Zocken mit Bundesanleihen

VonMatthias von Arnim

Ben Bernankes Drohungen, die Niedrigzinspolitik der Fed zu beenden, ließ die Renditen von US-Rentenpapieren steigen. Die EZB wird dem diesem Beispiel vorerst nicht folgen. Was das für die Anleger bedeutet.

Seine Worte können Kurse lenken – die Reden des Federal Reserve-Chefs Ben Bernanke verfolgen Banker und Broker weltweit aufmerksam. dapd

Seine Worte können Kurse lenken – die Reden des Federal Reserve-Chefs Ben Bernanke verfolgen Banker und Broker weltweit aufmerksam.

FrankfurtDie Krise ist zurück. Und sie hat viele Gesichter. Ein Gesicht hat asiatische Züge: „Seitdem die japanische Notenbank mit ihrer expansiven Geldpolitik dafür sorgt, dass der Yen an Wert verliert und gleichzeitig die Exportindustrie des Landes stärkt, haben viele Schwellenländer im pazifischen Raum plötzlich ein Problem“, sagt Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. Die Folge: Die Aktienkurse in diesen Ländern brachen zuletzt auf breiter Front ein, weil Investoren ihr Geld abzogen. 20 bis 30 Prozent an Kursverlusten waren innerhalb der vergangenen vier Wochen keine Seltenheit.

Über einem weiteren Gesicht der Krise thront ein Cowboyhut: Allein die Ankündigung des US-amerikanischen Notenbankchefs Ben Bernanke, zukünftig sei von einer Zinserhöhung in den USA auszugehen, sorgte dafür, dass die Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen von ihrem Jahrestief von 1,63 Prozent innerhalb von gerade einmal vier Wochen auf bis zu 2,22 Prozent nach oben geschnellt sind. Aus Angst vor steigenden Zinsen zogen Investoren hier ebenfalls massiv Gelder ab.

Auch in Europa strahlen die Gesichter keine Zuversicht aus. Angesichts der Lage hat sich EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstag sich mit ungewohnter Klarheit auf einen lang anhaltenden Kurs festgelegt. Er gehe davon aus, „dass der Schlüsselzins in der Euro-Zone noch für einen längeren Zeitraum auf dem aktuellen oder auch einem niedrigeren Niveau bleibt“. Denn in Italien, Spanien, Portugal und Griechenland sind die Schuldenprobleme keinesfalls gelöst – im Gegenteil. Selbst Frankreich gilt mittlerweile als Wackelkandidat. Die Renditen für südeuropäische Staatsanleihen zogen in den vergangenen Wochen wieder kräftig an. Insgesamt gelten europäische Staatsanleihen derzeit nicht gerade als sicherer Hafen für Geldanleger.

Ratingagenturen ABC

Wie arbeiten Ratingagenturen?

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten; das können Unternehmen, Banken oder Staaten sein. Das Urteil der Bonitätsprüfer bestimmt letztlich den Kurs der Papiere. In die Bewertung fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit einflussreichsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

Welche Auswirkungen hat ein schlechtes Rating?

Je schlechter Ratingagenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto schwieriger und teurer wird es für diesen, sich frisches Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, im schlimmsten Fall ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern beispielsweise auch institutionelle Investoren.

Was bedeuten Ratings wie „AAA“ oder „BB+“?

Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Bei Standard & Poor's und Fitch beginnt die Skala mit der Bestnote „AAA“ (englisch: „Triple A“). Es folgen „AA“, „A“, „BBB“, „BB“, „B“, „CCC“, „CC“, „C“. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab „BB+“ beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis „D“ - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Etwas anders verfährt die Ratingagentur Moody's, die bei der Bewertung große und kleine Buchstaben sowie Zahlen kombiniert. „Aaa“ bedeutet „erstklassig“ und ist die höchste Bewertung. Diese Note steht für höchste Qualität, geringstes Ausfallsrisiko, vergleichbar mit Staatsanleihen. Dann folgen „Aa1“, „Aa2“, „Aa3“ für „starke Zahlungsfähigkeit“ sowie in der nächsten Stufe „A1“, „A2“ und „A3“ für „gute Zahlungsfähigkeit“. Danach wird der erste Buchstabe durch ein „B“ ersetzt. Der «spekulative Bereich“ beginnt bei „Ba1“, die niedrigste Kategorie ist „E“.

Was bemängeln Kritiker an Ratingagenturen?

Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen Mathematik und was Meinung ist. In der Finanzkrise kamen Ratingagenturen in die Schusslinie: In vielen Fällen behielten Unternehmen, die ein hohes Risiko trugen, zu lange ihre Topnoten. Sie wurden erst herabgestuft, als die Krise bereits akut war; Anlegern blieb keine Zeit zu reagieren. Daher ist es wenig ratsam, allein auf das Urteil von Moody's & Co zu vertrauen.

Welche Alternativen gibt es zu Ratingagenturen?

Manche Profis verlassen sich inzwischen stärker auf das Urteil eigener Analysten. Deren Meinung findet umso mehr Beachtung, wenn sie eine abweichendes Urteil zu den Ratingagenturen fällen. Privatanleger können überlegen, wenig transparente Marktsegmente über Fonds abzudecken, statt direkt in Anleihen zu investieren. So profitieren sie quasi indirekt vom Know-How weiterer Experten.

Es gibt allerdings eine Ausnahme: bundesdeutsche Papiere. „Insbesondere institutionelle Investoren wie beispielsweise Rentenkassen, die ihr Kapital risikoreduziert anlegen müssen, flüchten gezwungenermaßen auf die letzten Bäume, die noch nicht brennen. Und das sind nun einmal deutsche Eichen, sprich bundesdeutsche Staatsanleihen“, sagt Halver.

Die Preise für Bundesanleihen hatten zwar in den vergangenen Wochen etwas nachgegeben. Der Kurs des entsprechenden Marktbarometers, des Euro Bund-Future, fiel von rund 147 auf aktuell 142 Punkte. Doch auch ein Wert von 142 Punkten ist im historischen Rückblick immer noch rekordverdächtig hoch, und von einem weiteren Kursverfall gehen Experten derzeit nicht aus. „Die Manager großer Vermögen scheuen derzeit jegliche Art von Risiken, müssen aber ihr Geld irgendwo anlegen. Das dürfte dafür sorgen, dass mindestens bis zur Bundestagswahl deutsche Staatspapiere beliebt bleiben“, sagt Robert Halver.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

04.07.2013, 16:00 Uhr

Wie schon mehrfach gesagt, Great Rotation wird es so schnurstracks nicht geben.

Es ist immer ein Abwägen und nie eine Einbahnstrasse.

Kann sich das das HB zumindest bis zum nächsten Leitartikel merken? Wäre klasse, dann wäre wieder Linie in den Artikeln.

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