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11.10.2011

13:50 Uhr

Ausfallversicherungen

Warum es auf die Bonität ankommt

VonMatthias Kinttof

Die Bonität ist ein wichtiger Faktor für die Anlageentscheidung. Aber wie lässt sich die feststellen? Spezielle Indikatoren wie Credit Default Swaps liefern wertvolle Hinweise.

Matthias Kinttof ist Leiter Produktentwicklung bei der DZ Bank. pr

Matthias Kinttof ist Leiter Produktentwicklung bei der DZ Bank.

FrankfurtNach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers und der anschließenden Finanzkrise ist erstmals für viele Anleger die Bonität der Zertifikateemittenten zu einem wichtigen Faktor für die Anlageentscheidung geworden. Und dieses Thema ist noch nicht vom Tisch: Durch die aktuelle Eurokrise wird die Kreditwürdigkeit der Banken vom Markt wieder deutlich schlechter eingeschätzt. Daher sollten Anleger dem Kriterium Emittentenrisiko in der Anlageentscheidung wieder mehr Bedeutung beimessen.

Die Rendite eines Zertifikats richtet sich in erster Linie nach der Entwicklung des Basiswerts. Aber die Auszahlung des Papiers sowie alle Zins- und Bonuszahlungen können nur dann veranlasst werden, wenn der Emittent solvent ist. Daher ist für Zertifikateanleger die Zahlungsfähigkeit, also die Bonität des Emittenten von Bedeutung.

Der Grund dafür liegt in der rechtlichen Struktur der Zertifikate: Es handelt sich bei ihnen um Inhaberschuldverschreibungen. Anders ausgedrückt: Mit dem Kauf eines Zertifikats leihen Anleger dem Emittenten Geld. Im Falle eines Konkurses bekommen die Investoren damit nicht nur keine Rendite, sondern können auch das gesamte eingesetzte Kapital verlieren. Damit dies nicht eintritt, sollten Anleger vor der Kaufentscheidung und auch während der Laufzeit die Kreditwürdigkeit des jeweiligen Emittenten beobachten. Denn gerade in kritischen Marktphasen oder Wirtschaftskrisen kann sich die Bonität verschlechtern.

Anleger haben verschiedene Möglichkeiten, sich über die Bonität der Emittenten zu informieren. Ein gutes und aktuelles Maß für die Zahlungsfähigkeit sind die Spreads der so genannten Credit Default Swaps (CDS). Dabei handelt es sich um eine Art Versicherungsprämie, die gegen den Ausfall eines Emittenten bezahlt wird. Die CDS sagen aus, wie der Markt die Bonität einer Bank einschätzt. Generell gilt: Je höher der Wert der CDS ist, desto höher ist das Ausfallrisiko.

In ruhigen Marktphasen liegen die CDS in der Regel bei durchschnittlich 100 Basispunkten. Zum Vergleich: Die Bundesrepublik hatte Mitte September dieses Jahres einen Wert von 84 Basispunkten. Wenn die Unsicherheit an den Märkten zunimmt und das Vertrauen in die Banken schwindet, steigen die Credit Default Swaps häufig deutlich an. Aktuell bewegen sich die CDS der Banken schon wieder auf einem hohen Niveau. Gerade im August und September hat das Vertrauen in die westliche Bankenwelt weiter gelitten und einige Institute überschreiten daher schon wieder ihre Höchstwerte.

CDS können sich im Zeitablauf ändern, daher geben sie nur eine aktuelle Einschätzung der Zahlungsfähigkeit der Emittenten. Dennoch sind sie wichtige Indikatoren für deren Kreditwürdigkeit. Einige Anlegermedien und der Derivate-Verband publizieren die CDS regelmäßig.

Anleger sollten vor dem Kauf von Zertifikaten neben den Parametern des Produkts auch einen Blick auf die CDS werfen und sich gegebenenfalls erkundigen, ob das Bankinstitut an eine Sicherungseinrichtung angeschlossen ist, die Einlagen und Inhaberschuldverschreibungen schützt.

Matthias Kinttof ist Leiter Produktentwicklung bei der DZ Bank.

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