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05.02.2005

09:00 Uhr

Bedeutung der Derivate nimmt zu

China sorgt für neuen Schwung

VonUdo Rettberg

Immer neue Investment-Segmente deckt das Zertifkate-Universum ab. Die Branche wächst überdurchschnittlich. Externe Einflüsse fördern den Trend. Ein Beispiel: Die Nachfrage Chinas nach Rohstoffen belebt den Derivate-Markt.

Derivate sind eine der größten Errungenschaften des modernen Finanz-Zeitalters. Diese künstlichen Finanzinstrumente - Abkömmlinge traditioneller Investmentarten wie Aktien, Anleihen, Indizes, Rohstoffe und anderer Güter - tragen als Risikosicherungsinstrumente zur Stabilität des Welt-Finanzsystems bei. Die Vergangenheit hat jedoch auch unter Beweis gestellt, dass Derivate bei unsachgemäßer Handhabung erheblichen Schaden anrichten und sogar an den Säulen des internationalen Finanzmarkt-Gefüges rütteln können.

Gerade in den vergangenen Jahren haben Optionen, Futures, Optionsscheine, Zertifikate und die anderen unzähligen Formen von Derivaten ihren Nutzen unter Beweis gestellt. Wer zu Beginn dieses Jahrtausends geglaubt hatte, Derivate würden im Zuge des Platzens der Spekulationsblase an den internationalen Aktienbörsen und der durch terroristische Attacken bewirkten Turbulenzen an den Welt-Finanzmärkten auf weniger Interesse stoßen, sah sich getäuscht. Das Gegenteil war der Fall. Nach Berechnungen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel erlebten Derivate in jüngster Zeit einen kräftigen Aufschwung.

Branche wächst überdurchschnittlich

Die Zahlen der BIZ belegen, dass sich der Markt für OTC-Derivate im Zeitraum von Ende Juni 2001 bis Ende Juni 2004 mehr als verdoppelt hat. Das Notional (also der Nominalwert) aller am Freiverkehrsmarkt ausstehenden Derivate-Kontrakte hat sich in drei Jahren von 99,66 Billionen auf 220,05 Billionen US-Dollar um 120 % erhöht. Zum Vergleich: In den drei Jahren zuvor lag die Steigerungsrate bei lediglich 38 %.

Doch nicht nur die an den Freiverkehrsmärkten gehandelten, sondern auch die an den organisierten Terminbörsen gelisteten Derivate wiesen in den vergangenen Jahren überdurchschnittliche Umsatzsteigerungen auf. Nach Statistiken der FIA - der Dachorganisation der amerikanischen Derivatebranche - kam es in den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres bei den börsengelisteten Derivaten zu einem prozentualen Anstieg um fast 10 % auf 7,4 Mrd. Kontrakte. Bemerkenswert ist, dass die Terminbörsen in den Jahren zuvor bereits mit solchen oder sogar noch höheren Wachstumsraten aufwarteten.

China belebt den Rohstoff-Markt

Entscheidende Impulse lieferte der Markt für Rohstoff-Derivate, der einen wahren Boom erlebte. Hier machte sich der zunehmende Rohstoffhunger der VR China in stark gestiegenen Preisen und damit in zunehmenden Chancen und Risiken bemerkbar, die von den Finanzmarktakteuren über das zur Verfügung stehende derivative Instrumentarium "gespielt" wurden.

Deutschland - ansonsten in Börsendingen in den vergangenen Jahrzehnten nicht gerade als treibende Kraft und Innovationsmotor bekannt - war beim Wachstum der globalen Märkte dieser Finanzinstrumente an führender Stelle zu finden. In Relation zur Größe der hiesigen Volkswirtschaft kann Deutschland heute als Weltmeister in Sachen Derivate bezeichnet werden.

Neben der Eurex - dem Derivatemarkt für institutionelle Anleger - haben die Banken über die Emission von Optionsscheinen und Zertifikaten an der Stuttgarter Euwax einen gut funktionierenden Derivatemarkt vornehmlich für private Anleger geschaffen, der in den vergangenen Monaten immer stärker genutzt wurde. Belegt wird die Derivate-Führungsrolle Deutschlands dadurch, dass die Eurex ihre Position als größte Terminbörse in der Welt behauptet hat. Zwar hat die Korea Stock Exchange mehr Kontrakte gehandelt, doch weist deren Nominalwert nur einen Bruchteil des Eurex-Wertes auf. An der Stuttgarter Derivatebörse Euwax hat sich die Zahl der gelisteten Derivate (Optionsscheine und Zertifikate) auf Grund der regen Emissionstätigkeit der Banken allein im vergangenen Jahr von 43.000 Produkten auf über 60.000 Produkte erhöht.

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