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29.10.2014

17:11 Uhr

Börse und Welthandel

Wirtschaft erleidet Vertrauensschock

VonSusanne Schier

Die geopolitischen Krisen hinterlassen Spuren bei der Wirtschaft. Der Welthandelsindex erleidet einen starken Einbruch. Doch Experten geben Entwarnung: Von einer Abkühlung der Weltkonjunktur ist man weit entfernt.

An den Häfen bleiben immer mehr Container an den Häfen liegen. Der Welthandelsindex erleidet deswegen einen deutlichen Einbruch. Reuters

An den Häfen bleiben immer mehr Container an den Häfen liegen. Der Welthandelsindex erleidet deswegen einen deutlichen Einbruch.

BerlinTrübe Stimmung, wo man hinschaut: Die Krise in der Ukraine, die Sanktionen der EU gegen Russland und die schwache Nachfrage aus Schwellenländern haben viele deutsche Firmen offenbar nachhaltig verunsichert. Das zeigen verschiedene Konjunkturindikatoren. Doch Experten erkennen Anzeichen für eine Aufhellung der Lage.

„Obwohl sich unlängst eine Entspannung abzeichnete, warten die Unternehmen immer noch mit Investitionen ab und werden diese wohl bis ins nächste Jahr verschieben“, beobachtet der Kölner Vermögensverwalter Markus C. Zschaber. Die Politik habe unterschätzt, wie stark sich geopolitische Spannungen auf die Stimmung in Firmen auswirken könnten. „Wir sehen auch bei unseren Kunden, dass der deutsche Mittelstand einen regelrechten Vertrauensschock erlitten hat.“

So legen Vermögende ihr Geld an

Ab wann ist man „vermögend“?

Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln gehört man bereits mit einem Nettovermögen von rund 261.000 Euro zum reichsten Zehntel der erwachsenen Bevölkerung. Das bedeutet, dass 6,7 Millionen Menschen in Deutschland vermögend sind. Durchschnittlich kommen sie auf ein Nettovermögen von 639.000 Euro je Erwachsener.

Wie viel Vermögen hat der deutsche Durchschnittsbürger?

Das durchschnittliche Nettovermögen beträgt 115.000 Euro.

Wie viele Millionäre gibt es in Deutschland?

Über ein Nettovermögen von mindestens 1 Million Euro verfügt nur ein Prozent der Erwachsenen, das sind rund 670.000 Menschen.

Wie wird man reich?

Ein Blick auf die Altersstruktur der Vermögenden zeigt: Reichsein ist häufig das Ergebnis eines Lebenswerkes. Fast drei Viertel des reichsten Bevölkerungszehntels sind mindestens 50 Jahre alt, rund 40 Prozent sogar bereits in Rente. Und: Neben dem Alter ist vor allem der berufliche Status wichtig. Im vermögensstärksten Zehntel sind gut 21 Prozent Selbstständige – dreimal so viel wie in der gesamten Bevölkerung.

Wie legen Vermögende ihr Geld an?

Durchschnittlich hat ein Vermögender in Deutschland 41.000 Euro auf dem Sparkonto, 16.000 Euro Fondsanteile sowie 11.500 Euro in Anleihen und 12.000 Euro in Aktien. Außerdem sind 199.000 Euro im Eigenheim angelegt und 202.000 Euro in sonstigen, beispielsweise vermieteten Immobilien.

Wie legt der Durchschnittsdeutsche sein Geld an?

Der durchschnittliche Erwachsene hat 12.000 Euro auf dem Sparkonto, 3.000 Euro Fondsanteile, 1.500 Euro Anleihen und 2.000 Euro Aktien sowie 54.000 Euro im Eigenheim und 27.000 in sonstigen, beispielsweise vermieteten Immobilien angelegt.

Dies dämpft die weltweiten Handelsaktivitäten. So sank der Welthandelsindex, den der Vermögensverwalter regelmäßig exklusiv für das Handelsblatt berechnet, deutlich auf 69,2 Punkte im September. Im Vormonat hatte der Index noch bei 72,3 Zählern gelegen. Einen ähnlichen Einbruch hatte es zuletzt im Juli 2012 gegeben. Das Barometer fasst relevante Daten aus den vier Transport- und Handelswegen - Schifffahrt, Schiene, Straße und Lufttransport – zusammen.

Auch der vielbeachtete Ifo-Index zeigt, wie stark sich in Deutschland die Stimmung verschlechtert hat. Der Index, der die Konjunkturerwartungen der Unternehmen misst, ist im Oktober erneut deutlich schwächer ausgefallen, als Ökonomen erwartet hatten. Bereits im September war das Stimmungsbarometer auf den niedrigsten Wert seit April 2013 gesunken. Volkswirte haken das Jahr 2014 bereits ab: Der Ifo-Index deute auf ein konjunkturell schwaches viertes Quartal, kommentiert Jörg Krämer, Chef-Volkswirt der Commerzbank. „Die an sich wettbewerbsfähige deutsche Wirtschaft wird noch eine Zeit lang darunter leiden, dass das Nachfragewachstum aus den Emerging Markets nachlässt“, meint er. „Eine Belebung der deutschen Wirtschaftsaktivität zeichnet sich in den kommenden Monaten wohl nicht ab“, kommentiert Ulrich Wortberg von der Landesbank Hessen-Thüringen.

Die Bundesregierung kappte ihre Prognose des Wirtschaftswachstums für dieses Jahr von 1,8 auf 1,2 Prozent. Vermögensexperte Zschaber reduziert seine Prognose für das Wachstum des Welthandels für 2014 nun auf 3,4 Prozent. Bislang hatte er mit 3,7 Prozent gerechnet. Im schlechtesten Fall könnte das Handelswachstum bis auf 3,2 Prozent zurückgehen. Grund: Die schwächere Nachfrage in Europa nach Waren und Dienstleistungen betrifft sowohl die Binnennachfrage als auch die Nachfrage nach Importgütern aus dem Rest der Welt nach Europa.

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