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05.04.2011

07:17 Uhr

Börsen-Boom

Heiße Anlegerträume auf mongolisch

VonRalf Drescher

Kein Aktienmarkt hat sich in den vergangenen Jahren annähernd so gut entwickelt wie die mongolische Börse. Jetzt sollen auch deutsche Anleger von dem Boom profitieren. Doch die Risiken sind hoch.

Aufnahme aus der ZDF-Dokumentation "Die Erben des Dschingis Khan" (Archivbild). Experten sagen der Mongolei ein stürmisches Wachstum voraus. Quelle: picture-alliance

Aufnahme aus der ZDF-Dokumentation "Die Erben des Dschingis Khan" (Archivbild). Experten sagen der Mongolei ein stürmisches Wachstum voraus.

DüsseldorfEs gibt auf der Welt nur wenige Flecken, an denen deutsche Privatanleger nicht investieren können. Findige Fonds- und Zertifikate-Emittenten haben fast sämtliche Regionen erschlossen. Zu den eifrigsten Welteroberern zählt die Royal Bank of Scotland (RBS). Im laufenden Jahr hat sie bereits Zertifikate auf die Börsen in Bangladesch, Mauritius, Tunesien und Libanon auf den Markt gebracht. Jetzt hat die Bank eine weitere Spielwiese für mutige Anleger gefunden: Mit dem „Mongolia Opportunities Zertifikat“ bietet sie als erstes Zertifikatehaus einen Zugang zum mongolischen Markt.

An Euphorie mangelt es in der Verkaufsbroschüre der RBS nicht. „Die Mongolei gewinnt an strategischem Gewicht wie seit ihrer Blütezeit im 13. Jahrhundert nicht mehr“, heißt es dort. Mit den weltgrößten Reserven in manchen Rohstoffen und zunehmenden Möglichkeiten diese zu fördern und auf den Markt zu bringen, habe die Mongolei „das Potenzial, über die nächste Dekade zu den globalen Wachstumszentren zu gehören“. Als Kronzeuge führt die Bank den Schweizer Fondsmanager Marc Faber an, der in der Mongolei das „Saudi-Arabien Asiens“ sieht.

Dass die Mongolei auf großen Rohstoffreserven sitzt, ist unbestritten. Der Flächenstaat verfügt über große Mengen an Kohle, Kupfer, Uran und Gold. Und auch die sogenannten seltenen Erden, die in vielen Schlüsseltechnologien der Zukunft eingesetzt werden, warten unter mongolischem Boden darauf, gefördert zu werden.

In den vergangenen Jahren hat die mongolische Wirtschaft vom Rohstoffreichtum auch bereits stark profitiert. Zwischen 2004 und 2008 wuchs das Bruttoinlandsprodukt im Jahresschnitt um neun Prozent. Und nach einem Einbruch im Finanzkrisenjahr 2009 ging es 2010 laut Schätzungen des IWF bereits wieder um 8,5 Prozent nach oben.

Für die kommenden Jahre erwarten Volkswirte ein weiteres stürmisches Wachstum. Die Experten von Eurasia Capital gehen davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt von 6,6 Mrd. Dollar im Jahr 2010 bis 2020 auf 35 Mrd. Dollar steigen wird. Für das laufende Jahr sagen sie ein Wachstum von gut 16 Prozent voraus. Der IWF ist allerdings deutlich skeptischer: Die Volkswirte des Währungsfonds erwarten 2011 ein geringeres Wirtschaftswachstum von sieben Prozent.

An der Börse in Ulan Bator ist der Optimismus zuletzt etwas gewichen. Seit Ende Februar hat der Leitindex MSE Top 20 mehr als ein Viertel an Wert eingebüßt. Allerdings ging dem Rückschlag eine immense Rally voraus: 2010 war der MSE mit einem Zuwachs von 143,5 Prozent mit Abstand größter Gewinner weltweit. Und auch in den ersten zwei Monaten des laufenden Jahres ging es stürmisch weiter. Unter dem Strich hat der Index seit Jahresanfang trotz der jüngsten Verluste 72 Prozent gewonnen – das ist international erneut Spitze.

Kommentare (1)

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Basketbasti

05.04.2011, 14:40 Uhr

Hoffentlich hat dieser Marc Faber, der in der Mongolei das „Saudi-Arabien Asiens“ sieht, mehr Ahnung von Wirtschaft und Wachstum als über Geographie. Wüsste gern, welchem Kontinent er denn Saudi-Arabien zuordnet. Europa? Afrika?

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