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12.08.2011

11:31 Uhr

Börsenspiel-Gewinner

„Ich würde Knock-out-Produkte kaufen“

An den Börsen schwanken die Kurse heftig. Der Banker Klaus Neukert ist Gewinner des letztjährigen Handelsblatt-Börsenspiels. Aus 20.000 machte er 1,4 Millionen Euro. Im Interview erklärt er, wie er jetzt anlegen würde.

Der Münchener Börsenhändler Klaus Neukert mit seinem Börsenspiel-Gewinn, einem Porsche. Quelle: Bert Bostelmann für Handelsblatt

Der Münchener Börsenhändler Klaus Neukert mit seinem Börsenspiel-Gewinn, einem Porsche.

Wie werde ich reich an der Börse?

Wenn das einfach wäre! Die Situation an den Märkten ist sehr unübersichtlich. Den guten Konjunkturdaten – speziell in Deutschland – stehen die Schuldenprobleme vieler Staaten entgegen. Ich würde abwarten und beobachten.

Abwarten? Beim Börsenspiel haben Sie aus 20.000 Euro in nur drei Monaten 1,4 Millionen Euro gemacht.

Das funktioniert aber nur, wenn man ein hohes Risiko eingeht und dann auch damit klarkommt, wenn es am Ende schiefgeht. Und das kann ich mir im wahren Leben nicht leisten – ich baue gerade ein Haus.

Dann lassen Sie uns spielen. Was würden Sie tun?

Für Daytrader ist die Situation sehr interessant. Je größer die Volatilität, umso mehr kann man verdienen. Es gibt viele Möglichkeiten zu spekulieren.

Und welche würden Sie nutzen?

Ich würde mir Knock-out-Produkte kaufen, vorzugsweise auf den Dax. Mit diesen Papieren würde ich darauf spekulieren, in welche Richtung sich der Index entwickelt. Noch risikoreicher sind Spekulationen auf Rohstoffpreise, etwa Knock-out-Zertifikate auf Gold.

Zertifikate-Typen

Was sind Bonuszertifikate?

Bonuszertifikate bieten einen Risikopuffer gegen Kursverluste bis zu einer bestimmten Kursschwelle, gleichzeitig Gewinnchancen in seitwärts tendierenden Märkten und unbegrenzte Gewinnchancen in steigenden Märkten.

Wie funktionieren Bonuspapiere?

Die Papiere bestehen aus drei Komponenten: Erstens die Chance, an der positiven Entwicklung eines Basiswertes zu verdienen – ein Index oder eine einzelne Aktie; zweitens am Laufzeitende ein Bonus, der bei Auflage des Zertifikats festgelegt, aber nur dann gezahlt wird, wenn drittens eine deutlich unter dem Startwert des jeweiligen  Basiswertes liegende Kursbarriere, die sogenannte Knock-in-Schwelle, während der gesamten Laufzeit nie berührt oder unterschritten wurde. Bis zur Knock-in-Schwelle hat der Anleger also einen Risikopuffer.

Kann der Bonus verloren gehen?

Ja. Wird die Knock-in-Schwelle während der Laufzeit unterschritten oder auch nur berührt, wandelt sich das Produkt in ein klassisches Index- oder Partizipations-Zertifikat. Der Bonus geht verloren.

Wie funktionieren Discountzertifikate?

Im Vergleich zum Kauf einer Aktie oder eines Index bezahlen Anleger bei einem Discountzertifikat durch den Abschlag (Discount) einen günstigeren Preis. Notiert der Kurs des Basiswertes am Ausübungstag auf oder oberhalb des festgelegten Höchstbetrags (Caps) des Discountzertifikates, wird der maximal mögliche Auszahlungsbetrag erzielt. Steigt der Kurs des Basiswertes darüber hinaus, nehmen Anleger an dieser Kursentwicklung nicht mehr teil.

Wann profitieren Discounter?

Das Sicherheitspolster in Form des Discounts kommt insbesondere bei Seitwärtsbewegungen oder leicht fallenden Kursen des Basiswertes zum Tragen. Erst wenn der Kurs des Basiswertes unter den individuellen Kaufpreis des Discountzertifikates fällt, tritt ein teilweiser Kapitalverlust ein. Dafür sind die Gewinnchancen begrenzt – der Preis des Sicherheitspolsters. Ein Verlust ist bei einem Discounter immer geringer als bei dem zugehörigen Basiswert.

Wie funktionieren Indexzertifikate?

Index- oder Partizipationszertifikate bilden einen Index eins zu eins ab. Somit ist die Performance des Zertifikats stets identisch mit der  Wertentwicklung des zugrunde gelegten Basiswertes. Manche Indexzertifikate haben eine begrenzte Laufzeit, viele laufen jedoch endlos. Die Papiere werden häufig mit einem Bezugsverhältnis von 100:1 emittiert, so dass ein Zertifikat jeweils ein Prozent des jeweiligen Index abbildet.

Welchen Vorteil haben Indexzertifikate?

Sie bieten gegenüber dem Kauf von Einzelaktien den Vorteil der Diversifikation über verschiedene Aktien. Außerdem sind diese Zertifikate eine kostengünstige Alternative zum klassischen Fondsinvestment.

Was sind Hebelzertifikate?

Hebelzertifikate sind häufig hochspekulativ, der Kapitaleinsatz ist gering, die Gewinnchance überproportional. Der Hebel gibt an, in welchem Verhältnis das Papier die Kursbewegung des Basiswertes nachvollzieht. Dax-Papiere gibt es bis zu einem Hebel von 200. So wird aus einem Kursplus von fünf Prozent beim Basiswert ein Plus von 1000 Prozent beim Zertifikat.

Können Hebelpapiere wertlos verfallen?

Ja. Fällt das Papier unter ein  festgeschriebenes Niveau, das sogenannte Knock-out-Niveau, wird es wertlos. Hebelzertifikate gibt es mit begrenzter Laufzeit und als Endlos-Papiere. Spekulieren können Anleger auf steigende (long) und fallende (short) Kurse.

Welche Vorteile haben kapitalgarantierte Zertifikate?

Kapitalgarantierte Zertifikate bieten einen Kapitalschutz oder eine Teilgarantie auf das zum Emissionszeitpunkt eingezahlte Kapital – wenn das Papier bis zur Fälligkeit gehalten wird. Zudem kann der Investor von einer positiven Kursentwicklung des Basiswertes, etwa einer Aktie, profitieren. Der Kapitalschutzbetrag sowie die Partizipationsquote werden direkt bei der Emission vom Emittenten festgelegt.

Wie hoch ist der Kapitalschutz?

Der Kapitalschutzbetrag kann bis zu 100 Prozent betragen. Entwickelt sich  das Zertifikat negativ, weil die Aktie zum Laufzeitende unterhalb des (garantieren) Basispreises notiert, erhält der Anleger mindestens diesen Betrag ausbezahlt. Die sogenante Partizipationsquote ist am Laufzeitende mitentscheidend für die Auszahlung an den Anleger. Notiert der Basiswert über dem Basispreis, erhält der Anleger den Nennwert zuzüglich der Differenz zwischen dem Schlusskurs des Basiswertes und dem Basispreis, multipliziert mit der Partizipationsquote zurück.

Was sind Aktien- und Indexanleihen?

Aktien- und Indexanleihen sind festverzinsliche Wertpapiere, die mit einem hohen, oft zweistelligen Coupon ausgestattet sind. Ihre Preisentwicklung ist an den Kursverlauf eines der Anleihe zugrunde liegenden Basiswertes, einer Aktie oder eines Index, gebunden. Die bei Emission einer solchen Anleihe fixierten Rahmenbedingungen enthalten den Basiswert, den zugehörigen Basispreis, die Laufzeit, die Höhe des Zinscoupons und den Nennwert.

Wie werden die Papiere zurückgezahlt?

Liegt der Kurs der Aktie am Stichtag unter dem festgelegten Basispreis, erhält der Anleger kein Bargeld, sondern eine bestimmte Anzahl von Aktien. Die Tilgung von Indexanleihen erfolgt durch Lieferung von Indexzertifikaten, Fondsanteilen oder durch die Zahlung des aktuellen Indexstands in Geld. Obwohl sie „Anleihen“ genannt werden, sind die Produkte Zertifikate.

Wann punkten Expresszertifikate?

Expresszertifikate sind Produkte mit begrenzter Laufzeit, mit denen sich in seitwärts tendierenden oder leicht steigenden Märkten Geld verdienen lässt. Sie beziehen sich auf einen Basiswert – eine Aktie, einen Aktienkorb oder einen Index. Obwohl sie mitunter Laufzeiten von mehreren Jahren haben, bieten sie die Chance einer Sonderzahlung, wenn sie bereits deutlich vor ihrem Laufzeitende fällig werden, etwa wenn der Basiswert am Ende einer Betrachtungsperiode, nach drei Monaten oder einem Jahr, gleich oder höher notiert ist als an ihrem Anfang. Der Anleger erhält dann den Emissionswert des Zertifikats zuzüglich dieser Sonderzahlung. Er erzielt eine vor Emission festgelegte Rendite, die höher sein kann als die Kurssteigerung der Aktie oder des Index.

Was passiert bei stark steigenden Kursen?

Bei stark steigenden Kursen verdient er allerdings weniger als mit dem Basiswert. Zwischen den Beobachtungstagen darf das Papier in die Verlustzone geraten, wichtig ist nur, dass an einem der Beobachtungstage das Startniveau erreicht wird. Nach unten besteht volles Verlustrisiko, falls das Produkt keine Sicherheitsschwelle hat. Aber auch wenn Expresszertifikate einen Risikopuffer haben, können sie genauso viel verlieren wie eine Aktie oder ein Index. Das passiert, wenn der Kurs des Expresszertifikats am Fälligkeitstag auf oder unter der Untergrenze liegt.

Aber woher wollen Sie wissen, ob der Preis steigt oder fällt?

Sie müssen die wichtigsten Nachrichten eines Tages filtern. Welche Konjunkturdaten werden etwa veröffentlicht? Dann müssen Sie einschätzen, was das für die Märkte bedeutet. Und Sie müssen schnell sein. Am Mittwoch gab es die Chance auf Kursverluste, als Gerüchte um den vermeintlichen Kapitalbedarf von Société Générale kursierten. Auch wenn sie umgehend dementiert wurden, können solche Gerüchte in hektischen Zeiten große Kursveränderungen bewirken.

Was täten Sie mit Ihrem Geld, wenn wir nicht spielen würden?

Die Hälfte würde ich auf einem Tagesgeldkonto parken, 20 Prozent in Aktien stecken und 20 in Rohstoffe. Mit den verbliebenen zehn würde ich mich mit Put-Optionsscheinen gegen fallende Kurse absichern.


Von

pan

Kommentare (6)

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mage

12.08.2011, 12:40 Uhr

Am besten Finger weg von allem "komplizierten Zeug" (Gewinner ist nicht der Anleger). In die Zukunft kann keiner Blicken, lieber dauerhaft in werthaltige Aktien investieren und Schwankungen aushalten.

Farce

12.08.2011, 12:41 Uhr

Wieso bringen sie so einen Bericht?

Ich zitiere mal dazu ihren HB Newsletter von heute:

"Unsere Titelgeschichte "Die Stunde der Spekulanten" beschreibt die Akteure und ihre Praktiken. Ich glaube, die Regierungen in Paris und Berlin haben keine andere Wahl, als diesen Spielern durch strengere Gesetze die Spielzeuge wegzunehmen."

Eine Zeitung die in solchen Zeiten in einer Art schreibt, wie dieser Tage über die gefährlichen Marktteilnehmer", veranstaltet parallel dazu ein Börsenspiel und präsentiert in einem tollen Bericht den Sieger, der eine irre Rendite erwirtschaften konnte. Und fragen dann diesen Menschen auch noch um Rat für ihre Leser, wie diese jetzt möglichst renditestark agieren können.

Von mir aus können sie so lange sie wollen über Spekulanten herziehen, steht ja jedem offen. Aber wie so oft: Die, die mit dem Finger zeigen, haben es am nötigsten.

Der Typ scheint ja auch was drauf zu haben und vielleicht ist da auch für mich persönlich oder die Leser der Zeitung etwas drin. Hier springt die Zeitung voll auf die möglichen Renditechancen an, die sie sonst für unethisch erklären, wenn sie den Spekulanten ihr Spielzeug wegnehmen wollen. Klar, jetzt gehts ja auch um den eigenen Vorteil. Gierig sind ja nur die anderen. Hier hat sich der Autor bzw die Zeitung selbst entlarvt, ohne es zu merken. Genauso ist es bei den meisten anderen, die immer schnell mit dem Finger deuten.

Komisch, in den USA findet das Thema Spekulation in der öffentlichen Debatte so gut wie nicht statt. Dabei hätten die USA ebenfalls Grund genug dazu.

noch-HB-Leser

12.08.2011, 14:28 Uhr

Die Suggestion der Überschrift ist völlig irreführend und dem HB nicht angemessen! Er würde eben KEINE KO-Produkte kaufen sondern in (viel) Cash, Aktien, Rohstoffe und Absicherung diversifizieren! Er würde im Spiel zocken, nicht im wahren Leben. Aber wahrscheinlich habe ich doofer Leser meine Funktion erfüllt und den Artikel samt Werbung gelesen... Bitte den Pfad der Seriösität nicht verlassen, sonst verlasse ich diese Zeitung.

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