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03.09.2011

13:19 Uhr

Börsenweisheiten

Warum „Sell in May“ auch nichts bringt

VonMatthias von Arnim

Im Sommer geht es an den Börsen abwärts, das besagt zumindest eine viel zitierte Börsenweisheit. Im Herbst soll es dann wieder aufwärtsgehen. Das Problem für Anleger: Die Börse kümmert sich wenig um Weisheiten.

Die Kurstafel an der Frankfurter Börse: Die Börsenweisheit "Sell in May and go away, but don't forget to come back in September" geht nicht immer auf. dpa

Die Kurstafel an der Frankfurter Börse: Die Börsenweisheit "Sell in May and go away, but don't forget to come back in September" geht nicht immer auf.

FrankfurtDer Sommer ist für Aktienkäufer gründlich daneben gegangen. Seit Ende Juli ging es an den Börsen rasant abwärts. "Hätte ich doch mal im Mai verkauft, wie es die Börsenweisheit fordert", mag sich mancher Anleger denken. In diesem Jahr wäre das ohne Zweifel eine kluge Strategie gewesen. Aber wie sieht es langfristig aus?

Seit einigen Jahren bieten Emittenten sogenannte Saisonzertifikate an, die dem börsensprichwörtlichen Renditeschwund im Sommer entgegenwirken sollen. Bei diesen Zertifikaten ruht das Investment über mehrere Monate.

Ein Beispiel ist das Europa-Saison-Index-Zertifikat der Hypo-Vereinsbank (ISIN: DE000HV1A2N3). Der Europa Saison Index vollzieht von Oktober bis Juli die Wertentwicklung des Euro Stoxx 50 nach und lässt die Monate August und September aus.

Im Rückblick betrachtet war das manchmal eine gute Idee – manchmal aber auch nicht. In den Jahren 2006 und 2009 durften Anleger froh sein, einen kräftigen Kursrückgang verpasst zu haben. In den Jahren 2007 und 2008 stieg der Europa-Index in den Zeiten, in denen das Zertifikat die Indexentwicklung nicht berücksichtigte, jedoch kräftig an. Und im Jahr 2010 blieb die Investmentpause schlichtweg ohne Folgen.

Seit Emission des Papiers im Jahr 2006 steht aktuell immerhin ein Plus im Vergleich zum Euro Stoxx 50 – allerdings nur dank der aktuellen Investmentpause, die noch bis Ende September andauert. Den August-2011-Crash haben Anleger mit diesem Zertifikat ohne Verlust ausgesessen.

Bis Ende Juli sah die Bilanz für das Zertifikat jedoch erstaunlich ernüchternd aus: Nach fünf Jahren Laufzeit war unterm Strich kein Performance-Unterschied zum Euro Stoxx zu erkennen.

Weitere Beispiele für Papiere mit Sommeraussetzern sind zwei Zertifikate von der Royal Bank of Scotland: Das Zertifikat Dax Seasonal Strategy (WKN: NL0000196301) bildet die Kursentwicklung des DAX nach und spart dabei die Monate August und September aus. Beim Schwesterprodukt Dax Best Season (WKN: DE0005592828) wird die Wertentwicklung sogar von August bis Oktober ausgesetzt.

Dieser Monat mehr an Pause hat Anlegern im Herbst 2008, als die Kurse im Zuge der Lehman-Pleite in die Knie gingen, das Schlimmste erspart. Das Dax Seasonal Strategy dagegen geriet noch voll in den Abwärtssog an der Börse. Von den aktuellen Börsenturbulenzen blieben Besitzer beider Zertifikate bislang zwar verschont. Davon abgesehen liefert das Langfristergebnis allerdings auch hier kein Kaufargument: Seit Emission der beiden Papiere vor sechs Jahren bis zum August 2011 lag das Dax-Best-Season-Zertifikat im Performancevergleich mit dem Dax gleichauf. Das Dax-Seasonal-Strategy-Zertifikat entwickelte sich unter dem Strich sogar schlechter als der Dax.

Fazit: Mit den Saisonzertifikaten können Anleger das Glück haben, zufällig einmal einen Börsencrash zu verpassen. Sie können aber auch Pech haben und starke Hausse-Phasen versäumen. Investoren sollten sich deshalb ernsthaft überlegen, ob sie ihre Börsenstrategie tatsächlich allein von einer alten Börsenweisheit beeinflussen lassen.


Kommentare (1)

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Pendler

04.09.2011, 15:57 Uhr

es ging abwärts seit April /May

netter Artikel,
Realität sieht aber anders aus

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