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01.06.2013

12:37 Uhr

Brasilien-Zertifikate

Heißer Börsen-Samba fürs Portfolio

VonMatthias von Arnim

Der brasilianische Aktienleitindex Bovespa hat nach vier Monaten Talfahrt ein beachtliches Comeback gestartet. Es könnte der Auftakt für weitere Kursgewinne an der Börse in Sao Paolo sein. Wie Anleger profitieren.

Tänzerin der Unidos de Vila Isabel Samba Schule. ap

Tänzerin der Unidos de Vila Isabel Samba Schule.

Viele Investoren waren zuletzt enttäuscht von Brasilien. Der Grund: Die Regierung unter der Führung ihrer Präsidentin Dilma Rousseff mischt sich immer vehementer direkt in die Geschäfte großer börsennotierter Unternehmen ein.

So verdonnerte Rousseff, laut Forbes-Rangliste die nach Angela Merkel mächtigste Frau der Welt, brasilianische Stromkonzerne zu Tarifsenkungen. Große Banken wie Bradesco und Itaú Unibanco wurden gezwungen, ihre Bonitätsprüfungen für Kredite zu lockern. Ein weiteres Beispiel: Der Ölkonzern Petrobas muss Benzin an Tankstellen zum Teil unter Selbstkostenpreis verkaufen.

Der Effekt: Während die Präsidentin bei ihren Wählern punkten konnte, verloren viele große Investoren die Lust auf brasilianische Wertpapiere. Fonds reduzierten auf breiter Front die Brasilien-Anteile in ihren Lateinamerika-Portfolios, Pensionsfonds, auch einheimische, strichen brasilianische Wertpapiere aus ihren Investitionsplänen. So schrumpfte beispielsweise die Marktkapitalisierung des Ölkonzerns Petrobas seit Jahresbeginn an der Börse um rund 17 Prozent.

Zertifikate-Typen

Was sind Bonuszertifikate?

Bonuszertifikate bieten einen Risikopuffer gegen Kursverluste bis zu einer bestimmten Kursschwelle, gleichzeitig Gewinnchancen in seitwärts tendierenden Märkten und unbegrenzte Gewinnchancen in steigenden Märkten.

Wie funktionieren Bonuspapiere?

Die Papiere bestehen aus drei Komponenten: Erstens die Chance, an der positiven Entwicklung eines Basiswertes zu verdienen – ein Index oder eine einzelne Aktie; zweitens am Laufzeitende ein Bonus, der bei Auflage des Zertifikats festgelegt, aber nur dann gezahlt wird, wenn drittens eine deutlich unter dem Startwert des jeweiligen  Basiswertes liegende Kursbarriere, die sogenannte Knock-in-Schwelle, während der gesamten Laufzeit nie berührt oder unterschritten wurde. Bis zur Knock-in-Schwelle hat der Anleger also einen Risikopuffer.

Kann der Bonus verloren gehen?

Ja. Wird die Knock-in-Schwelle während der Laufzeit unterschritten oder auch nur berührt, wandelt sich das Produkt in ein klassisches Index- oder Partizipations-Zertifikat. Der Bonus geht verloren.

Wie funktionieren Discountzertifikate?

Im Vergleich zum Kauf einer Aktie oder eines Index bezahlen Anleger bei einem Discountzertifikat durch den Abschlag (Discount) einen günstigeren Preis. Notiert der Kurs des Basiswertes am Ausübungstag auf oder oberhalb des festgelegten Höchstbetrags (Caps) des Discountzertifikates, wird der maximal mögliche Auszahlungsbetrag erzielt. Steigt der Kurs des Basiswertes darüber hinaus, nehmen Anleger an dieser Kursentwicklung nicht mehr teil.

Wann profitieren Discounter?

Das Sicherheitspolster in Form des Discounts kommt insbesondere bei Seitwärtsbewegungen oder leicht fallenden Kursen des Basiswertes zum Tragen. Erst wenn der Kurs des Basiswertes unter den individuellen Kaufpreis des Discountzertifikates fällt, tritt ein teilweiser Kapitalverlust ein. Dafür sind die Gewinnchancen begrenzt – der Preis des Sicherheitspolsters. Ein Verlust ist bei einem Discounter immer geringer als bei dem zugehörigen Basiswert.

Wie funktionieren Indexzertifikate?

Index- oder Partizipationszertifikate bilden einen Index eins zu eins ab. Somit ist die Performance des Zertifikats stets identisch mit der  Wertentwicklung des zugrunde gelegten Basiswertes. Manche Indexzertifikate haben eine begrenzte Laufzeit, viele laufen jedoch endlos. Die Papiere werden häufig mit einem Bezugsverhältnis von 100:1 emittiert, so dass ein Zertifikat jeweils ein Prozent des jeweiligen Index abbildet.

Welchen Vorteil haben Indexzertifikate?

Sie bieten gegenüber dem Kauf von Einzelaktien den Vorteil der Diversifikation über verschiedene Aktien. Außerdem sind diese Zertifikate eine kostengünstige Alternative zum klassischen Fondsinvestment.

Was sind Hebelzertifikate?

Hebelzertifikate sind häufig hochspekulativ, der Kapitaleinsatz ist gering, die Gewinnchance überproportional. Der Hebel gibt an, in welchem Verhältnis das Papier die Kursbewegung des Basiswertes nachvollzieht. Dax-Papiere gibt es bis zu einem Hebel von 200. So wird aus einem Kursplus von fünf Prozent beim Basiswert ein Plus von 1000 Prozent beim Zertifikat.

Können Hebelpapiere wertlos verfallen?

Ja. Fällt das Papier unter ein  festgeschriebenes Niveau, das sogenannte Knock-out-Niveau, wird es wertlos. Hebelzertifikate gibt es mit begrenzter Laufzeit und als Endlos-Papiere. Spekulieren können Anleger auf steigende (long) und fallende (short) Kurse.

Welche Vorteile haben kapitalgarantierte Zertifikate?

Kapitalgarantierte Zertifikate bieten einen Kapitalschutz oder eine Teilgarantie auf das zum Emissionszeitpunkt eingezahlte Kapital – wenn das Papier bis zur Fälligkeit gehalten wird. Zudem kann der Investor von einer positiven Kursentwicklung des Basiswertes, etwa einer Aktie, profitieren. Der Kapitalschutzbetrag sowie die Partizipationsquote werden direkt bei der Emission vom Emittenten festgelegt.

Wie hoch ist der Kapitalschutz?

Der Kapitalschutzbetrag kann bis zu 100 Prozent betragen. Entwickelt sich  das Zertifikat negativ, weil die Aktie zum Laufzeitende unterhalb des (garantieren) Basispreises notiert, erhält der Anleger mindestens diesen Betrag ausbezahlt. Die sogenante Partizipationsquote ist am Laufzeitende mitentscheidend für die Auszahlung an den Anleger. Notiert der Basiswert über dem Basispreis, erhält der Anleger den Nennwert zuzüglich der Differenz zwischen dem Schlusskurs des Basiswertes und dem Basispreis, multipliziert mit der Partizipationsquote zurück.

Was sind Aktien- und Indexanleihen?

Aktien- und Indexanleihen sind festverzinsliche Wertpapiere, die mit einem hohen, oft zweistelligen Coupon ausgestattet sind. Ihre Preisentwicklung ist an den Kursverlauf eines der Anleihe zugrunde liegenden Basiswertes, einer Aktie oder eines Index, gebunden. Die bei Emission einer solchen Anleihe fixierten Rahmenbedingungen enthalten den Basiswert, den zugehörigen Basispreis, die Laufzeit, die Höhe des Zinscoupons und den Nennwert.

Wie werden die Papiere zurückgezahlt?

Liegt der Kurs der Aktie am Stichtag unter dem festgelegten Basispreis, erhält der Anleger kein Bargeld, sondern eine bestimmte Anzahl von Aktien. Die Tilgung von Indexanleihen erfolgt durch Lieferung von Indexzertifikaten, Fondsanteilen oder durch die Zahlung des aktuellen Indexstands in Geld. Obwohl sie „Anleihen“ genannt werden, sind die Produkte Zertifikate.

Wann punkten Expresszertifikate?

Expresszertifikate sind Produkte mit begrenzter Laufzeit, mit denen sich in seitwärts tendierenden oder leicht steigenden Märkten Geld verdienen lässt. Sie beziehen sich auf einen Basiswert – eine Aktie, einen Aktienkorb oder einen Index. Obwohl sie mitunter Laufzeiten von mehreren Jahren haben, bieten sie die Chance einer Sonderzahlung, wenn sie bereits deutlich vor ihrem Laufzeitende fällig werden, etwa wenn der Basiswert am Ende einer Betrachtungsperiode, nach drei Monaten oder einem Jahr, gleich oder höher notiert ist als an ihrem Anfang. Der Anleger erhält dann den Emissionswert des Zertifikats zuzüglich dieser Sonderzahlung. Er erzielt eine vor Emission festgelegte Rendite, die höher sein kann als die Kurssteigerung der Aktie oder des Index.

Was passiert bei stark steigenden Kursen?

Bei stark steigenden Kursen verdient er allerdings weniger als mit dem Basiswert. Zwischen den Beobachtungstagen darf das Papier in die Verlustzone geraten, wichtig ist nur, dass an einem der Beobachtungstage das Startniveau erreicht wird. Nach unten besteht volles Verlustrisiko, falls das Produkt keine Sicherheitsschwelle hat. Aber auch wenn Expresszertifikate einen Risikopuffer haben, können sie genauso viel verlieren wie eine Aktie oder ein Index. Das passiert, wenn der Kurs des Expresszertifikats am Fälligkeitstag auf oder unter der Untergrenze liegt.

Der Kurs des Bergbaukonzerns Vale sank um zehn Prozent, ebenso wie der Aktienleitindex Bovespa, der seit Jahresbeginn um zehn Prozent abstürzte – eine Fortsetzung der Baisse der vergangenen drei Jahre, in deren Verlauf der Index mittlerweile etwa 15 Prozent an Wert verlor.

Doch seit Mitte April zeichnet sich ein Ende der Börsentalfahrt ab. Der Kurs des aktuell 62 Aktien umfassenden Bovespa hat seitdem stetig zugelegt, nachdem die charttechnisch wichtige Unterstützung bei 52.500 Punkten im April gehalten hatte. Schon Mitte 2012 war diese Marke dreimal hintereinander nach unten getestet worden. Danach folgte eine kurze zwischenzeitliche Rally, die Ende Dezember vergangenen Jahres schließlich bei 62.500 Punkten endete.

Kommentare (2)

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ReneNeukirch

01.06.2013, 19:16 Uhr

Aus Sicht der Charttechnik, speziell der Point&Figure-Charttechnik kann man diese Markteinschätzung ganz aktuell kaum teilen.

Mit dem Schlußkurs am Freitag, 31.5.2013 notiert der Bovespa erneut nahe seinem Jahrestief. Ob diese Unterstützung noch einmal hält, bleibt abzuwarten. Das Kursniveau wurde in der Vergangeheit bereits mehrfach getestet.

Damit stegt das Risiko, dass sie fällt und deutlich tiefere Kurse nach sich zieht. Zumal zahlreiche Einzelwerte auch in klaren Verkaufssignalen notieren.

Bleibt also abzuwarten, was in den kommenden Handelstagen passiert.

René Neukirch

Brasilienauswanderer

02.06.2013, 02:37 Uhr

Der vorliegende Artikel strotzt geradezu vor Naivität und Falschinformation. Der Anteil der Industrieproduktion an der Wirtschaftsleistung ist in Brasilien seit Jahren rückläufig. Die minderwertigen Produkte der "Industria Brasiliera" sind auf dem Weltmarkt kaum konkurrenzfähig. So bleiben Eisenerz und Bananen die Stützen des Exportes. Warum die Währung eines Landes mit dreifacher Inflationsrate gegenüber dem Euro aufwerten sollte, bleibt ebenfalls das große Geheimnis des Autors.

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