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03.02.2005

11:52 Uhr

BRIC Open End - ein (fast) perfekter Basket

Schwellenländer im Viererpack

VonChristian W. Röhl und Werner H. Heussinger (Zertifikatejournal)

Nach zahlreichen Emissionen auf osteuropäische, asiatische und lateinamerikanische Indizes haben die Niederländer (ABN Amro) sich nun endlich bequemt, eine Komplettlösung für Schwellenländer-Investments auf den Markt zu bringen.

Das Leitmotiv ist dasselbe wie bei den in ZertifikateJournal Nr. 37/04 vorgestellten Airbag-Zertifikaten von Goldman Sachs (ISIN DE 000 GS6 EEE 4) und JP Morgan (ISIN GB 00B 03W BW1 2) – die „BRIC“-Idee, also ein kombiniertes Engagement in Brasilien, Russland, Indien und China. Im Gegensatz zu den beiden US-Häusern verzichtet ABN allerdings auf Risikopuffer, Durchschnittsbildung und sonstiges „Gedöns“, stattdessen gibt’s einfach eine laufzeitlich unbegrenzte „Eins-zu-eins“-Partizipation am Vier-Länder-Mix.

Wie eine Art Dach-Zertifikat bündelt das Papier die bereits seit längerer Zeit gelisteten „Open End“-Produkte auf den HSCEI China H-Share (ISIN DE 000 685 964 8), den russischen RDX-EURO (ISIN DE 000 852 670 8), den an den NIFTY 50 angelehnten „ABN India Index“ (ISIN NL 000 020 216 6) und den mit den Schwergewichten des BOVESPA bestückten „ABN Brazil Index“ (ISIN NL 000 041 147 8). Jeweils zum Jahresanfang werden die vier Kursbarometer wieder gleichgewichtet, was gottlob nicht mit zusätzlichen Kosten verbunden ist. Dennoch ist ABN Amro natürlich nicht unter die Wohltäter gegangen: Die beiden in Eigenregie berechneten Indizes sind mit periodischen Managementgebühren von 0,30 Prozent p.a. belastet, von den Dividenden sieht der Anleger sowieso nichts, und obendrein ist der Spread des „BRIC-Baskets“ mit drei Prozent etwas höher als die für die Einzel-Produkte gestellten Geld/Brief-Spannen.

Spürbare Risikominderung

Das ändert freilich nichts daran, dass ABN Amro mit diesem Papier einen lang gehegten Wunsch der „ZertifikateJournal-Community“ erfüllt – endlich ohne zeitliche Festlegung breit gestreut in „Emerging Markets“ investieren, um das langfristige Potential optimal und flexibel nutzen zu können. Wie gut das in der Vergangenheit funktioniert hätte, zeigt die von uns angefertigte Rückberechnung der Strategie: In den letzten fünf Jahren hätte der „BRIC-Basket“ eine durchschnittliche Rendite von 18,4 Prozent p.a. erzielt, die Volatilität als Kennzahl für das Investment-Risiko lag bei 26,23 Prozent. Im Vergleich mit den etablierten Märkten mag das viel sein, gleichzeitig zeigt der Basket damit jedoch geringere Schwankungen als jeder der vier Einzel-Indizes. Der „Markowitz-Effekt“, nämlich dass eine Mischung aus mehreren für sich genommen hoch spekulativen Basiswerten insgesamt eine spürbare Risikominderung bringen kann, greift also auch hier schon.

Grafiken zum Thema auf Seite 3

Lücken im Portfolio

Über jeden Zweifel erhaben ist diese Mischung allerdings nicht. Schade beispielsweise, dass weder Osteuropa noch die Türkei Eingang finden bzw. dass der prospektuelle Rahmen keinerlei Spielraum für spätere Ergänzungen lässt. Hier spiegelt sich eine gängige Fehleinschätzung vieler Investment-Strategen wider – die neuen und künftigen EU-Staaten werden wegen der üppigen Unterstützung aus Brüssel nicht mehr als reinrassige „Emerging Markets“ wahrgenommen, aber bei Reisen nach Tschechien oder Polen merkt man nur allzu oft, dass diese Länder noch lange nicht die Standards arrivierter Volkswirtschaften erreicht haben, sondern erst an der Schwelle dazu stehen. Ein bisschen CECE-Euro hätte dem „BRIC-Basket“ deshalb gut zu Gesicht gestanden, genauso wie ein Engagement im türkischen ISE National 30 und die Möglichkeit, auch Mexiko und Argentinien aufzunehmen, sobald diese Länder effizient investierbar sind.

Hohe Schwankungsrisiken

Damit wäre man allerdings zugegebenermaßen recht schnell in der Welt des aktiven Managements angekommen (es gibt ja obendrein noch Länder wie Thailand, Südkorea oder Indonesien) - oder man hätte zumindest einen passiven Mechanismus einführen müssen, anhand dessen der Basket regelmäßig reallokiert wird. Für den Moment darf der Anleger mit dem, was ABN Amro hier bietet, also durchaus zufrieden sein – wobei im Hinblick auf einen möglichen Einstieg derselbe „Warnhinweis“ gilt wie bei den „Ossis“ von der Raiffeisen Centrobank: Schwellenländer-Aktien leben von der langfristigen Phantasie, sind dabei aber erheblichen kurzfristigen Schwankungen und Rückschlagsrisiken ausgesetzt. Der optimale Anlagehorizont liegt deshalb bei mindestens sieben Jahren, außerdem investieren nur Hasardeure das gesamte für diesen Bereich vorgesehene Kapital auf einen Schlag. Bei ausreichend hohem Volumen, das Sie nicht in die Mindestprovisions-Regelung Ihrer Depotbank fallen lässt, können Sie die Tranchen flexiblen steuern; ansonsten schlagen Sie besser erst zu, wenn das Papier ansparfähig geworden ist, was hoffentlich nicht mehr allzu lange dauern wird.

Mehr über Zertifikate bietet Woche für Woche das ZertifikateJournal, ein kostenloser Anlegerbrief der Zertifikate-Experten Christian W. Röhl und Werner H. Heussinger. Auf »www.zertifikatejournal.de können Sie sich in den Gratis-Verteiler eintragen!

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