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14.04.2015

10:42 Uhr

Bund Future

Bundesanleihen auf Tauchfahrt

VonMatthias von Arnim

Die Anleihenpolitik der EZB macht Anlegern schwer zu schaffen. Das Tagesgeld der Profis bringt kaum noch Profit. Bald könnte die Barriere zu Negativrenditen beim Bund Future durchbrochen werden. Was Anleger tun können.

Bei den Renditen für Bundesanleihen geht es abwärts. Getty Images

Ein U-Boot auf Tauchgang

Bei den Renditen für Bundesanleihen geht es abwärts.

DüsseldorfWenn die Nachfrage größer ist als das Angebot, steigen die Preise. Das gilt für Obst, Gemüse, Autos und Smartphones genauso wie etwa für Rohstoffe, Aktien – und Staatsanleihen der Euro-Länder, die zuletzt immer teurer geworden sind. „Rund 30 Prozent der Staatsanleihen in der Euro-Zone bieten mittlerweile negative Renditen. Grund für diese Entwicklung ist die unkonventionelle Geldpolitik der internationalen Notenbanken, vor allem der Kauf von Anleihen“, erklärt Asoka Wöhrmann, Chief Investment Officer der Deutschen Asset & Wealth Management.

„Wer sein Anlagevermögen etwa mit der Anlage in einer 10-jährigen deutschen Staatsanleihe verdoppeln möchte, benötigt derzeit 386 Jahre“, rechnet Wöhrmann vor. Gerade Bundesanleihen gelten Anlegern aufgrund ihrer sehr guten Bonität weltweit als sicherer Hort. „Die Manager großer Vermögen scheuen derzeit noch größere Risiken, müssen aber ihr Geld irgendwo anlegen. Das sorgt dafür, dass deutsche Staatspapiere so beliebt sind“, sagt Rainer Guntermann, Anleihespezialist bei der Commerzbank.

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Es ist schon fast ein Ausdruck von Verzweiflung und der Unsicherheit der Investoren, die kaum noch renditeträchtige Anlagealternativen finden. Was die Lage nicht besser macht: Bundesanleihen sind zum Teil auch Pflichtinvestments. Institutionelle Anleger wie beispielsweise Versicherungen oder Rentenfonds müssen ihr Geld nach bestimmten Regeln risikoarm streuen und sind deshalb mehr oder weniger gezwungen, zumindest einen Teil ihres Geldes in Bundesanleihen zu investieren. Das gilt sogar für die Europäische Zentralbank.

„Im Rahmen ihres groß angelegten Staatsanleihen-Kaufprogramms investiert die EZB nicht nur etwa in italienische, portugiesische oder spanische Papiere, sondern auch in deutsche Staatsanleihen“, so Guntermann. Denn die EZB verfolgt bei ihrem Kaufprogramm einen vergleichsweise starren Ansatz, bei dem sie den Anteil an Staatsanleihen der verschiedenen Euro-Länder berücksichtigt. Das sorgt bei Bundesanleihen, die auch ohne das EZB-Programm begehrt wären, für Knappheit und treibt die Preise zusätzlich.

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Nicht nur Papiere mit kurzen Laufzeiten sind dabei gefragt. Selbst Bundesanleihen mit Laufzeiten von mehreren Jahren werfen derzeit eine negative Rendite ab. So sind mittlerweile die Renditen deutscher Staatsanleihen zum ersten Mal in der Geschichte niedriger als japanische Staatsanleihen. „In Japan fallen die Anleihen-Renditen bereits seit den 90er Jahren. Aber negative Renditen gab es selbst dort nur für eine sehr kurze Zeit“, so Guntermann.

Der Effekt der gestiegenen Anleihekurse lässt sich am Kurs des entsprechenden Bundesanleihen-Marktbarometers, des Euro Bund-Future ablesen: Dieser ist mittlerweile auf über 159 Punkte gestiegen. 159 Punkte – das ist nicht irgendein beliebiger Wert auf einer nach oben offenen Skala wie beispielsweise bei Aktienindizes. Der Anleihen-Index folgt anderen Regeln: Der Bund-Future drückt aus, wie viel eine zehnjährige Bundesanleihe mit einer Verzinsung von sechs Prozent im Durchschnitt kostet.

Kommentare (4)

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Herr Lothar Bitschnau

14.04.2015, 11:06 Uhr

Ein wirklich interessanter lehrreicher Artikel ... Danke

G. Nampf

14.04.2015, 11:36 Uhr

So sollten Artikel zu Wirtschaftsthemen sein.

Mehr davon bitte!

Herr Bihari Sharan

14.04.2015, 12:32 Uhr

Danke für diesen Artikel.
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"Gerade Bundesanleihen gelten Anlegern aufgrund ihrer sehr guten Bonität weltweit als sicherer Hort."

Bundesanleihen sind auch eine Absicherung gegen die wirtschaftliche Katastrophe eines Auseinanderfallens der Eurozone durch die massive Währungsaufwertung der dann wieder unter deutscher Währung firmierenden Anleihen. Im Vorfeld eines solchen - hoffentlich nie eintretenden - Szenarios, wird der komfortable Riskopuffer von 170 für die Turbos sicher schnell dahinschmelzen.

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