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21.01.2014

11:39 Uhr

Chartanalyse

„Dax will die 10 000-Punkte-Marke sehen“

VonJürgen Röder

Der deutsche Leitindex eilt von Rekordhoch zu Rekordhoch, eine fünfstellige Notierung ist in Sicht. Doch wo sind die nächsten Hürden? Die Charttechnik leitet von einem anderen Dax eine neue, sehr hohe Kursmarke ab.

Eine Bullenfigur aus Legosteinen im Frankfurter Börsensaal: Laut Charttechnik behalten die Bullen - symbolisch für steigende Kurse - beim Dax die Oberhand. Reuters

Eine Bullenfigur aus Legosteinen im Frankfurter Börsensaal: Laut Charttechnik behalten die Bullen - symbolisch für steigende Kurse - beim Dax die Oberhand.

Düsseldorf.Mit einem Blick auf den aktuellen Chart gibt es für den Analysten Frederik Altmann keine Zweifel: „Der Dax will die 10 000-Punkte-Marke sehen“. Denn trotz des bereits sehr steilen Anstiegs – der deutsche Leitindex hat sich seit September 2011 fast verdoppelt – bleibt der Aufwärtstrend mit immer höheren Zwischentiefs und einer stetig steigenden 200-Tage-Durchschnittslinie stark. „Solange der Trend und die 200-Tage-Linie intakt bleiben, können Anleger auf eine Fortsetzung der Kursgewinne setzen“, meint der Charttechniker.

Doch wie weit wird der Dax steigen? Die Berechnung ist nicht einfach, da der Dax dieses Kursniveau noch nicht durchlaufen hat. „Uncharted territory“ nennen dies Experten. Doch mit charttechnischen Hilfsmitteln können laut Altmann mögliche Zielpunkte errechnet werden. Ein erstes Ziel, das kurzfristig angestrebt werden dürfte, liegt nach seinen Berechnungen nahe der magischen 10 000er-Marke bei 10 080 Punkten.

Zertifikate-Typen

Was sind Bonuszertifikate?

Bonuszertifikate bieten einen Risikopuffer gegen Kursverluste bis zu einer bestimmten Kursschwelle, gleichzeitig Gewinnchancen in seitwärts tendierenden Märkten und unbegrenzte Gewinnchancen in steigenden Märkten.

Wie funktionieren Bonuspapiere?

Die Papiere bestehen aus drei Komponenten: Erstens die Chance, an der positiven Entwicklung eines Basiswertes zu verdienen – ein Index oder eine einzelne Aktie; zweitens am Laufzeitende ein Bonus, der bei Auflage des Zertifikats festgelegt, aber nur dann gezahlt wird, wenn drittens eine deutlich unter dem Startwert des jeweiligen  Basiswertes liegende Kursbarriere, die sogenannte Knock-in-Schwelle, während der gesamten Laufzeit nie berührt oder unterschritten wurde. Bis zur Knock-in-Schwelle hat der Anleger also einen Risikopuffer.

Kann der Bonus verloren gehen?

Ja. Wird die Knock-in-Schwelle während der Laufzeit unterschritten oder auch nur berührt, wandelt sich das Produkt in ein klassisches Index- oder Partizipations-Zertifikat. Der Bonus geht verloren.

Wie funktionieren Discountzertifikate?

Im Vergleich zum Kauf einer Aktie oder eines Index bezahlen Anleger bei einem Discountzertifikat durch den Abschlag (Discount) einen günstigeren Preis. Notiert der Kurs des Basiswertes am Ausübungstag auf oder oberhalb des festgelegten Höchstbetrags (Caps) des Discountzertifikates, wird der maximal mögliche Auszahlungsbetrag erzielt. Steigt der Kurs des Basiswertes darüber hinaus, nehmen Anleger an dieser Kursentwicklung nicht mehr teil.

Wann profitieren Discounter?

Das Sicherheitspolster in Form des Discounts kommt insbesondere bei Seitwärtsbewegungen oder leicht fallenden Kursen des Basiswertes zum Tragen. Erst wenn der Kurs des Basiswertes unter den individuellen Kaufpreis des Discountzertifikates fällt, tritt ein teilweiser Kapitalverlust ein. Dafür sind die Gewinnchancen begrenzt – der Preis des Sicherheitspolsters. Ein Verlust ist bei einem Discounter immer geringer als bei dem zugehörigen Basiswert.

Wie funktionieren Indexzertifikate?

Index- oder Partizipationszertifikate bilden einen Index eins zu eins ab. Somit ist die Performance des Zertifikats stets identisch mit der  Wertentwicklung des zugrunde gelegten Basiswertes. Manche Indexzertifikate haben eine begrenzte Laufzeit, viele laufen jedoch endlos. Die Papiere werden häufig mit einem Bezugsverhältnis von 100:1 emittiert, so dass ein Zertifikat jeweils ein Prozent des jeweiligen Index abbildet.

Welchen Vorteil haben Indexzertifikate?

Sie bieten gegenüber dem Kauf von Einzelaktien den Vorteil der Diversifikation über verschiedene Aktien. Außerdem sind diese Zertifikate eine kostengünstige Alternative zum klassischen Fondsinvestment.

Was sind Hebelzertifikate?

Hebelzertifikate sind häufig hochspekulativ, der Kapitaleinsatz ist gering, die Gewinnchance überproportional. Der Hebel gibt an, in welchem Verhältnis das Papier die Kursbewegung des Basiswertes nachvollzieht. Dax-Papiere gibt es bis zu einem Hebel von 200. So wird aus einem Kursplus von fünf Prozent beim Basiswert ein Plus von 1000 Prozent beim Zertifikat.

Können Hebelpapiere wertlos verfallen?

Ja. Fällt das Papier unter ein  festgeschriebenes Niveau, das sogenannte Knock-out-Niveau, wird es wertlos. Hebelzertifikate gibt es mit begrenzter Laufzeit und als Endlos-Papiere. Spekulieren können Anleger auf steigende (long) und fallende (short) Kurse.

Welche Vorteile haben kapitalgarantierte Zertifikate?

Kapitalgarantierte Zertifikate bieten einen Kapitalschutz oder eine Teilgarantie auf das zum Emissionszeitpunkt eingezahlte Kapital – wenn das Papier bis zur Fälligkeit gehalten wird. Zudem kann der Investor von einer positiven Kursentwicklung des Basiswertes, etwa einer Aktie, profitieren. Der Kapitalschutzbetrag sowie die Partizipationsquote werden direkt bei der Emission vom Emittenten festgelegt.

Wie hoch ist der Kapitalschutz?

Der Kapitalschutzbetrag kann bis zu 100 Prozent betragen. Entwickelt sich  das Zertifikat negativ, weil die Aktie zum Laufzeitende unterhalb des (garantieren) Basispreises notiert, erhält der Anleger mindestens diesen Betrag ausbezahlt. Die sogenante Partizipationsquote ist am Laufzeitende mitentscheidend für die Auszahlung an den Anleger. Notiert der Basiswert über dem Basispreis, erhält der Anleger den Nennwert zuzüglich der Differenz zwischen dem Schlusskurs des Basiswertes und dem Basispreis, multipliziert mit der Partizipationsquote zurück.

Was sind Aktien- und Indexanleihen?

Aktien- und Indexanleihen sind festverzinsliche Wertpapiere, die mit einem hohen, oft zweistelligen Coupon ausgestattet sind. Ihre Preisentwicklung ist an den Kursverlauf eines der Anleihe zugrunde liegenden Basiswertes, einer Aktie oder eines Index, gebunden. Die bei Emission einer solchen Anleihe fixierten Rahmenbedingungen enthalten den Basiswert, den zugehörigen Basispreis, die Laufzeit, die Höhe des Zinscoupons und den Nennwert.

Wie werden die Papiere zurückgezahlt?

Liegt der Kurs der Aktie am Stichtag unter dem festgelegten Basispreis, erhält der Anleger kein Bargeld, sondern eine bestimmte Anzahl von Aktien. Die Tilgung von Indexanleihen erfolgt durch Lieferung von Indexzertifikaten, Fondsanteilen oder durch die Zahlung des aktuellen Indexstands in Geld. Obwohl sie „Anleihen“ genannt werden, sind die Produkte Zertifikate.

Wann punkten Expresszertifikate?

Expresszertifikate sind Produkte mit begrenzter Laufzeit, mit denen sich in seitwärts tendierenden oder leicht steigenden Märkten Geld verdienen lässt. Sie beziehen sich auf einen Basiswert – eine Aktie, einen Aktienkorb oder einen Index. Obwohl sie mitunter Laufzeiten von mehreren Jahren haben, bieten sie die Chance einer Sonderzahlung, wenn sie bereits deutlich vor ihrem Laufzeitende fällig werden, etwa wenn der Basiswert am Ende einer Betrachtungsperiode, nach drei Monaten oder einem Jahr, gleich oder höher notiert ist als an ihrem Anfang. Der Anleger erhält dann den Emissionswert des Zertifikats zuzüglich dieser Sonderzahlung. Er erzielt eine vor Emission festgelegte Rendite, die höher sein kann als die Kurssteigerung der Aktie oder des Index.

Was passiert bei stark steigenden Kursen?

Bei stark steigenden Kursen verdient er allerdings weniger als mit dem Basiswert. Zwischen den Beobachtungstagen darf das Papier in die Verlustzone geraten, wichtig ist nur, dass an einem der Beobachtungstage das Startniveau erreicht wird. Nach unten besteht volles Verlustrisiko, falls das Produkt keine Sicherheitsschwelle hat. Aber auch wenn Expresszertifikate einen Risikopuffer haben, können sie genauso viel verlieren wie eine Aktie oder ein Index. Das passiert, wenn der Kurs des Expresszertifikats am Fälligkeitstag auf oder unter der Untergrenze liegt.

Basis dieser Berechnungen sind Zahlen von Leonardo da Pisa, dem Fibonacci genannten Mathematiker des Mittelalters. Mit Hilfe seiner Zahlenfolge werden aus markanten Aufwärts- oder Abwärtsbewegungen bestimmte Korrektur- oder auch Hochpunkte im Kurschart errechnet. In diesem Fall nutzt Altmann die Erholungsbewegung von 2009 bis 2011, dem Startschuss der aktuellen Kursrally. Bei 10 080 Punkten kommt zusätzlich die psychologischen Bedeutung der Nähe zur runden 10 000-Punkte-Marke hinzu, die im Chart auch beachtet wird. Altmann meint: „An dieser Hürde muss sich dann zeigen, ob weiter verstärktes Kaufinteresse und womöglich etwas Euphorie in den Markt hereinkommen kann.“ Dann sollten – wohl noch in der ersten Jahreshälfte – auch 10 510 Punkte angestrebt werden. Dieses Ziel leitet Altmann ebenfalls aus Fibonacci-Überlegungen ab.

Längerfristig kann nach Ansicht des Experten aber sogar ein noch höheres Kursziel bei 11 800 Punkten abgeleitet werden. Grundlage dieser Überlegung ist ein Blick auf den Dax als Kursindex (KDax), wobei im Gegensatz zum üblichen Dax als Perfomanceindex die Dividenden nicht mit eingerechnet werden. Dieser Kursindex notiert im Gegensatz zum „normalen“ Dax nicht auf Rekordhoch, sondern aktuell noch rund 20 Prozent unter seinem Höchststand aus dem Jahr 2000. „Technisch sollte dieses Hoch getestet werden, was wiederum etwa 11 800 Punkte für den Dax als Performanceindex impliziert“, sagt Altmann.

Rücksetzer werden von Anlegern aktuell weiter zu Käufen genutzt, was das generell positive Bild bestärkt. „Ich erwarte eine erste kräftige Unterstützung bereits bei 9425 Punkten“, sagt der Chartexperte. Eine Korrektur könnte nach dem Anstieg aber etwas stärker ausfallen und auch der Test des Aufwärtstrends zusammen mit der 200-Tage-Linie bei rund 8600 Punkten wäre nach Ansicht von Altmann charttechnisch kein Beinbruch und auch nicht ungesund.

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