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12.07.2013

13:29 Uhr

Chartanalyse

Gold hat Kursziel „abgearbeitet“

VonJürgen Röder

Das Edelmetall hat nach einem drastischen Kurssturz nun wieder kurzfristige Erholungschancen. Wer auf steigende Goldpreise setzen will, muss sich nicht unbedingt Münzen oder Barren ins Schließfach legen.

Goldmünzen und kleine Goldbarren stehen in Münzsäulen oder liegen drapiert auf schwarzem Untergrund: Anleger, von wieder steigenden Kurse profitieren wollen, müssen nicht physisches Gold erwerben. dpa

Goldmünzen und kleine Goldbarren stehen in Münzsäulen oder liegen drapiert auf schwarzem Untergrund: Anleger, von wieder steigenden Kurse profitieren wollen, müssen nicht physisches Gold erwerben.

DüsseldorfSelbst hartgesottene Goldfans zweifeln mittlerweile  am vermeintlich „sicheren Hafen“: Der Preis des Edelmetalls, der sich in den vergangenen zwölf Jahren versiebenfacht hatte, befindet sich seit Monaten  in einer Abwärtsspirale. Allein seit Anfang April ist die Notierung des Goldpreises um ein Viertel eingebrochen. Vorläufiger Höhepunkt des Crashs auf Raten: Vor wenigen Tagen kostete eine Feinunze (31,1 Gramm) zwischenzeitlich deutlich weniger als 1200 US-Dollar.

Jörg Scherer von der Düsseldorf Bank hat den Chartverlauf des gelben Edelmetalls genau unter die Lupe genommen. Für den Chartanalysten hat Gold nun sein Kursziel 1200 US-Dollar auf der Unterseite abgearbeitet. Diese Marke hat er aus der 300 Zähler breiten Zone zwischen 1800 und 1500 Dollar errechnet, in der sich der Goldchart mehrere Monate lang aufgehalten hat.

Begriffe aus der Charttechnik

Widerstand- und Unterstützungslinien

Kann der Kursverlauf mehrmals einen bestimmten Kurs nicht überwinden entsteht eine Widerstandslinie. Wird der Widerstand durchbrochen entsteht ein Kaufsignal. Wird ein bestimmter Kurs mehrmals erreicht und nicht unterschritten, entwickelt sich eine Unterstützungslinie. Wird die Unterstützung durchbrochen, entsteht ein Verkaufssignal.

Auf- und Abwärtstrend

Ein Trend gibt die grundsätzliche Richtung eines Kursverlaufs an. Er wird bei steigenden Kursen als Aufwärtstrend, bei gleich bleibenden Kursen als Seitwärtstrend und bei fallenden Kursen als Abwärtstrend bezeichnet. Trends besitzen eine unterschiedliche Dauer. Zu unterscheiden sind hier der Primärtrend (langfristig), der Sekundärtrend (mittelfristig) und der Tertiärtrend (kurzfristig). Kann zusätzlich zur unteren Trendlinie eine parallele obere Trendlinie gezogen werden, entsteht ein Trendkanal.

Gleitende Durchschnitte

Gleitende Durchschnittslinien dienen der Kursglättung. Zu Bestimmung der Durchschnitte werden die Kurse für einen festen Zeitraum addiert und durch die Anzahl der Tage geteilt. Gängige Durchschnitte sind die 38-, 100- und 200-Tage-Linie. Je länger der gewählte Zeitraum ist, umso „glatter“ verlaufen die Durchschnittslinien.

Für Scherer hat Gold nun temporäre Erholungschancen. Zumal die professionellen Händler (Commercials) nur noch in einem geringen Maße auf einen weiter fallenden Preis des Edelmetalls spekulieren – ablesbar an den sogenannten COT-Daten. Das sind Daten der US-Rohstoff- und Finanzkontraktbroker über offene Positionen von Termingeschäften (Futures und Optionen), die über Nacht gehalten werden.

Voraussetzung für eine Erholung ist ein Spurt über die Marke von 1267 Dollar, das eine kurzfristige Trendwendeformation („1-2-3-Tief“) vervollständigen würde. Gestern lag der Goldkurs zwischenzeitlich bereits bei 1298 Dollar. „Das erste Erholungsziel liegt dann bei 1321 sowie 1329 Dollar, den Tiefpunkten der Monate April und Mai“, sagt Scherer.  Da auch die 38-Tages-Linie (aktuell bei 1336 Dollar) in diesem Bereich notiert, entstehe auf diesem Niveau ein wichtiger Kumulationspunkt.

Wer auf steigende Goldpreise setzen will, muss sich nicht unbedingt Münzen oder Barren ins Schließfach legen. Die beliebteste Art von der Wertentwicklung des gelben Edelmetalls zu profitieren, sind börsengehandelte Fonds. Genauer gesagt Produkte, die viele für Fonds halten, die de facto aber gar keine sind: Exchange Traded Commodities (ETC). Genauso wie Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETF), die sich bereits seit Jahren steigender Beliebtheit erfreuen, ermöglichen auch ETCs einfach und kostengünstig in viele Märkten zu investieren.

Kommentare (13)

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Xetra

11.07.2013, 19:13 Uhr

Apropos Xetra-Gold: kennt jemand eine Interessengemeinschaft oder ähnl. von Anlegern die vor 2009 in Xetra Gold investiert haben und nun mit dem Abzug von Abgeltungssteuer rechnen müssen?

Bei Kursgewinnen aus Aktien die vor 2009 gekauft wurden gilt dagegen noch die alte Regelung (Spekulationafrist), daß nach 1 Jahr Haltedauer die Gewinne steuerfrei sind.

Daher ist diese Regelung betr Xetra Gold absolut ungerecht und nicht nachvollziehbar.

Mazi

12.07.2013, 10:09 Uhr

Ist Gold gleich Gold?

Vor wenigen Wochen musste in Hongkong eine Börse geschlossen werden, weil sie nicht mehr in der Lage war, das physische Gold an Anleger auszuliefern.

Notenbanken weisen nicht ihre physische Goldposition, sondern "Gold und Goldforderungen" als konsolidierte Bilanzposition aus. D.h. dass möglicherweise der dort "ausgewiesene" Goldbestand erst gar nicht vorhanden ist.

Aus alle dem ergibt sich, dass die abgesicherte Goldposition nur die Position, die physisch vorhanden ist. Am besten in eigenen Händen, weil selbst Gold in den Safes der Banken nicht sicher sind.

Wir sahen es in Zypern. Die Banken haben einfach nicht geöffnet und die regierenden haben sich einfach die Zeit genommen, die Sparer auszurauben. Es wäre also eine Kleinigkeit auch die Safes gleich mit zu leeren.

Account gelöscht!

12.07.2013, 13:46 Uhr

Für mich liest sich dieser (und ähnliche derzeitige goldfreundliche) Artikel in etwa so:

Also, Leute, rein ins Gold-Investment, damit es sich lohnt, wenn wir noch ein finales Mal draufhauen. Dann seid Ihr hoffentlich vom gelben Fieber geheilt und wir können den Preis wieder steigen lassen.

Natürlich kann ich mich da irren, daher sollte sich niemand, der noch kein physisches Gold hat, davon abhalten lassen zu diesen günstigen Preisen zu kaufen - als Versicherung. Optimal erwischt man den Einstieg wohl sowieso nicht.

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