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08.05.2015

06:32 Uhr

Dax-Chartanalyse

Dax im Korrekturmodus

VonMatthias von Arnim

Nach vier Jahren nahezu ununterbrochener Hausse haben etliche Anleger nun Gewinne mitgenommen. Die Korrektur war nötig. Der Auftakt für eine Baisse muss das jedoch nicht sein. Auf welche Marken Anleger achten sollten.

Nach Meinung der Charttechnik handelt es sich derzeit beim Dax nur um eine Korrektur und nicht um den Anfang einer neuner Baisse. Getty Images

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Nach Meinung der Charttechnik handelt es sich derzeit beim Dax nur um eine Korrektur und nicht um den Anfang einer neuner Baisse.

DüsseldorfEs poltert an der Börse. Vom Hoch bei 12.377 Punkten ist der Dax nach rund einem Monat Talfahrt nun mehr als 1.000 Zähler entfernt. „Der Markt ist auf Verkaufen gepolt. Viele Anleger wollen derzeit aussteigen und Gewinne realisieren. Das ist ein Trend, der sich in den kommenden Wochen fortsetzen dürfte“, sagt Franz-Georg Wenner. Der Rücksetzer beim Dax hat den Chartanalysten nicht sonderlich überrascht.

„Normalerweise sinkt die Volatilität in einem Aufwärtstrend. Doch in den vergangenen Monaten ist die Nervosität an den Märkten zusammen mit den Kursen gestiegen. Das hat schon darauf hingedeutet, dass eine Korrektur bevorsteht“, so Wenner. Ein weiteres Indiz: Seit Anfang Januar hat sich der Dax immer weiter nach oben von seinen lang- und mittelfristigen Durchschnittswerten entfernt. Die 100-Tage-Linie bei 11.031 und die 200-Tage-Linie bei 10.218 Punkten sind selbst nach den Panik-Verkäufen am Dienstag dieser Woche noch immer nicht erreicht.

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„Da ist noch Potenzial nach unten. Das wird die Börse nach und nach abarbeiten“, so Wenner. Dann allerdings würde es spannend. „Solange der Dax über zehntausend Punkten notiert, ist der seit Oktober 2014 bestehende Aufwärtsimpuls intakt. Noch ist es einfach nur eine gesunde Korrektur. Von einer Baisse kann im Moment also noch nicht die Rede sein“, so Wenner.

In der Tat ist derzeit gut zu beobachten, dass der Bereich um die 10.200 Punkte herum nicht nur von anderen Analysten, sondern vor allem von den zahllosen Handelssystemen, die mittlerweile den Markt beherrschen, als wichtige Unterstützung angesehen wird. Sobald sich der DAX dieser Marke nähert, sorgen massive Käufe kurzfristig für eine Gegenbewegung nach oben.

Begriffe aus der Charttechnik

Widerstand- und Unterstützungslinien

Kann der Kursverlauf mehrmals einen bestimmten Kurs nicht überwinden entsteht eine Widerstandslinie. Wird der Widerstand durchbrochen entsteht ein Kaufsignal. Wird ein bestimmter Kurs mehrmals erreicht und nicht unterschritten, entwickelt sich eine Unterstützungslinie. Wird die Unterstützung durchbrochen, entsteht ein Verkaufssignal.

Auf- und Abwärtstrend

Ein Trend gibt die grundsätzliche Richtung eines Kursverlaufs an. Er wird bei steigenden Kursen als Aufwärtstrend, bei gleich bleibenden Kursen als Seitwärtstrend und bei fallenden Kursen als Abwärtstrend bezeichnet. Trends besitzen eine unterschiedliche Dauer. Zu unterscheiden sind hier der Primärtrend (langfristig), der Sekundärtrend (mittelfristig) und der Tertiärtrend (kurzfristig). Kann zusätzlich zur unteren Trendlinie eine parallele obere Trendlinie gezogen werden, entsteht ein Trendkanal.

Gleitende Durchschnitte

Gleitende Durchschnittslinien dienen der Kursglättung. Zu Bestimmung der Durchschnitte werden die Kurse für einen festen Zeitraum addiert und durch die Anzahl der Tage geteilt. Gängige Durchschnitte sind die 38-, 100- und 200-Tage-Linie. Je länger der gewählte Zeitraum ist, umso „glatter“ verlaufen die Durchschnittslinien.

„Es kann sehr gut sein, dass diese Unterstützung hält“, sagt Jörg Scherer von HSBC Trinkaus. Die Korrektursignale seien zwar vorhanden: Einem Top am 20. März folgte ein Rücksetzer, ein höheres Top am 10. April, ein erneuter Rücksetzer und danach wiederum tieferes Top am 27. April. Charttechniker nennen drei Tops mit dem höchsten Wert in der Mitte eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation. Solchen Chartformationen folgt oftmals ein starker Kursabschwung. So kam es auch diesmal.

Doch es gibt auch Anzeichen dafür, dass es sich tatsächlich nur um eine Korrektur und nicht um das Ende des langfristigen Aufwärtstrends handelt, der nun schon seit 2009 andauert. „Die jüngste Schulter-Kopf-Schulter-Formation hat sich in gerade einmal knapp sechs Wochen entwickelt. Würde eine so kurzfristige Formation einen Trend beenden, der sich über sechs Jahre aufgebaut hat, wäre das schon sehr ungewöhnlich“, so Scherer.

Kommentare (1)

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Herr Helmut Metz

08.05.2015, 12:19 Uhr

Wer es immer noch nicht glaubt, dass die gegenwärtige Börsenhausse rein liquiditätsgetrieben ist und fundamental nichts dahinter steht, was diese Aktien-"Preise" rechtfertigen würde, der sollte sich erst recht die Korrektur in den letzten Wochen ansehen: "Fundamental" hat sich hier überhaupt nichts geändert, aber den Aktienmärkten wurde die wichtigste Triebkraft entzogen: die Liquidität.
Wir sahen also DEFLATION IN REINKULTUR: Deflation im eigentlichen Sinne bedeutet nämlich Liquiditätsschock, und die fallenden Preise sind lediglich die Folge (genau, wie bei Inflation steigende Preise nur die Folge sind - nämlich einer Ausweitung der ungedeckten Geldmenge).
Dieser Liquiditätsentzug war natürlich manipulativ, der USDX drohte, durchs Dach zu gehen, der EUR stand vor der Starkabwertung. So haben die Marktmanipulateure die Aktienkorrektur also in Kauf genommen, um den EUR kurzfristig vor dem Untergang zu bewahren.

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