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20.09.2012

13:22 Uhr

DDV warnt

„Anbieter sind zu risikoscheu“

Viele Berater wollten die gestiegenen Haftungsrisiken beim Handel nicht eingehen, erklärt der geschäftsführende DDV-Vorstand Knüppel. Deshalb erhalten Anleger immer häufiger risikoarme, aber renditeschwache Produkte.

Viele Berater wollen keine Risiken mehr eingehen, warnt der Deutsche Derivate Verband. dapd

Viele Berater wollen keine Risiken mehr eingehen, warnt der Deutsche Derivate Verband.

FrankfurtDer Deutsche Derivate Verband (DDV) warnt Anleger und Anbieter vor übertriebener Risikoscheu im Handel mit Zertifikaten. "Beim Anlegerschutz müssen wir aufpassen, dass nicht des Guten zu viel getan wird", sagte der geschäftsführende DDV-Vorstand Hartmut Knüppel der Nachrichtenagentur Reuters in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview. "Das regulatorische Korsett wird immer enger und verstärkt die Tendenz, dass immer mehr Anlegern risikoarme, aber auch renditeschwache Produkte angeboten werden."

Viele Berater wollten die gestiegenen Haftungsrisiken nicht eingehen, erklärte Knüppel die Zurückhaltung auch beim Vertrieb bestimmter Produkte. Damit entgingen den Investoren jedoch Chancen. "Absolute Sicherheit ist selten die beste Lösung, denn gerade in der aktuellen Niedrigzinsphase könnten Anleger mit einem geringen Risiko weit bessere Renditen erzielen. Das Motto vieler Anlegerschützer und Politiker 'Sicherheit über alles' führt letztlich zu weniger Wohlstand und mit Blick auf die Inflation sogar zu realen Vermögensverlusten weiter Teile der Bevölkerung", sagte Knüppel vor dem Deutschen Derivate-Tag am Montag in Frankfurt.

Bei den Zertifikate-Anlegern müssten nach Ansicht des DDV-Vorstandes zwei große Gruppen unterschieden werden. "Erstens diejenigen, die Zertifikate nach einer ausführlichen Anlageberatung erwerben und zweitens die Selbstentscheider, die Zertifikate ohne Beratung kaufen." Die risikoreichen Hebelprodukte würden ausschließlich von Selbstentscheidern gekauft. "Den Beratungskunden, die Anlagezertifikate erwerben, geht es vor allem um Sicherheit. Deshalb sind mittlerweile zwei Drittel des Marktvolumens in Zertifikate mit 100-prozentigem Kapitalschutz investiert."

Dass die Umsätze am deutschen Derivatemarkt 2012 bisher stets unter den Zahlen vom Vorjahr lagen, führt Knüppel auf die Unsicherheit der Anleger im Zuge der Euro-Schuldenkrise zurück. "Zertifikate zählen zu den flexibelsten Finanzinstrumenten überhaupt, setzen aber in der Regel voraus, dass der Anleger eine klare Marktmeinung zum Basiswert - sei es eine Aktie oder ein Index - hat." Viele Anleger hätten in der Krise aber nicht gewusst, wohin die Reise geht. "Auch aufgrund der jüngsten EZB-Maßnahmen stellen wir aber derzeit wieder eine leichte Belebung der Börsenumsätze fest". Im August lag das Handelsvolumen mit Anlagezertifikaten und Hebelprodukten an den Börsen in Stuttgart und Frankfurt bei 3,7 Milliarden Euro. Im Vorjahresmonat waren es fast acht Milliarden Euro gewesen, allerdings hatte die Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit und neue Sorgen um die Euro-Schuldenkrise im August 2011 heftige Turbulenzen und damit steigende Umsätze an den Finanzplätzen rund um den Globus ausgelöst.

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