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27.06.2014

15:57 Uhr

Depot Contest

Gut abgesichert bei fallenden Kursen

VonSara Zinnecker

Die 10.000 Punkte hat der Dax geknackt, mittlerweile dominiert an den Börsen aber die Nervosität. Ein guter Zeitpunkt, um sein Depot über Zertifikate oder Optionen abzusichern? Was Vermögensverwalter empfehlen.

Discount-Zertifikate, Put-Optionsscheine, Wandelanleihen: Verschiedene Instrumente können nützen, das Depot temporär gegen fallende Kurse abzusichern. dpa

Discount-Zertifikate, Put-Optionsscheine, Wandelanleihen: Verschiedene Instrumente können nützen, das Depot temporär gegen fallende Kurse abzusichern.

DüsseldorfDie Krisen im Irak und in der Ukraine sowie zuletzt durchwachsene Konjunkturdaten haben den europäischen Börsen nicht gutgetan. Anleger sind nervös, nehmen derzeit lieber Gewinne mit. Die Folge: Von seiner Höchstmarke Anfang des Monats ist der Dax im Moment gute 200 Punkte entfernt – auf den Hype folgte erst einmal die Abkühlung. Für Anleger lohnt daher momentan die Frage, ob sie ihr Depot nicht gegen weitere Rückschläge absichern wollen.

Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten: Bonuszertifikate zum Beispiel, die auch in schwachen Börsenphasen Gewinne abwerfen, solange ein zugrunde liegender Basiswert einen Höchstwert nicht übersteigt (Cap). Auch sogenannte Put-Optionsscheine kommen infrage: Mit ihnen sichert sich der Anleger den Preis von Aktien für eine bestimmte Laufzeit. Innerhalb dieses Zeitfensters kann er ohne Verluste verkaufen.

Einfacher geht es natürlich auch. Wer sehr breit diversifiziert – also verschiedene Anlageklassen mischt, die sich in der jeweiligen Marktphase eher entgegengesetzt entwickeln – sichert sich in gewisser Weise ebenfalls ab: Die Schwankungsbreite des Portfolios fällt geringer aus, und damit auch das Risiko. 

So funktionieren Optionsscheine

Was ist ein Optionsschein?

Ein Optionsschein ist das verbriefte Recht, einen Basiswert (eine Aktie, einen Index, eine Anleihe oder auch Rohstoffe) zu einem bestimmten Zeitpunkt und zu einem bestimmten Preis (Basispreis) zu kaufen oder zu verkaufen.

Was ist der Unterschied zwischen Put und Call?

Ein Put Optionsschein berechtigt zum Verkauf eines Basiswertes, ein Call Optionsschein berechtigt zum Kauf.

Muss ich am Ende tatsächlich kaufen oder verkaufen?

Grundsätzlich gibt es zwei Ausübungsvarianten: amerikanisch und europäisch. Bei der amerikanischen Variante berechtigt der Optionsschein zum Kauf oder Verkauf des Basiswertes innerhalb einer bestimmten Laufzeit. Bei der europäischen Variante darf am Ende der Laufzeit ge- oder verkauft werden. Der Anleger kann den Optionsschein aber auch verfallen lassen.

Wer verkauft Optionsscheine?

Die Optionsscheine werden von Banken und Brokern emittiert. Geht dieses Unternehmen Pleite, kann auch der Optionsschein verloren sein. Man spricht deshalb von einem Emittentenrisiko.

Wechseln die Basiswerte tatsächlich den Besitzer?

Tatsächlich sehen die meisten Optionsscheine gar keinen physischen Kauf oder Verkauf der Basiswerte vor. Stattdessen erfolgt beim Ausüben des Optionsscheins ein Barausgleich, der sich nach der Differenz zwischen aktuellem Kurs und Basispreis richtet.

Optionsscheine sind Hebelprodukte, was bedeutet das?

Die Hebelwirkung besteht darin, dass Optionsscheine überproportional auf die Veränderung des zugrunde liegenden Basiswertes reagieren. Im Vergleich zu einem Direktinvestment ist also ein deutlich geringerer Kapitaleinsatz notwendig. Der Hebel wirkt jedoch in beide Richtungen. Hat der Anleger zum Beispiel auf fallende Kurse gesetzt und der Basiswert geht aufwärts, verliert der Optionsschein schneller an Wert als das bei einem Direktinvestment der Fall wäre. Wer mit Optionsscheinen spekulieren will, geht also ein großes Risiko ein.

Was ist der innere Wert der Optionsscheins?

Der innere Wert ergibt sich aus der Differenz zwischen dem aktuellen Kurs des Basiswertes und dem Basispreis.

Was ist der Zeitwert des Optionsscheins?

Der Zeitwert wird unter anderem von der Restlaufzeit des Optionsscheins und der Volatilität beeinflusst.

Wie viele Optionsscheine brauche ich?

Angenommen, ein Anleger möchte die Dax-Werte in seinem Depot absichern. Er hat 10.000 Euro in den Dax investiert und der Index steht bei 9000 Punkten. Das Bezugsverhältnis liegt beim Dax üblicherweise bei 0,01 (oder auch 1:100 geschrieben). Um das Depot zum Basispreis von 9000 Punkten abzusichern, müsste der Anleger wie folgt rechnen: 10.000/9000 x (1/0,01) = 112. Er müsste also 112 Optionsscheine kaufen.

Wie viel kostet die Absicherung?

Der Preis richtet sich nach der benötigten Menge der Optionsscheine. Im Beispiel oben ergibt sich bei 112 Optionsscheinen und einem Preis von je fünf Euro ein Gesamtpreis von insgesamt 560 Euro. Hinzu kommen noch Kaufgebühren des Emittenten.

Wie wird der Break Even berechnet?

Break Even wird der Kurs genannt, bei dem der Gewinn, den der Anleger am Ende der Laufzeit durch den Put Optionsschein macht, genau den Kosten entspricht, die er für die Absicherung aufwenden musste. Grob lässt sich das so berechnen: Basispreis – (Preis des Optionsscheins/Bezugsverhältnis) = Break Even. Im Beispiel oben also: 9000 – (5/0,01) = 8500.

Kann ich den Optionsschein zwischenzeitlich verkaufen?

Optionsscheine werden ebenso an der Börse gehandelt wie beispielsweise Aktien. Der Kunde erteilt zum Kauf eines Optionsschein einfach einen Wertpapierkauf- oder verkaufsauftrag.

Die Teilnehmer des Depot Contest der Münchner DAB Bank sind beim Thema Absicherung recht unterschiedlicher Auffassung. Ingo Schweitzer von der AnCeKa Vermögensbetreuung zum Beispiel empfiehlt Anlegern, ihr Depot etwa mit Short-Zertifikaten über den Sommer abzusichern – und so etwas defensiver auszurichten. Der Experte hält es für möglich, dass das Sommerloch leichtere Dax-Stände bescheren könnte.

Aktien zu verkaufen, sei aber keine Option. „Solange von IWF, OECD und der Staatengemeinschaft unisono eine Unterstützung der Weltwirtschaft propagiert und umgesetzt wird muss man Aktien besitzen“. Einen Dax 11.000 hält er bis Jahresende für möglich.

Eine Prognose für die weitere Jahresentwicklung des Dax will Andreas Teichmann, Anlageexperte bei Plückthun Asset Management, nicht abgeben. Allerdings ist sich Teichmann sicher, dass die Gewinnprognosen der Dax-Unternehmen deutlich übertroffen werden müssten, um die derzeitigen Kurse zu rechtfertigen. Eine Korrektur ist also möglich. Und so will der Experte Absicherungsvarianten wie Put-Optionen oder Volatilitätsstrategien nicht ausschließen – allerdings nur temporär, für die nächsten sechs bis 18 Monate. „Dauerhaft sind solche Instrumente zu teuer.“

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