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08.04.2015

11:07 Uhr

Depot-Strategie

Die richtige Absicherung gegen fallende Kurse

VonJürgen Röder

Nichts scheint den Deutschen Aktienindex stoppen zu können. Doch wie lange geht das gut? Manche Profis stellen sich auf ungemütlichere Börsenzeiten ein. Wie Anleger mit einfachen Mitteln ihr Depot absichern können.

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DüsseldorfUm sage und schreibe 25 Prozent ist der Dax im ersten Quartal 2105 gestiegen. Mit dem Erreichen der 12.000-Punkte-Marke hat das deutsche Börsenbarometer sämtliche Jahresendprognosen der Banken, die sie Ende 2014 gewagt hatten, bereits nach drei Monaten übertroffen. Selbst notorische Optimisten kommen ins Grübeln

Einige Banken haben zwar ihre Dax-Kursziele angehoben, bleiben aber skeptisch. „Die Kursrally ist nicht mehr gesund“, schrieb die DZ Bank bereits Mitte März, als der deutsche Leitindex bei 11.500 Punkten notierte. Sie erwartet 12.500 Punkte zum Jahresende, sieht den „fairen Wert“ des Indexes aber nur bei 11.100 Punkten.

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Andere Profis stellen sich auf ungemütlichere Börsenzeiten ein. „Erstmals seit Monaten haben wir unsere Aktiengewichtung verringert“, sagt Reinhard Pfingsten von Hauck & Aufhäuser. Beunruhigend seien nach Einschätzung des Chefanlagestrategen der Bank die Sorglosigkeit der Anleger und hohe Bewertungen. „Auslöser für eine mögliche Korrektur könnte die Leitzinswende in den USA werden, die wir im Sommer erwarten“, warnt Pfingsten.

Jeder Anleger kann individuell für seine Papiere auf einfache Art und Weise ein Auffangnetz einziehen", sagt Matthias Hüppe, Derivate-Fachmann der Düsseldorfer Bank HSBC. Etwa mit handelsüblichen Verkaufsoptionsscheinen, Puts genannt. Profis sprechen dann vom Hedge, zu Deutsch: die Hecke. Gemeint ist Risikominimierung durch Gegengeschäfte.

Diese eigentlich spekulativen Vehikel haben zwei Eigenschaften, die sie für eine Absicherungsstrategie prädestinieren: Sie steigen, wenn die Aktien fallen; und sie haben eine enorme Hebelwirkung, womit ein kleiner Einsatz eine große Wirkung entfaltet.

So funktionieren Optionsscheine

Was ist ein Optionsschein?

Ein Optionsschein ist das verbriefte Recht, einen Basiswert (eine Aktie, einen Index, eine Anleihe oder auch Rohstoffe) zu einem bestimmten Zeitpunkt und zu einem bestimmten Preis (Basispreis) zu kaufen oder zu verkaufen.

Was ist der Unterschied zwischen Put und Call?

Ein Put Optionsschein berechtigt zum Verkauf eines Basiswertes, ein Call Optionsschein berechtigt zum Kauf.

Muss ich am Ende tatsächlich kaufen oder verkaufen?

Grundsätzlich gibt es zwei Ausübungsvarianten: amerikanisch und europäisch. Bei der amerikanischen Variante berechtigt der Optionsschein zum Kauf oder Verkauf des Basiswertes innerhalb einer bestimmten Laufzeit. Bei der europäischen Variante darf am Ende der Laufzeit ge- oder verkauft werden. Der Anleger kann den Optionsschein aber auch verfallen lassen.

Wer verkauft Optionsscheine?

Die Optionsscheine werden von Banken und Brokern emittiert. Geht dieses Unternehmen Pleite, kann auch der Optionsschein verloren sein. Man spricht deshalb von einem Emittentenrisiko.

Wechseln die Basiswerte tatsächlich den Besitzer?

Tatsächlich sehen die meisten Optionsscheine gar keinen physischen Kauf oder Verkauf der Basiswerte vor. Stattdessen erfolgt beim Ausüben des Optionsscheins ein Barausgleich, der sich nach der Differenz zwischen aktuellem Kurs und Basispreis richtet.

Optionsscheine sind Hebelprodukte, was bedeutet das?

Die Hebelwirkung besteht darin, dass Optionsscheine überproportional auf die Veränderung des zugrunde liegenden Basiswertes reagieren. Im Vergleich zu einem Direktinvestment ist also ein deutlich geringerer Kapitaleinsatz notwendig. Der Hebel wirkt jedoch in beide Richtungen. Hat der Anleger zum Beispiel auf fallende Kurse gesetzt und der Basiswert geht aufwärts, verliert der Optionsschein schneller an Wert als das bei einem Direktinvestment der Fall wäre. Wer mit Optionsscheinen spekulieren will, geht also ein großes Risiko ein.

Was ist der innere Wert der Optionsscheins?

Der innere Wert ergibt sich aus der Differenz zwischen dem aktuellen Kurs des Basiswertes und dem Basispreis.

Was ist der Zeitwert des Optionsscheins?

Der Zeitwert wird unter anderem von der Restlaufzeit des Optionsscheins und der Volatilität beeinflusst.

Wie viele Optionsscheine brauche ich?

Angenommen, ein Anleger möchte die Dax-Werte in seinem Depot absichern. Er hat 10.000 Euro in den Dax investiert und der Index steht bei 9000 Punkten. Das Bezugsverhältnis liegt beim Dax üblicherweise bei 0,01 (oder auch 1:100 geschrieben). Um das Depot zum Basispreis von 9000 Punkten abzusichern, müsste der Anleger wie folgt rechnen: 10.000/9000 x (1/0,01) = 112. Er müsste also 112 Optionsscheine kaufen.

Wie viel kostet die Absicherung?

Der Preis richtet sich nach der benötigten Menge der Optionsscheine. Im Beispiel oben ergibt sich bei 112 Optionsscheinen und einem Preis von je fünf Euro ein Gesamtpreis von insgesamt 560 Euro. Hinzu kommen noch Kaufgebühren des Emittenten.

Wie wird der Break Even berechnet?

Break Even wird der Kurs genannt, bei dem der Gewinn, den der Anleger am Ende der Laufzeit durch den Put Optionsschein macht, genau den Kosten entspricht, die er für die Absicherung aufwenden musste. Grob lässt sich das so berechnen: Basispreis – (Preis des Optionsscheins/Bezugsverhältnis) = Break Even. Im Beispiel oben also: 9000 – (5/0,01) = 8500.

Kann ich den Optionsschein zwischenzeitlich verkaufen?

Optionsscheine werden ebenso an der Börse gehandelt wie beispielsweise Aktien. Der Kunde erteilt zum Kauf eines Optionsschein einfach einen Wertpapierkauf- oder verkaufsauftrag.

Kommt es zum erwarteten Rückschlag, gleichen die Puts die Kursverluste der Aktien zum Teil aus. Und sollten die Kurse wider Erwarten doch steigen, gehen zwar die Puts verloren, über die Aktien sind Anleger im Aufstieg aber wieder mit von der Partie. „Die Kosten für einen Put-Optionsschein sind ein Art Versicherungsprämie für das Depot“, sagt Hüppe.

Das Angebot von Put-Optionsscheinen ist riesig, es umfasst mehrere Zehntausend. Bei der Auswahl sollten Anleger drei wichtige Regeln beachten.

Kommentare (15)

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Herr Niccolo Machiavelli

08.04.2015, 11:16 Uhr

Die Puts müssen teuer bezahlt werden.

Puts machen nur Sinn, wenn ich zu einem bestimmten Zeitpunkt das Geld brauche. Dann muss ich absichern.



Account gelöscht!

08.04.2015, 11:25 Uhr

Mit Futures geht es natürlich auch. So wie es zum Beispiel in Vermögensverwaltungen mit großen Portfolien gemacht wird.

Simples Beispiel bei einem Aktienportfolio mit einem akt. Portfoliowert von 10 Mio. €. Davon ca. 2 Mio. in Deutschland investiert (der Einfachhalthalber nur DAX-Titel mit hoher Beta-Korrelation). Jetzt kann man dieses Exposure mit 7 FDAXen relativ delta-neutral 1 zu 1 hedgen (12130,0 x 25 x 7). D.h., jeder Euro den das Portfolio verliert/gewinnt, gewinnt/verliert der FDAX auf der andern Seite.

Vor allem für kleinere Portfolien (unter 2,5 Mio. € und davon ca. 30 % deutschen Aktien-Exposure) empfehlen sich ODAX-Puts zur Absicherung. Bei Optionen hat man allerdings immer den doofen Zeitwertverlust. Die Formel für die Absicherung des Portfolios mit ODAXen lautet: Portfoliowert / Delta der Option / Optionspreis. Durch verschiedene Strategien lassen sich auch Renditeverluste des Portfolios minimieren. Zum Beispiel mit einer sog. Hedge-Box. Statt nur den simplen Kauf eines ODAX Put (at-the-Money) für die Absicherung, wird eine sog. Box gebaut. Dabei wird der Long Put (at-the Money) kombiniert mit einem Short Call (out-the-Money). Der Erlös des Short Calls teilfinanziert den Long Put und kostet dementsprechend das Portfolio auch weniger Rendite kostet. Diese Optionsstrategie eignet sich besonders wenn der Markt vorher schon recht gut gelaufen ist.

Herr Peter Spiegel

08.04.2015, 11:28 Uhr

Puts braucht nur die Bank, der Anleger sitzt Kursrutsche aus und kassiert Dividenden.

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