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10.07.2012

19:02 Uhr

Derivate

Helaba übernimmt Zertifikate-Geschäft der WestLB

Nach der Aufspaltung der WestLB übernimmt die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) das Zertifikate-Geschäft der Landesbank aus NRW. Auch einige Mitarbeiter will die Landesbank übernehmen.

Arbeiter demontieren das Logo der WestLB in Düsseldorf. Die Landesbank wird aufgespalten. Reuters

Arbeiter demontieren das Logo der WestLB in Düsseldorf. Die Landesbank wird aufgespalten.

FrankfurtDie Helaba übernimmt das Zertifikate-Geschäft der aufgespaltenen WestLB . Im Zuge dessen werde ein Teil der Mitarbeiter des Zertifikate-Teams der ehemaligen WestLB zu dem Institut wechseln, teilte die Helaba am Dienstag mit. Zudem werde sie einen Großteil der bestehenden Papiere der WestLB übernehmen.

Die WestLB war nach jahrelangem Streit mit der EU-Kommission Ende Juni aufgespalten worden. Reuters hatte bereits Ende Juni aus Kreisen vermeldet, dass im Zuge dessen eine Übernahme des Zertifikate-Geschäftes der Düsseldorfer durch die Helaba bevorstehe.

Bislang ist die Helaba als Zertifikate-Emittent öffentlich kaum in Erscheinung getreten. Die Landesbank beschränkt sich auf wenige kapitalgeschützte Produkte, die sie über Sparkassen vertreibt. Im Jahr 2011 brachte sie 166 Zertifikate heraus, 2012 waren es bislang rund 125. Anleger halten diese Produkte in der Regel bis zum Laufzeitende, es gibt keinen regen Handel.

Das Geschäft der WestLB lief anders: Sie hat deutlich mehr Papiere als die Helaba emittiert - in diesem Jahr bereits rund 700. Zudem ist das Angebot an Zertifikate-Arten und Basiswerten bei den Düsseldorfern größer als bei den Frankfurtern. An der Frankfurter Derivatebörse Scoach sind im Premium-Segment rund 1800 Papiere von der WestLB gelistet, aber nur etwa 90 von der Helaba.

WestLB: Von der „Hülfskasse“ zur Zerschlagung

Die Westdeutsche Landesbank hat eine lange und wechselhafte Geschichte. Das Institut geht zurück auf die Gründung der „Westfälischen Provinzial Hülfskasse“ vor 179 Jahren und deren Pendant im Rheinland.

1832

Die Westfälische Provinzial-Hülfskasse nimmt in Münster ihre Tätigkeit auf. Gut 20 Jahre danach startet ihr Pendant im Rheinland

1954

Das Land NRW wird Anteilseigner beider Landesbanken

1969

Aus der Fusion beider Landesbanken entsteht die Westdeutsche Landesbank Girozentrale (WestLB)

1973

Durch Devisenspekulationen verzockt die WestLB fast ihren gesamten Jahresgewinn.

1981

Friedel Neuber wird Bankchef und leitet über zwei Jahrzehnte die Geschicke des Bankkonzerns. Unter seiner Führung wird die WestLB zu einem der einflussreichsten Kreditinstitute in Deutschland und zu einem Instrument der Industriepolitik für die NRW-Regierung

1998

Die Rubelkrise und der Zusammenbruch des russischen Anleihemarkts brockt der WestLB einen Milliardenverlust ein.

1999

Die WestLB soll an das Land auf Geheiß der EU eine illegale Beihilfe über 808 Millionen Euro zurückzahlen. Ein jahrelanger Rechtsstreit folgt.

2002

Die WestLB wird auf EU-Druck aufgespalten in die WestLB AG für kommerzielle Geschäfte und die NRW.Bank für das Fördergeschäft

2003

Die WestLB erlebt mit Fehlinvestitionen unter anderem beim britischen Fernsehverleiher Boxclever ein Fiasko. Die Bank verbucht Milliardenverluste

2004

Wegen unerlaubter Beihilfen des Landes NRW muss die WestLB auf Druck der EU 1,4 Milliarden Euro zurückzahlen. Bei der WestLB entsteht ein Verlust von 1,2 Milliarden.

2005

Am 19. Juli beginnt für die Landesbanken eine neue Ära: Die Staatsgarantien fallen weg. Nach einer Kapitalerhöhung sind die beiden Sparkassenverbände im Rheinland und Westfalen mit insgesamt 51 Prozent Mehrheitseigentümer der WestLB

2007

Händler der WestLB setzen 600 Millionen Euro in den Sand. Chef Thomas Fischer tritt zurück. Nachfolger wird Alexander Stuhlmann von der HSH Nordbank. Die EU gibt grünes Licht für eine staatliche Kapitalspritze über 6,2
Milliarden Euro, die die Bank zur Aufspaltung in die NRW-Bank und die WestLB braucht.

2008

In einer Rettungsaktion geben die Eigentümer fünf Milliarden Euro Garantien für faule Papiere

2009

Harte EU-Auflagen: Die WestLB muss um die Hälfte verkleinert werden und bis Ende 2011 mehrheitlich in neue Hände kommen

2010

Der Bund steigt in die WestLB mit einer Kapitalspritze von drei Milliarden Euro ein. Damit wird die Auslagerung von risikoreichen und nicht mehr zum Kerngeschäft gehörenden Papieren in eine „Bad Bank“ möglich.

2011

Bund, Land und Sparkassen beschließen das Konzept für die Zerschlagung der WestLB. Die EU-Kommission besiegelt das Ende.

2012

Nach zähen Verhandlungen wird die Bank zum Stichtag 30. Juni zerlegt: Das Sparkassengeschäft fließt ins Schwesterinstitut Helaba. Nicht verkäufliche Geschäfte werden in die „Bad Bank“ verschoben. Die restliche WestLB wird zur Servicegesellschaft „Portigon“ umgewandelt.

"In unserem Fokus bleiben unverändert transparente und nachvollziehbare Zins- und Kapitalschutzprodukte", sagte Rainer Krick, Kapitalmarktvorstand der Helaba. "Außerdem werden Aktienzertifikate wie beispielsweise Aktienanleihen und Bonus-Zertifikate im Vordergrund stehen." Damit wird das bisherige Geschäft in Richtung der ehemaligen WestLB-Strategie erweitert.

Was die bestehenden Zertifikate der WestLB angeht, so werden diese am 17. September auf die Helaba übergehen. Ab dann wird die Bonität des Frankfurter Instituts für die Rückzahlung der Papiere ausschlaggebend sein. Bis dahin werden die Zertifikate vorübergehend von der Portigon, einer Nachfolgegesellschaft der WestLB, verwaltet.

Das bisherige Zertifikate-Team der Helaba soll durch ehemalige WestLB-Mitarbeiter deutlich aufgestockt werden. Die Düsseldorfer sollen rund zwei Drittel des neuen Teams stellen, das dann etwa 30 Mann stark sein dürfte.

Momentan verwaltet die Helaba rund drei Milliarden Euro in Zertifikaten und gehört damit zu den mittelgroßen Emittenten in Deutschland. Kommen die gut 13 Milliarden Euro von der WestLB hinzu, könnte das Institut hinter dem Branchenprimus Deutsche Bank zum zweitgrößten Zertifikate-Anbieter in Deutschland aufsteigen, gemessen am verwalteten Vermögen. Bislang hat diesen Titel die Commerzbank inne, dicht gefolgt von der DZ Bank.

Von

rtr

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