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05.06.2012

17:27 Uhr

Derivate-Reform

Finanzaufsicht warnt vor Risiken

Der Derivatemarkt soll dank regulierter Plattformen transparenter und sicherer werden. Doch es lauern auch Risiken. BaFin-Chefin Elke König warnt vor dem „Too big to fail“-Problem. Denn dann müsste wieder der Staat ran.

Die Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), Elke König. dpa

Die Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), Elke König.

Bonn/FrankfurtDie Finanzaufsicht BaFin warnt vor Gefahren durch die geplante Verschiebung von Derivategeschäften auf regulierte Plattformen. Um das Finanzsystem stabiler zu machen, soll der Handel von bisher außerbörslich gehandelten Papieren (OTC) ab 2013 über zentrale Gegenparteien (Central Counterparties, CCP) laufen. Diese Unternehmen - beispielsweise die Deutsche-Börse -Tochter Eurex Clearing - stellen sich zwischen Käufer und Verkäufer von Derivaten und übernehmen dabei auch das Risiko, falls einer der Handelspartner Pleite geht. Dadurch werden sie aus Sicht der Aufseher zu systemrelevanten Akteuren - und sollen künftig strenger reguliert werden.

"CCPs sind ein sinnvoller Weg zu mehr Transparenz und Sicherheit im Derivatemarkt", sagte BaFin-Chef Elke König am Dienstag in Bonn. "Sie bergen aber ihrerseits Risiken: aufgrund ihrer Größe und Komplexität und weil sich die Derivategeschäfte dort konzentrieren werden." König sieht die Gefahr, dass große Abwicklungsanstalten - wie Großbanken - bei einer Schieflage am Ende im Zweifel vom Staat gerettet werden müssen, um größere Verwerfungen an den Märkten zu verhindern. "'Too big to fail' ist auch hier ein Problem", betonte die BaFin-Chefin.

Die Aufseher wollen, dass standardisierte Derivate künftig über Clearing-Häuser abgewickelt werden. Die Aufseher müssen dabei laut König darauf achten, dass es nicht zu Ausweichbewegungen komme, "dass also statt clearingfähiger standardisierter Produkte zunehmend nichtstandardisierte Derivatekontrakte angeboten werden."

Die Betreiber von Abwicklungshäusern wie die Deutsche Börse, LCH.Clearnet und die US-Börse CME setzten große Hoffnungen auf die bevorstehende Verlagerung. Sie verweisen darauf, dass es zahlreiche "Verteidigungslinien" gibt, die die Stabilität der Abwickler sicherstellen sollen. Fällt ein Derivate-Händler bei Eurex-Clearing aus, schließt der Konzern zunächst alle offenen Positionen und greift dann auf die vom Händler hinterlegten Sicherheiten zurück. Ende 2011 hatten alle Marktteilnehmer zusammen bei Eurex über 51 Milliarden Euro an Sicherheiten hinterlegt.

Sollten die Sicherheiten nicht ausreichen, wird der vom Händler einbezahlte Beitrag in einen sogenannten "Clearingfonds" herangezogen, danach Gewinnrücklagen von Eurex Clearing. Anschließend würde der Betreiber auf die Beiträge aller Kunden in dem "Clearingfonds" zugreifen - Ende 2011 beliefen sich diese bei Eurex-Clearing auf gut eine Milliarde Euro. Anschließend könnte der Konzern von den Clearing-Kunden weitere Nachschüsse fordern, bevor der Mutterkonzern Deutsche Börse mit all seinen Vermögenswerten einspringen müsste.

Von

rtr

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