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09.03.2012

15:38 Uhr

Derivatebörse

Scoach plant kostengünstigeres Handelssegment

Als kostengünstigere Alternative zum klassischen Börsenlisting plant die Derivatebörse Scoach ein Privatplatzierungssegment. Anfang 2013 wird der Start des neuen Handelssegments erwartet, so Chef Christian Reuss.

Das neue Handelssegment von Scoach soll kostengünstiger sein als andere Produkte. dpa

Das neue Handelssegment von Scoach soll kostengünstiger sein als andere Produkte.

FrankfurtDie Derivatebörse Scoach Schweiz plant ein neues Handelssegment für maßgeschneiderte Zertifikate und sonstige Privatplatzierungen ohne öffentlichen Vertrieb. „Damit wollen wir eine Alternative zum klassischen Börsenlisting schaffen, die kostengünstiger und besser auf diese Produkte angepasst ist“, sagte Scoach-Chef Christian Reuss am Freitag in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Gleichzeitig soll der Handel für Emittenten und Investoren einfacher werden, als wenn diese aus Kostengründen auf Listings verzichten. Es sei zu erwarten, dass das neue Handelssegment Anfang 2013 starten werde.

Ein stark wachsender Anteil des Schweizer Zertifikatemarktes entfällt auf Papiere, die auf Wunsch einzelner Investoren emittiert werden. In vielen Fällen werden die entsprechenden Zertifikate nicht börsengelistet. Denn da sie nicht öffentlich vertrieben werden, findet nach der Emission nur ein geringer oder gar kein Handel mit ihnen statt.

„Deswegen lohnen sich die Kosten, die mit einem klassischen Börsenlisting einhergehen, in diesen Fällen oft nicht“, sagte Reuss. „Denn die Emittenten würden damit für Dienstleistungen zahlen, die sie nicht unbedingt brauchen.“ Dazu gehören ein vollelektronischer, durchgängiger Handel, die fortlaufende Überwachung des Handels sowie umfangreiche Berichtspflichten der Emittenten an die Börse. Weil die Emittenten die Listingkosten in der Regel auf die Zertifikatepreise umlegen, steigen mit einem Börsenlisting häufig auch die Kosten für die Investoren.

Ohne Börsenlisting läuft der Handel zwischen Emittenten, Vermögensverwaltern und den Depotbanken mitunter kompliziert ab. Häufig findet er per Telefon und Email statt. „Eine zentrale Plattform könnte allen Beteiligten Effizienzgewinne bescheren“, sagte Reuss. Denn an die Börse sind die involvierten Parteien in der Regel bereits angeschlossen, so dass die Handelsabstimmung nicht mehr bilateral stattfinden müsste. „Zudem könnten Investoren regelmäßig aktuelle Kurse für ihre maßgeschneiderten Zertifikate erhalten, die sie sonst bei den Emittenten abfragen müssten“, sagte der Scoach-Chef. Das vereinfache die Depotverwaltung.

Rückenwind erhalten die Scoach-Pläne durch den Trend hin zu Computersystemen, über die Investoren Angebote für maßgeschneiderte Zertifikate von verschiedenen Emittenten einholen und miteinander vergleichen können. Mit Derivative.com vom Schweizer Datenanbieter Derivative Partners ist die erste Plattform dieser Art kürzlich an den Start gegangen. Weitere emittentenübergreifende Plattformen wollen in den kommenden Monaten an den Start gehen.

Mit Derivative.com hat sich die Scoach bereits auf eine Zusammenarbeit geeinigt. Dort sollen Investoren, die sich ein Zertifikat nach ihren Wünschen konstruieren lassen, künftig wählen können: ob sie gar kein Listing, ein klassisches Börsenlisting oder ein Listing im neuen Scoach-Segment wünschen.

„Auch ohne diese neuen Plattformen ist der außerbörsliche Markt für Zertifikate in der Schweiz bereits so groß, dass sich ein spezielles Handelssegment dafür unserer Meinung nach lohnen könnte“, sagte Reuss. „Aber durch diese Systeme dürfte der Bedarf dafür wohl nochmals steigen.

Von

rtr

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