Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.01.2008

16:33 Uhr

Derivategeschäft

Wettlauf der Systeme

VonRalf Drescher

Die Entwicklung des Derivategeschäftes ist rasant. Angesichts des ausufernden Produktangebots laufen Anleger Gefahr, die Orientierung zu verlieren. Aber auch Banken müssen mit dem sprunghaften Wachstum des Marktes Schritt halten – ihren Konkurrenzkampf fechten sie über die Informationstechnik aus.

FRANKFURT. Am Mann im Blaumann führt kein Weg vorbei. Wer in diesen Tagen auf der Suche nach den richtigen Anlagetipps den Wirtschaftsteil der Zeitung durchblättert oder auf der Internetseite eines Finanzportals surft, trifft regelmäßig auf den eifrig grinsenden Handwerker mit der hohen Stirn. In den Händen hält er ein großes Bündel gelber Computerkabel. Daneben prangt in fetten Buchstaben die Botschaft: „Vollständig verkabelt!“

Losgeschickt hat den Techniker die Commerzbank. Mit der Kampagne wirbt sie für die Qualität ihrer technischen Systeme und das gewaltige Produktangebot von mehr als 50 000 Zertifikaten und Optionsscheinen, die diese Systeme hervorgebracht haben. Verglichen mit den üblichen Werbestrategien am Derivatemarkt betritt die Commerzbank damit Neuland. Bisher konzentrierte sich die Werbung der Banken stets auf neue, kreative Produkte zu Trendthemen wie Klimawandel, Rohstoffe oder Schwellenländer.

Der Strategieschwenk der Commerzbank steht symbolisch für die Entwicklung des Derivategeschäfts. Jahr für Jahr investieren die Banken Millionen in ihre Informationstechnik (IT), um mit dem sprunghaften Wachstum des Marktes Schritt zu halten. Längst läuft der Wettbewerb hier nicht mehr allein über die Produkfantasie der Emittenten. Vor allem im Massengeschäft, wo Anbieter wie die Commerzbank, die Deutsche Bank oder BNP Paribas das Geschäft mit immensem Tempo vorantreiben, entscheidet zunehmend die technische Infrastruktur der Emittenten über Handelsumsätze und damit Marktanteile. Wer die besten Systeme hat, kann die meisten Produkte auf den Markt bringen und handeln. Und wer eine große Produktpalette hat, erreicht mehr Anleger. „Das Derivategeschäft ist ein Wettlauf der Systeme. Wer da nicht mithält, wird schnell zum Nischenanbieter“, sagt Günter Schärtl, Leiter des Zertifikate-Produktmanagements bei Dresdner Kleinwort.

So richtig glücklich ist mit der Entwicklung allerdings niemand: Anleger verlieren angesichts des ausufernden Produktangebots zunehmend die Orientierung. Und Dienstleister wie Börsen und Finanzdatenanbieter müssen ihre Systeme ständig aufrüsten, um die Zertifikate sinnvoll zu gruppieren und die Preise aktuell zu halten.

Aber auch die Banken selbst stellt die Produktflut vor Herausforderungen. Beispiel Commerzbank: Rund 300 neue Zertifikate und Optionsscheine bringt die Bank Tag für Tag auf den Markt. Ohne Automatisierung geht da nichts. Bei Standardprodukten übernehmen die Rechner sogar die Suche nach Lücken im Produktsortiment: „Früher haben wir unsere Palette an Discount- oder Bonuszertifikaten selbst durchleuchtet, um zu sehen, zu welchen Basiswerten bestimmte Fälligkeiten und Basispreise fehlen. Dies ist heute ohne maschinelle Unterstützung kaum zu bewältigen“, sagt Ralph Stemper, Derivate-Experte der Commerzbank. Ist die Lücke erkannt, wird automatisch ein neues Wertpapier kreiert, das Produkt zur Emission angemeldet und dessen Details an Handelspartner und Finanzdatenanbieter übermittelt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×