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06.02.2005

07:00 Uhr

Die genaue Preisermittlung während der Laufzeit ist schwierig

Aktienverluste mit Volatilitäts-Zertifikaten auffangen

VonSylvianne Heinemann

Mit VDax-Zertifikaten kann auf Schwankungen des Dax spekuliert werden. Sie lassen sich aber auch zur Risikoreduzierung einsetzen.

Für richtige Zocker sind starke Schwankungen an den Aktienmärkten das Salz in Suppe. Große Gewinne und - leider oft übersehen - auch ebensolche Verluste erzielen sie nur dann, wenn sich die Kurse möglichst stark in die eine oder andere Richtung bewegen, die aktuelle, beziehungsweise die für die Zukunft erwartete Volatilität also relativ hoch ausfällt. Gerade das ist am deutschen Aktienmarkt momentan aber nicht der Fall, leicht abzulesen am Volatilitäsindex VDax.

Sein Stand drückt die für die Zukunft erwartete Schwankungsbreite des Dax aus. Diese im Fachjargon als implizite Volatilität bezeichnete Größe wird aus den Preisen von Dax-Optionen mit einer konstanten Restlaufzeit von 45 Tagen abgeleitet, üblicherweise in Prozent angegeben und auf das Jahr hochgerechnet.

Im historischen Vergleich notiert der VDax nahe an seinen langjährigen Tiefständen und meilenweit von seinem Hoch im Herbst 2002 bei knapp 60 Punkten. Während der letzten zehn Jahre lag der VDax im Durchschnitt bei zirka 24 Punkten. Berücksichtigt man nur die letzten fünf beziehungsweise drei Jahre, ergeben sich sogar Werte von 26,5 und 28. Unter diesem Aspekt spricht somit einiges für wieder zunehmende Schwankungen.

Privatanleger können VDax-Zertifikate kaufen

War die direkte Spekulation auf steigende Volatilitäten lange Zeit institutionellen Investoren vorbehalten, können mittels so genannter VDax-Zertifikate nun auch Privatanleger von einer entsprechenden Bewegung profitieren. Die "Vola-Papiere" sind dabei so konstruiert, dass ihre Besitzer am Ende der Laufzeit den tagesaktuellen Stand des VDax in Euro ausgezahlt bekommen. Steigt dieser bis Anfang Mai beispielsweise wieder auf 20 Punkte an, würde das bis zu diesem Termin laufende VDax-Zertifikat von Merrill Lynch zu exakt 20 Euro zurück gezahlt werden. Momentan ist es für unter 18 Euro zu haben. Anleger dürften sich also in diesem Fall über einen Gewinn von über 10 % freuen.

Bis zum Fälligkeitstermin orientiert sich die Kursentwicklung der Zertifikate jedoch nicht direkt am "großen" VDax, sondern an einem Subindex, dessen Wert aus Optionen mit längerer Laufzeit berechnet wird. Lediglich am Verfallstag weisen beide Volatilitätsbarometer den selben Laufzeitbezug und damit den selben Punktestand auf. Anleger können die Preisgestaltung ihres Vola-Zertifikats während der Laufzeit deshalb nicht immer ganz exakt nachvollziehen; Emittenten erschwert es die Absicherung.

Für Abhilfe könnten hier allerdings VDax-Futures sorgen, die die Terminbörse Eurex dem Vernehmen nach erneut in ihr Produktspektrum aufnehmen will. Ihre Einführung wird zweifellos zu einem Schub an interessanten und transparenten Volatilitätsprodukten führen.

Auch zur Risikoreduzierung geeignet

Aber auch die bereits heute verfügbaren VDax-Zertifikate lassen sich nicht nur zum Spekulieren, sondern auch zur Risikoreduzierung einsetzen. So weisen Aktienmarkt und Volatilität in der Regel eine negative Korrelation auf. Steigt der Dax, ist dies häufig mit rückläufigen Volatilitäten verbunden. Ein sinkender Markt geht dagegen meist mit steigenden Schwankungen einher. Verluste bei Aktien können durch Kurssteigerungen beigemischter Vola-Zertifikate somit zumindest teilweise kompensiert werden.

So zeigen Untersuchungen, dass eine kombinierte Anlage in den Dax (90 %) und den VDax (10 %) zwischen Anfang 1992 und Ende 2003 zu einer im Durchschnitt um 2,13 % höheren Rendite pro Jahr geführt hätte, als die alleinige Investition in den Aktienindex - und das bei deutlich reduziertem Risiko.

Als wesentlicher Preisfaktor wirken sich wieder anziehende Volatilitäten natürlich nicht nur auf VDax-Zertifikate, sondern auch auf den Wert von Optionen und Optionsscheinen positiv aus. Setzen Anleger dabei allerdings auf die falsche Richtung, werden die daraus resultierenden Preiseffekte durch Verluste beim Basiswert schnell überkompensiert. Das reduziert zwar den Depotwert, erhöht den Adrenalinspiegel dafür aber umso mehr.

Sylvianne Heinemann und Dominik Auricht sind Spezialisten für derivative Wertpapiere bei Merrill Lynch.

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