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20.11.2011

12:47 Uhr

Emittentenrisiko

Der feine Unterschied

VonJessica Schwarzer

Bei sehr vielen Indizes haben Anleger die Wahl zwischen börsennotierten Indexfonds und Zertifikaten. Die Unterschiede liegen im Detail, können aber mitunter gravierend sein.

Der "Dax" als Autokennzeichen. Das deutsche Standardwertebarometer ist bei ETF- und Zertifikate-Anlegern sehr beliebt. dapd

Der "Dax" als Autokennzeichen. Das deutsche Standardwertebarometer ist bei ETF- und Zertifikate-Anlegern sehr beliebt.

Auf die gängigen Länder- und auch Branchenindizes rund um den Globus können Anleger mittlerweile sowohl mit börsennotierten Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETFs) als auch mit Zertifikaten setzen. Bevor sie sich entscheiden, sollten sie sich über die Unterschiede beider Produkte im Klaren sein.

Wichtigster Punkt – gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten – ist das Emittentenrisiko.  „Investoren achten verstärkt auf die Bonität der Anbieter“, sagt Lars Brandau, Geschäftsführer des Deutschen Derivate Verbandes (DDV). „Da es sich bei Zertifikaten genauso wie bei Anleihen um Schuldverschreibungen handelt, ist die Bonität ein wichtiges Kriterium für die Anlageentscheidung.“ Im Falle einer Pleite des Emittenten würden die Papiere wertlos verfallen. Die Erfahrung aus der Lehman-Pleite sitzt noch tief: Damals verloren rund 50.000 Anleger einen Großteil ihres Geldes, weil ihre Lehman-Zertifikate gemeinsam mit der Bank Schiffbruch erlitten.

Wie hoch das Misstrauen gegenüber Banken – und damit den Emittenten –  ist, zeigen die abgestürzten Aktienkurse, die sinkenden Ratings und vor allem die hohen Prämien für Kreditausfallversicherungen. Diese sogenannten Credit Default Swaps (CDS) sind eigentlich ein Instrument für professionelle Anleger, um Kreditausfallrisiken abzusichern. Die CDS zeigen aber auch, bei welchen Häusern der Markt Bonitätsprobleme sieht. Zertifikate-Anleger starren deshalb derzeit gebannt auf diese Panik-Indikatoren. Die Übersichten über Ratings und die CDS der Emittenten gehören zu den am häufigsten besuchten Seiten des DDV im Internet.

Anders ist es bei ETFs. Wie klassische Investmentfonds bilden Exchange Traded Funds Sondervermögen des Emittenten. Das heißt, dass das Vermögen eines ETF vom Vermögen des Emittenten getrennt ist. Auch im Falle einer Insolvenz des Emittenten bleibt es erhalten.

Ein weiterer Unterschied: die Kosten. Zertifikate sind oft etwas billiger, Papiere auf die großen, liquiden Indizes in der Regel sogar gratis. Indexfonds kosten zwar auch nicht viel – den Dax gibt es beispielsweise bei iShares (WKN 570477) mit einer Verwaltungsgebühr von 0,15 Prozent. Noch billiger das vergleichbare Papier von db X-Trackers  (WKN A0MEKV) mit einer Management-Fee von 0,05 Prozent.

Interessant ist auch der Blick auf die Spreads – also die Differenz zwischen An- und Verkaufkurs. Das iShares-Papier hat einen Spread von maximal einem Prozent, der ETF der Deutsche-Bank-Tochter kommt auf maximal drei Prozent. In der Praxis sind die Spreads aber sehr viel geringer: In den vergangenen zwei Monaten hat der durchschnittliche Spread beim Dax-ETF von db X-trackers 0,106 Prozent betragen. Bei manchen Indexzertifikaten entfällt dieser Spread, beispielsweise bei einem Indexzertifikat der Deutschen Bank (WKN 709335) auf den Dax.

Ob Anleger eher zu Zertifikaten oder ETFs greifen sollten, lässt sich schwer pauschal beantworten: „Es ist Geschmackssache, ob ein Anleger lieber in Indexfonds oder Zertifikate investiert, ob ihm die Sicherheit des Sondervermögens beim ETFs oder der Kostenvorteil des Zertifikats wichtiger ist“, sagt Dominik Auricht, Experte für Wertpapier-Anlagelösungen Hypo-Vereinsbank onemarkets.

Kommentare (3)

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Petra

20.11.2011, 13:51 Uhr

Zertifikate sind Wetten gegen die Bank (...), wobei die Bank den Wetteinsatz sofort kassiert, keine Sicherheiten bietet und die Wettregeln nachträglich ändern kann (Verkaufsprospekt!)!
Wer trotzdem Zertifikate (...) fällt schlichtweg auf die Werbeversprechen der provisionsgetriebenen Banken herein! Letztendlich muß jeder Käufer schriftlich bestätigen, daß er die Produkte verstanden hat (Beraterprotokoll). Wer es trotzdem unterschreibt ohne es verstanden zu haben, dem ist nicht zu helfen. Dummheit wird eben bestraft!

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

falsche_frage

20.11.2011, 14:20 Uhr

Wozu sollte man ein Zertifikat ohne Hebel kaufen?
Gigantische Nachteile für 1-2 promille Ersparnis... kauf ich doch lieber ein DAX- Zertifikat für 5€, damit sich das Risiko auch lohnt... ;-)

baschtia

20.11.2011, 14:44 Uhr

Ich halten den Artikel für wenig durchdacht. Sie geben an, dass das Emittentenrisiko "Der wichtigste Punkt - in wirtschaftlich schwierigen Zeiten - ist. Das halte ich für falsch

Was hilft es mir, wenn ich einen TOP-Emitteneten habe, wenn der abgebildete Basket nichts mehr wert ist! So haben warscheinlich die meisten Menschen ihr Geld verloren.

@Petra - Ein Pauschalurteil über Zertifikate in dieser Art ist unangebracht - Es bereichert die Anlagemöglichkeiten - gerade in Märkte, die sonst kaum abzubilden sind. Das der Anleger wissen muss, was er unterschreibt - da gebe ich ihnen recht!

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