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15.03.2011

17:00 Uhr

Extreme Spreads

Japan-Krise wirbelt Zertifikatemarkt durcheinander

Die Marktturbulenzen im Zuge der Katastrophe in Japan wecken bei Zertifikate-Anlegern böse Erinnerungen an die Lehman-Pleite. Die Preise von Zertifikaten schlagen heftig aus.

In hektischen Märkten zeigen sich die Gefahren von Zertifikaten. Quelle: picture alliance/dpa

In hektischen Märkten zeigen sich die Gefahren von Zertifikaten.

FrankfurtDie Marktturbulenzen angesichts der drohenden Atomkatastrophe in Japan haben am deutschen Derivatehandel zu massiven Kursverwerfungen geführt. Die An- und Verkaufskurse bei Zertifikaten und Hebelprodukten lagen Händlern zufolge teilweise zehn Mal so weit auseinander wie üblich. „Die Turbulenzen am Aktienmarkt machen es für die Emittenten schwieriger und teurer, sich abzusichern“, begründete Derivatehändler Simon Görich von der Baader Bank diese Entwicklung.

Beispielsweise konnten Anleger einen Nikkei-Put mit Basispreis bei 7500 Punkten von der Commerzbank am Mittag für einen Geldkurs von 64 Cent verkaufen. Gleichzeitig lag der Briefkurs, zu dem Investoren den Schein kaufen konnten, bei 89 Cent. „Normal wäre ein Unterschied von zwei, drei Cent“, sagte Görich. Händlern zufolge hat es eine ähnliche Situation zuletzt im September 2008 gegeben, als die US-Bank Lehman Brothers zusammengebrochen ist.

Nach japanischen Medienberichten ist die radioaktive Belastung in der Nähe von Tokio bereits merklich angestiegen, nachdem in mehreren Atomreaktoren Störungen aufgetreten waren.

Investoren befürchten nun, dass die Krise in Japan die gesamte Weltwirtschaft in eine Rezession stürzen könnte. In Tokio war der Nikkei am Dienstag zeitweise um 14,5 Prozent abgestürzt, so viel wie noch nie zuvor. Mit 8605 Punkten hatte er schließlich 10,6 Prozent im Minus geschlossen, so niedrig wie seit rund zwei Jahren nicht mehr.

In Europa gerieten vor allem deutsche Aktien unter Druck: So stürzte der Dax um bis zu 5,6 Prozent auf 6483 Punkte ab und notierte damit so niedrig wie seit Oktober 2010 nicht mehr. Zudem handelte es sich um den größten Kursverlust seit Dezember 2008.

Am Derivatemarkt trennten sich die Anleger vor allem von Call-Optionsscheinen und Zertifikaten auf den japanischen Aktienmarkt sowie Unternehmen und Rohstoffe, die in der Kernenergie eine Rolle spielen. Im Gegensatz dazu waren Put-Optionsscheine auf den japanischen Aktienmarkt und Zertifikate auf Aktien aus der Branche für erneuerbare Energien gefragt.

An der Scoach war ein Nikkei-Turbo-Put mit Basispreis und Knock-Out-Barriere bei 10.692 Punkten bis zum Nachmittag das meistgehandelte Hebelprodukt, wobei Händler überwiegend von Käufen berichteten. Verkauft wurden auch Zertifikate auf Uran-Unternehmen, beispielsweise ein Tracker auf den World Uranium EUR Total Return Index von der Societe Generale.

Gefragt waren durch die Bank weg Zertifikate auf Firmen, die im Bereich erneuerbare Energien tätig sind. Dazu gehörte ein Tracker auf den RBS Solar Energy TR Index von der Royal Bank of Scotland. Auch ein Tracker von der Deutschen Bank auf den ÖkoDax, der Solar- und Windenergieunternehmen umfasst, war begehrt. Außerdem griffen viele Anleger bei einem Turbo-Call der DZ Bank auf den Solarzellenhersteller Q-Cells mit Basispreis und Barriere bei 2,50 Euro zu. Die Q-Cells-Aktie notierte rund 16,5 Prozent im Plus bei 3,50 Euro.

Von

rtr

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