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07.08.2012

15:01 Uhr

Fallende Facebook-Aktie

Die 500-Prozent-Rendite-Wette

Des einen Leid ist des anderen Gewinn: Mit einem sogenannten Put-Warrant haben Investoren in den vergangenen Wochen auf einen Kurssturz der Facebook-Aktie gesetzt – und dabei kräftig abkassiert.

45 Prozent hat die Facebook-Aktie bereits verloren. dpa

45 Prozent hat die Facebook-Aktie bereits verloren.

New YorkDer 45-prozentige Kurssturz von Facebook seit dem Börsengang hat einigen Investoren einen Gewinn von über 500 Prozent gebracht. Sie hatten strukturierte Produkte gekauft, die von einem Absturz der Aktie profitieren. Angeboten wurden diese Papiere unter anderem von der Schweizer Bank Vontobel.

Die größten Sorgen von Facebook

Die Nutzer bleiben aus

Facebook ist seit seinen Anfängen im Februar 2004 rasend schnell gewachsen. Das Soziale Netzwerk hat mehr als eine Milliarde aktive Nutzer, knapp 600 Millionen schauen sogar täglich vorbei. „Die Größe unserer Nutzerbasis und ihre Bindung an uns ist entscheidend für unseren Erfolg“, erklärt Facebook. Es gebe aber keine Garantie dafür, dass neue Funktionen gut ankämen und die Mitglieder bei Laune hielten. „Auch eine ganze Reihe anderer sozialer Netzwerke hat schnell an Popularität gewonnen, seitdem ist die Zahl der aktiven Nutzer aber zurückgegangen, in manchen Fällen sogar jäh.“ Facebook spielt damit auf den einst großen Rivalen MySpace an; auch die deutschen Konkurrenten SchülerVZ und StudiVZ bekommen den Facebook-Hype drastisch zu spüren.

Die Werbung bleibt aus

Emsige Nutzer sind gut und schön, aber das Geld bringen erst die Werbekunden. Knapp 90 Prozent der Einnahmen stammten im vergangenen Jahr aus Anzeigen. Bislang tut sich die Werbebranche aber noch schwer damit, den Wert von Facebook-Anzeigen zu erkennen, in vielen Unternehmen gelten sie eher als Experiment denn als fester Bestandteil der Kampagnen. Überdies besuchen immer mehr Nutzer Facebook mit dem Smartphone oder Tablet-Computer. Auf den kleinen Bildschirmen der mobilen Geräte lässt sich Werbung jedoch schlechter platzieren. Immerhin konnte das US-Unternehmen bei den mobilen Anzeigen zuletzt deutlich zulegen – ein Hoffnungszeichen für die Investoren.

Die Konkurrenz schläft nicht

Facebook ist zwar die unumstrittene Nummer eins unter den Sozialen Netzwerken, doch das Internet ist groß. „Wir sehen uns in nahezu jedem Bereich unseres Geschäfts Konkurrenz gegenüber, darunter von Firmen wie Google, Microsoft und Twitter“, erklärt Facebook in einem Bericht an die Börsenaufsicht SEC. So hat Google mit Google+ ein eigenes Soziales Netzwerk aufgezogen, das allerdings noch deutlich kleiner ist als der blaue Riese. Es gibt auch starke regionale Netzwerke, Facebook führt namentlich Cyworld in Korea, Mixi in Japan, die Google-Tochter Orkut in Brasilien und Indien sowie vKontakte in Russland auf. Auf dem chinesischen Markt, wo Facebook noch gar nicht vertreten ist, warten die Platzhirsche Renren, Sina und Tencent. „Einige unserer aktuellen und künftigen Rivalen haben deutlich mehr Ressourcen und eine bessere Stellung in bestimmten Märkten als wir.“

Die Staatsmacht greift durch

Die Regierungen haben Facebook im Blick: „Es ist möglich, dass die Regierungen in einem oder mehreren Ländern die Inhalte von Facebook zensieren oder den Zugang zu Facebook einschränken“, weiß das Unternehmen. Denn das Soziale Netzwerk kann ungeahnte Kräfte entfalten – wie der arabische Frühling zeigte. Die jungen Menschen, die auf die Straße gingen, hatten sich nicht zuletzt über Facebook organisiert. Es habe bereits Zensur unter anderem in Iran, Nordkorea und Syrien gegeben, zählt Facebook auf. Alles große Märkte. In anderen Ländern wie Deutschland musste sich Facebook wiederum Kritik an einem laschen Umgang mit dem Datenschutz vorhalten lassen.

Die Nerds untergraben das Geschäft

Facebook-Chef Mark Zuckerberg sagt, ihm gehe es nicht in erster Linie ums Geldverdienen. Er wolle das Netzwerk vorantreiben. Auf diese Linie hat er auch seine mehr als 3000 Mitarbeiter eingeschworen. „Wir haben eine Kultur, die die Mitarbeiter dazu ermuntert, schnell neue Produkte zu entwickeln und sie rasch einzuführen.“ Diese Firmenkultur vertrage sich aber nicht immer mit dem Geschäftlichen, räumt Facebook ein. „Wir treffen regelmäßig Produktentscheidungen, die unseren Umsatz und unsere Profitabilität kurzfristig schmälern können.“

Ein so genannter Put-Warrant, der Facebook im März bei 22 Dollar sieht, kostete in der Woche nach dem Facebook-Börsengang gerade einmal 6 Euro-Cent - am Montag dieser Woche, als Facebook für 21,87 Dollar in New York gehandelt wurde, war ein solcher Schein bereits 36 Euro-Cent wert, wie Daten von Bloomberg belegen.

Bei seinem Börsengang, welcher das größte IPO aller Zeiten bei Technologieunternehmen war, hatte das Unternehmen rund 16 Mrd. Dollar eingesammelt. Seit dem Tag des Börsendebüts konnte Facebook nicht mehr über Ausgabekurs schließen. Weiter bergab ging es nach dem 26. Juli, als Analysten in den ersten Quartalszahlen ein langsameres Umsatzwachstum und niedrigere Gewinnmargen ausmachten.

„Wer den 22-Dollar-Put kaufte, als Facebook bei 38 Dollar lag, der hat eine ganze Menge Geld verdient“, sagte Heiko Geiger, Vertriebschef für Deutschland und Österreich bei Vontobel in Frankfurt. Seine Bank hatte den 22-Dollar-Warrant auf den Markt gebracht.

Die größten Börsengänge der Welt

General Motors

General Motors: 23,1 Mrd. Dollar (2010, USA)

Agricultural Bank of China

Agricultural Bank of China: 22,1 Mrd. Dollar (2010, China)

ICBC

ICBC: 21,97 Mrd. Dollar (2006, China)

Visa Inc

Visa Inc: 19,65 Mrd. Dollar (2008, USA)

NTT Mobile Communications

NTT Mobile Communications: 18,05 Mrd. Dollar (1998, Japan)

Enel SpA

Enel SpA: 16,59 Mrd. Dollar (1999, Italien)

Nippon Telegraph and Telephone

Nippon Telegraph and Telephone: 13,75 Mrd. Dollar (1986, Japan)

Deutsche Telekom

Deutsche Telekom: 12,49 Mrd. Dollar (1996, Deutschland)

Bank of China

Bank of China: 11,19 Mrd. Dollar (2006, China)

Dai-ichi Life Insurance

Dai-ichi Life Insurance: 11,16 Mrd. Dollar (2010, Japan)

Der Wert von Warrants nimmt typischerweise zu, wenn sich die zu Grunde liegende Aktie auf den Ausübungs-Preis zubewegt - also das Niveau, bei dem das Wertpapier Gewinn abwirft oder nicht. Besitzer können die Warrants mit Gewinn weiterverkaufen. Oder aber sie warten, bis der Aktienkurs sich über den Ausübungspreis hinaus bewegt und sie eine Geldsumme erhalten.

„Wenn man nicht darauf spekulieren will, dass der Kurs noch weiter fällt, wäre man gut beraten, Gewinne mitzunehmen“, sagte Geiger. Facebook-Sprecher Tucker Bounds wollte keinen Kommentar abgeben.

Kommentare (15)

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Account gelöscht!

07.08.2012, 11:15 Uhr

Zitat:'Wenn man nicht darauf spekulieren will, dass der Kurs noch weiter fällt, wäre man gut beraten, Gewinne mitzunehmen“, sagte Geiger...'

Eine unglaubliche Erkenntnis bei einem Put...

immerwieder

07.08.2012, 15:22 Uhr

Schade, habe den Put leider nicht gekauft - wollte ihn mir ins Depot legen und war zu zögerlich. War recht wahrscheinlich, dass die Facebookheinis Kasse machen wollen - wo soll denn das Geld aus dem Börsengang hingehen, in den Unternehmensausbau? Haha. Verkauft wird der Laden an der Börse, wenn er viel Wert ist, nicht wenig.
Da machen die Eigentümer Kasse.... wie war das noch mit Groupon? ;-)

Account gelöscht!

07.08.2012, 15:22 Uhr

Sind das wirklich «Investoren», die einen Warrant kaufen, der knapp 30 Prozent aus dem Geld ist und dann Glück haben?

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