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07.11.2012

15:13 Uhr

Finanzmarkt

Derivate sind keine Zockerpapiere!

VonChristine Bortenlänger

Dynamitstangen, die an beiden Enden brennen. Das sagt SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück über Derivate. Doch er liegt völlig falsch. Gerade Mittelständler sind auf komplexe Finanzprodukte angewiesen. Eine Gegenrede

Christine Bortenlänger ist Chefin des Deutschen Aktieninstituts und war Geschäftsführerin der Börse München. dpa

Christine Bortenlänger ist Chefin des Deutschen Aktieninstituts und war Geschäftsführerin der Börse München.

Derivate gelten vielen als Zockerpapiere. Zu Unrecht! Tatsächlich dienen diese Finanzprodukte großen und kleinen Unternehmen dazu, ihre Erträge langfristig stabil zu halten, etwa indem sie mit Hilfe von Derivaten ihre Währungs- oder Zinsrisiken absichern. Dies zu tun, wird den Unternehmen jedoch immer schwerer gemacht, da das Regulierungskorsett der Derivatemärkte seit dem Ausbruch der Finanzkrise immer enger geschnürt wird.

In Zeiten der Globalisierung hat dies Auswirkungen auf die deutsche Unternehmenswirklichkeit. Stellen wir uns als Beispiel ein mittelständisches Unternehmen mit Sitz in Baden-Württemberg vor. Dieses fiktive Unternehmen hat es dank jahrzehntelanger Tüftelei geschafft, Weltmarktführer für Verpackungsmaschinen zu werden. Der schwäbische Weltmarktführer erwirtschaftet rund 50 Prozent seiner Erträge außerhalb des Euroraums, produziert aber weiterhin vorwiegend in Deutschland und weist seine Erträge natürlich auch in Euro aus.

Käme es jetzt zu einem Verfall des US-Dollars würden sich die in Euro umgerechneten US-Erträge unseres Hidden Champions dramatisch verringern. Schnell könnten sich Währungsverluste in Größenordnungen ergeben, die die typische Umsatzrendite eines deutschen Industrieunternehmens übersteigen und damit den unternehmerischen Erfolg insgesamt gefährden.

Das effektive Management der Währungsrisiken insbesondere mit Derivaten ist in einer globalisierten Welt daher von geradezu lebenswichtiger Bedeutung für Industrieunternehmen. So könnte sich der schwäbische Maschinenbauer beispielsweise über ein einfaches Devisentermingeschäft gegen die Währungsrisiken des Dollarraums weitgehend absichern.

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Aber auch in anderen Zusammenhängen sind Derivate unverzichtbarer Bestandteil der unternehmerischen Risikostrategie – etwa zur Planung und Steuerung der Rohstoffpreis- oder Finanzierungsrisiken. Derivate, die zur Absicherung von Grundgeschäften eingesetzt werden, sind also alles andere als „Spekulation“ auf den schnellen Gewinn. Ganz im Gegenteil mindern sie Risiken und erhöhen die Planungssicherheit im operativen Geschäft, da durch sie künftige Erträge stabilisiert werden.

Man denke nur daran, wie attraktiv das derzeitige Zinsniveau ist. Wenn sich Unternehmen dieses Niveau auch nur ansatzweise über ein Zinsderivat langfristig sichern können, stärken sie ihre Widerstandsfähigkeit im Markt auf Jahre hin.

Kommentare (25)

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r-tiroch@t-online.de

07.11.2012, 15:24 Uhr

was will man denn hier den leuten für einen Blödsinn erzählen? natürlich sind Derivate hochbrisante zockerpapiere die in 2,5 Billarden-Schwere über dem Aktienmarkt lauern. keiner will sie mehr haben, aber sie werden täglich an dümmere verscherbelt.

blender

07.11.2012, 15:26 Uhr

Der Dummschwätzer hat doch keine Ahnung. Plappert nach, was ihm seine Referenten zwischen Tür und Angel erklärt haben, was er aber nur zu 5% verstanden hat.

abc

07.11.2012, 15:37 Uhr

@r-tiroch@t-online.de: Sehen Sie den Widerspruch in ihrem letztem Satz?

@HB: Sehr schöner Artikel.

@All: Eines fehlt noch im Artikel: Jedes Derivat, egal ob Standard oder individuell, braucht ein Gegenüber. Risiken abzusichern bedeutet immer, dass jemand anderes dieses Risiko trägt. In der Praxis sind das die viel gescholtenen 'bösen' Spekulanten. Die Übernahme von Risiken ist die volkswirtschaftliche Kernaufgabe von Spekulanten. Wie bei Versicherungen verlieren Spekulanten Geld wenn die Spekulation nicht aufgeht (wenn das Risiko also fällig wird) und verdienen sie Geld wenn das Risko nicht eintritt.

Das Problem der Finanzkrise war zum einen das es zu wenig Spekulanten gab und dadurch zu viele Risiken auf zu wenig Unternehmen vereinigt wurden und zum anderen Großbanken zu Risiken übernommen haben. Spekulation ist nicht die volkswirtschaftliche Aufgabe einer Bank, sondern spezialisierter Unternehmen die niemals systemrelevant sein dürfen.

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