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23.07.2015

16:24 Uhr

Gold und Goldminen-Aktien

Der Ausverkauf von Gold als Chance

VonMatthias von Arnim

Gold ist in US-Dollar so billig wie seit fünf Jahren nicht mehr. Antizyklisch agierende Investoren aus dem Euroraum könnten in den kommenden Monaten vom Ausverkauf doppelt profitieren. Welche Produkte infrage kommen.

Verfall nicht zu bremsen

Goldpreis bald unter 1.000-Dollar-Marke?

Verfall nicht zu bremsen: Goldpreis bald unter 1.000-Dollar-Marke?

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DüsseldorfDerzeit scheint nicht viel dafür zu sprechen, in Gold zu investieren. Seit vier Jahren schon fällt der Goldpreis. Die kurzen Aufwärtsbewegungen, die es zwischenzeitlich gab, endeten stets unterhalb des jeweils zuvor erreichten Hochs und bestätigten damit nur den Abwärtstrend. Zuletzt beschleunigte sich die Talfahrt noch einmal.

Allein in den vergangenen vier Wochen ist der Goldpreis um fast 200 US-Dollar gesunken. Aktuell kostet eine Feinunze des gelben Metalls nur noch etwas mehr als 1.100 US-Dollar. Zur Erinnerung: Ende August 2011 kostete eine Feinunze Gold noch rund 1.900 US-Dollar. Wer sich damals Gold ins Depot gelegt hat, verbucht heute unter dem Strich ein Minus von 42 Prozent – in Dollar gerechnet. In Euro bleibt ein Minus von 22 Prozent.

Gold- und Goldminenaktien: Wie sich die Goldprodukte entwickelt haben

Gold- und Goldminenaktien

Wie sich die Goldprodukte entwickelt haben

Investoren kehren Gold aus verschiedenen Gründen den Rücken – es wird etwa eine Zinserhöhung durch die US-Notenbank erwartet. Der Ausverkauf des Metalls ist für die Anleger allerdings eine Chance.

Denn der US-Dollar hat gegenüber dem Euro in dieser Zeit mehr als 20 Prozent an Wert zugelegt. Da der Dollaraufschwung vor allem in den vergangenen 15 Monaten stattfand, sieht die jüngste Goldbilanz für Anleger aus dem Euroraum sogar recht gut aus. „Im Jahr 2014 war Gold für Anleger aus dem Euroraum die zweitbeste Anlageklasse überhaupt“, sagt Uwe Günther von BPM Berlin Portfolio Management.

Auch das aktuelle Kalenderjahr läuft bislang besser als von vielen europäischen Anlegern gefühlt: In Euro gerechnet, hat sich Gold seit Januar 2015 trotz der jüngsten Korrektur um rund drei Prozent verteuert. „Wenn ich die Wertentwicklung von Gold betrachte, ist für mich entscheidend, in welcher Währung ich denke. Investoren sollten sich deshalb vor allem darüber Gedanken machen, wie sie die Entwicklung des Euro im Verhältnis zu US-Dollar und Goldpreis sehen“, so Günther.

Der Anlagestratege: Der gefährliche Bann des Goldes

Der Anlagestratege

Der gefährliche Bann des Goldes

Um Gold ranken sich seit jeher eine Vielzahl von Mythen und Legenden. Auch als Anlageklasse hat Gold große Strahlkraft. Doch die täuscht und lässt Goldjünger in einem gefährlichen Irrglauben leben.  

Hintergrund: Goldpreis und Dollar haben sich in der Vergangenheit zwar oft entgegengesetzt zueinander entwickelt: Sank der Dollar im Verhältnis zum Euro, stieg der Goldpreis. Denn Gold wird als Alternativwährung zur Weltleitwährung US-Dollar angesehen. Doch diese Korrelation funktioniert auch umgekehrt. Das war zuletzt zu beobachten. Als US-Notenbankchefin Janet Yellen kürzlich bestätigte, sie werde die Leitzinsen noch in diesem Jahr erhöhen, stärkte das den Dollar und setzte zugleich den Goldpreis unter Druck.

Die Entwicklung beim Gold scheint im Moment zwar eindeutig auf einen weiter fallenden Preis hinzudeuten: Doch es war schon oftmals eine gute Idee, gegen den mehrheitlich propagierten Trend zu handeln. „Rein fundamental müsste Gold eigentlich im Verhältnis zur im Umlauf befindlichen Geldmenge steigen“, sagt Uwe Wiesner vom Vermögensverwalter Hansen & Heinrich in Berlin.

„Die Marktgesetze sind durch die Geldpolitik der Zentralbanken allerdings teilweise außer Kraft gesetzt. Das heißt aber nicht, dass sie langfristig ihre Gültigkeit verloren haben“, so Wiesner. Langfristig orientierte Anleger sollten deshalb vorsichtig in Gold investieren und auf den Faktor Zeit vertrauen.

Wann beim Goldpreis die Talsohle durchschritten ist, ist nur zwar nur schwer abzusehen. Doch der letzte Ausverkauf hat offenbar bereits begonnen. „Wer Angst vor weiteren Verlusten hat, hat in den vergangenen Monaten Gold verkauft. Die Gold-Pessimisten sind aus dem Markt. Wir raten jetzt zu vorsichtigem Bottom-Fishing, also kaufen zu Tiefstkursen“, sagt Jörg Jubelt von PMP Vermögensmanagement in Düsseldorf. „Gold gilt trotz aller Unkenrufe immer noch als sicherer Hafen. Wenn es an den Börsen kracht, könnte der Goldpreis kurzfristig sogar noch einmal fallen, denn internationale Anleger nutzen den Verkauf von Gold-Positionen, um liquide zu sein“, erklärt Jörg Jubelt.

Goldnachfrage weltweit (in Tonnen)

2003

Schmuck: 2.484
Barren und Münzen: 304
ETFs: -
Industrie: 386
Zentralbanken: -620
Gesamt: 2.594 Tonnen

2004

Schmuck: 2.616

Barren und Münzen: 355

ETFs: 133

Industrie: 419

Zentralbanken: -479

Gesamt: 3.044

2005

Schmuck: 2.719

Barren und Münzen: 396

ETFs: 208

Industrie: 438

Zentralbanken: -663

Gesamt: 3.098

2006

Schmuck: 2.300

Barren und Münzen: 414

ETFs: 260

Industrie: 468

Zentralbanken: -365

Gesamt: 3.077

2007

Schmuck: 2.423

Barren und Münzen: 435

ETFs: 253

Industrie: 476

Zentralbanken: -484

Gesamt: 3.104

2008

Schmuck: 2.304

Barren und Münzen: 869

ETFs: 321

Industrie: 461

Zentralbanken: -235

Gesamt: 3.720

2009

Schmuck: 1.814

Barren und Münzen: 780

ETFs: 623

Industrie: 410

Zentralbanken: -34

Gesamt: 3.593

2010

Schmuck: 2.017

Barren und Münzen: 1.205

ETFs: 382

Industrie: 466

Zentralbanken: 77

Gesamt: 4.147

2011

Schmuck: 1.972

Barren und Münzen: 1.515

ETFs: 185

Industrie: 453

Zentralbanken: 457

Gesamt: 4.582

2012

Schmuck: 1.908

Barren und Münzen: 1.256

ETFs: 279

Industrie: 428

Zentralbanken: 535

Gesamt: 4.405

2013

Schmuck: 2.671

Barren und Münzen: 1.702

ETFs: - 916

Industrie: 354

Zentralbanken: 625

Gesamt: 4.436

2014

Schmuck: 2.457

Barren und Münzen: 1.004

ETFs: - 183

Industrie: 347

Zentralbanken: 588

Gesamt: 4.212

Q1 2015

Schmuck: 601

Barren und Münzen: 253

ETFs: 26

Industrie: 80,4

Zentralbanken: 119

Gesamt: 1.079
Auf das Jahr hochgerechnet: 4.316

Gut zu beobachten war das in der vergangenen Woche, als chinesische Anleger in Panik große Mengen an Gold verkauften, um Kredite aufzulösen, mit denen sie vorher spekulative Aktienkäufe finanziert hatten. „Doch wenn der sich der erste Rauch verzogen hat, erinnern sich die Leute an die Krisenwährung Gold. Dann kann es ganz schnell gehen, und der Goldpreis steigt. Seit Jahrzehnten ist das zu beobachten. Es ist eine sich immer wieder selbst erfüllende Prophezeiung“, so Jubelt.

Der seit einigen Jahren sinkende Goldpreis ist nicht nur für Gold-Anleger ärgerlich. Der Preisrückgang hat auch die Aktienkurse der Gold-Produzenten unter Druck gesetzt. Ablesen lässt sich das am NYSE ARCA Gold Bugs Index, kurz HUI. Der Index enthält Minen-Unternehmen, die keine umfassende Absicherungsgeschäfte an den Terminmärkten tätigen: Während der Goldpreis in den zurückliegenden zwölf Monaten unter dem Strich um rund 16 Prozent gesunken ist, hat der HUI im selben Zeitraum rund 53 Prozent an Wert verloren.

Kommentare (15)

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Herr KarEL BrightShooster

23.07.2015, 16:33 Uhr

Nah endlich mal ein konstruktiver Bericht über die derzeitige Investionslage des Goldes; würde aber am ehesten physikalisch in Gold und/oder in Minen wie schon berichtet; danke!

Account gelöscht!

23.07.2015, 16:50 Uhr

Gold ist zinslos und die Zinsen in USA steigen seit Monaten - und werden im Diskont in Kürze nach oben gehen nachdem die Arbeitslosenzahlen heute den niedersten Stand seit 1973 erreichten.

Die Fed wird nun tatsächlich genötigt, ihren zahlreichen Ankündigungen nun endlich Taten folgen zu lassen. Höchste Zeit, denn der Hike ist überfällig.

Dazu rumort es in China, das angeblich den Goldankauf minimiert haben soll.
Und dann sind da noch die Notenbanken, denen zu viel Gold auf den Lagern liegt, um es einfach liegen zu lassen bei drohend weiter fallenden Preisen.

Kurse um US$ 700/800 sollen bald schon zu sehen sein.

Herr Christian H.

23.07.2015, 17:02 Uhr

Gold-ETCs (Xetra Gold und Euwax), ETFs und dann natürlich wieder viel zu aktiven Goldfonds und Zertifikaten. Für Anleger, die echtes Eigentum an physischem Gold erwerben möchten, ohne sich um die Lagerung zu sorgen, sollte auch Tresorgold erwähnt werden.

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