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12.11.2015

19:27 Uhr

Griechenland

Schatzsuche in der Ägäis

VonMatthias von Arnim

Griechenlands Staatsschulden-Krise ist noch lange nicht gelöst. So kosten griechische Aktien nur noch Bruchteile ihrer einstigen Werte. Für Schnäppchenjäger bietet das derzeitige Kursniveau attraktive Gelegenheiten.

Eine griechische weiße Kirche auf der berühmten Insel Santorini.

Griechenland

Eine griechische weiße Kirche auf der berühmten Insel Santorini.

Wenn derzeit von Griechenland die Rede ist, dann fast nur noch im Zusammenhang mit Flüchtlingen, die an den Küsten griechischer Inseln landen. Schuldenkrise? Grexit? War da was? Seit Alexis Tsipras die Neuwahlen Ende September gewonnen hat, scheint ein „Grexit“, das Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone, erst einmal vom Tisch zu sein. Dabei sind die grundsätzlichen Probleme noch lange nicht gelöst.

In einem Stellungspapier, das der IWF bereits Mitte Juli veröffentlichte, stellte Christine Lagarde lapidar fest, dass Griechenlands Schulden mit einer Schuldenquote von fast 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für den Staat nicht mehr tragfähig seien, ganz egal wie viele Rettungspakete es gebe. An dieser Situation hat sich bis heute nichts geändert. Damit der IWF trotzdem bei weiteren Hilfspaketen für Griechenland im Boot bleiben kann, wollen EZB und Europäische Union nun die Schuldentragfähigkeit mit einer neuen Formel berechnen.

Das verlieren die Euro-Länder, wenn Griechenland pleitegeht

Deutschland

88,7 Milliarden Euro

Frankreich

67,9 Milliarden Euro

Italien

59,2 Milliarden Euro

Spanien

40,5 Milliarden Euro

Niederlande

19,3 Milliarden Euro

Belgien

11,9 Milliarden Euro

Österreich

9,4 Milliarden Euro

Finnland

6 Milliarden Euro

Portugal

4,5 Milliarden Euro

Slowakei

2,9 Milliarden Euro

Irland

2,7 Milliarden Euro

Slowenien

1,6 Milliarden Euro

Quellen

IWF, EU-Kommission, EFSF, ESM, EZB, Bank of Greece, Berechnungen des ifo Instituts.

Neutrale Beobachter wundern sich über die neue Volte. „Eine Schuldentragfähigkeit ist nicht verhandelbar“, sagt etwa Klaus Bauknecht, Chefvolkswirt bei der IKB. Zinszahlungen an das BIP-Wachstum zu koppeln und somit diese auf Sicht zu senken helfe zwar in der Berechnung der Schuldentragfähigkeit, komme aber einem Schuldenschnitt gleich. Das Gleiche gelte für ein Hinausziehen von Tilgungen. „So gibt es keine neue Formel für die Schuldentragfähigkeit, denn volkswirtschaftlichen Gesetze können nicht ausgehebelt werden. Wer dies glaubt, lügt sich etwas vor“, so Bauknecht.

Doch der notorische Optimismus der Gläubiger fußt schon lange nicht mehr auf seriösen volkswirtschaftlichen Berechnungen, sondern auf dem Prinzip Hoffnung. Zum Beispiel auf der Hoffnung, dass die aktuelle Regierung die Reformzusagen gegenüber den Institutionen einhält. Eine Grundvoraussetzung dafür ist seit der Wahl im September immerhin gegeben, nämlich eine handlungsfähige Regierung.

„Die Linksaußen der Partei haben in der neuen Regierung von Ministerpräsident Tsipras nichts mehr zu sagen. Damit ist Griechenland politisch so stabil wie lange nicht mehr. Das ist das wichtigste Ergebnis der vergangenen Wahl“, sagt Vermögensverwalter Christos Arbaras von ANODOS Asset Management, der zusammen mit dem Athener Fondsmanager Alpha Trust den Hellas Opportunities Fonds (WKN A1WZH5) an den Start gebracht hat – nach eigener Aussage der einzige in Deutschland ausschließlich auf griechische Aktien spezialisierte Fonds.

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Die Turbulenzen der vergangenen Wochen sind auch an den skandinavischen Börsen nicht vorbeigegangen. Langfristig orientierte Anleger nutzen die Gunst der Stunde, um solide Aktien günstig einzukaufen.

Arbaras beobachtet in seiner Heimat eine neue Aufbruch-Stimmung. „Griechenland hat harte Jahre der Konsolidierung hinter sich. Vor allem die einfachen Arbeiter, Rentner und die sozial Schwachen haben darunter zu leiden. Doch die positiven Zeichen sind erkennbar“, so Arbaras. Nun folge noch das letzte, abschließende Kapitel, nämlich die verbliebenen Banken auf sichere Füße zu stellen. Dann sei der Weg frei für mehr Wachstum.

Das Land könne immerhin mit preiswerten, gut ausgebildeten Fachkräften punkten, der Euro-Austritt sei vom Tisch, und die Wirtschaft habe das Schlimmste überstanden. „Viele junge Griechen, die im Ausland leben, wollen nun wieder nach Griechenland zurückkehren und das Land neu aufbauen. Das ist ein sehr positives Zeichen, das Mut macht“, so Arbaras. In der Wahrnehmung internationaler Anleger gingen solche Signale leider unter.

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