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05.10.2011

12:12 Uhr

Hebelprodukte

Hochspekulative Wetten

VonJessica Schwarzer

Die Börsen schwanken derzeit kräftig, doch vielen Anlegern sind die Kursturbulenzen offenbar noch nicht heftig genug. Sie setzen auf Produkte mit extremem Hebel. Nervenkitzel ist garantiert - es gibt viel zu verlieren.

Spielchips: Wie beim Roulette kann auch beim Zocken mit CFDs der Einsatz schnell weg sein. Reuters

Spielchips: Wie beim Roulette kann auch beim Zocken mit CFDs der Einsatz schnell weg sein.

DüsseldorfEs darf gezockt werden, und zwar richtig. Wer seinen Einsatz binnen kürzester Zeit verdoppeln, verdreifachen oder  verzehnfachen will, der findet jetzt bei der Comdirect Bank ein extrem spekulatives – und damit ziemlich gefährliches – Produkt. Nach der Sparkassen-Tochter S-Broker bietet auch der größte deutsche Onlinebroker Produkte mit extremen Hebeln an. Ihr Name: Contracts for Difference (CFD), auf Deutsch Differenzkontrakte. Klingt kompliziert, ist es aber eigentlich nicht.

CFDs sind keine Wertpapiere, sie sind im Grunde Wetten auf die Entwicklung an den Aktien-, Devisen- oder Rohstoffmärkten. Der Gewinn oder Verlust einer solchen Wette entspricht der Differenz zwischen dem Eröffnungs- und dem Schlusspreis einer CFD-Transaktion. Anleger können sowohl auf steigenden als auch auf fallende Kurse des jeweiligen Basiswertes, also Aktien, Indizes, Devisen und Rohstoffen, setzen – und das mit enormem Hebel. Was die Sache so interessant, aber eben auch hochspekulativ und gefährlich macht: Anleger müssen nur einen Brauchteil der Summe einsetzen, mit der sie eigentlich spekulieren.

Casino für Anleger: Sie hinterlegen nämlich lediglich eine Sicherheitsleistung – genannt Margin –, die wesentlich geringer ist als der Gegenwert des Basisinstruments, also der Aktie oder des Indizes. Sie partizipieren aber, wenn ihre Wetten aufgeht, in voller Höhe an der Kursentwicklung. Die Höhe der Margin bestimmt dabei den Hebel. Liegt sie beispielweise bei fünf Prozent, gewinnen Anleger mit einem Hebel von rund 20 Prozent an einer positiven Kursentwicklung. Fallen die Kurse hingegen, verlieren die Anleger auch zwanzigfach.

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Onlinebroker und CFD-Anbieter locken mit verschiedenen Hebeln für die einzelnen Basiswerte: Bei der Comdirect beträgt die zu hinterlegende Margin für Indizes und Währungen ein Prozent, was einem Hebel von 100 entspricht. CFDs auf Aktien werden mit Hebel 20 angeboten. Bei S-Broker liegt der Hebel beispielsweise für Indizes wie Dax oder Euro Stoxx 50 bei 50 (Margin zwei Prozent), andere Indizes wie Dow Jonex, Nasdaq oder Nikkei werden „nur“ 20-fach (Margin fünf Prozent) gehebelt.

 

Kommentare (1)

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mitleser

05.10.2011, 13:35 Uhr

Die Erklärung des Hebels ist mal wieder unvollständig. Der im Artikel erwähnte "Hebel" hat nichts mit der Hebelwirkung auf den Basispreis bei einem Trade zu tun. Ich kann mit einem eingestellten Hebel von 1:400 den DAX handeln und trotzdem nur 1:1 am Basiswert partizipieren.

Wenn ich nur 1 CFD "kaufe", dann habe ich auch nur einen Hebel auf den Basiswert von 1:1. Nehme ich 10 CFD, erst dann habe ich einen 10er Hebel und damit grösseres Risiko.

Der wichtige Punkt ist, dass ich mit hohem Kredithebel und wenig Eigenkapital/Margin mehr CFD kaufen KANN, aber nicht MUSS.

Ergo kann ich auch mit einem Hebel von 1:400 nur 1 CFD handeln und bin damit im kleinsten Risiko. Die Anzahl der CFD, die ich "kaufe" sind der eigentliche Hebel, der Verluste/Gewinne vervielfacht.

Am Bsp. des DAX: 1x CFD = 1 Punkt = 1 EUR, 10x CFD = 1 Punkt = 10 EUR > in beide Richtungen.

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