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31.01.2010

10:02 Uhr

Index-News

Süßes fürs Depot

VonJessica Schwarzer

Ein knappes Angebot treibt derzeit die Preise von Süßwaren auf Höchststände: So sind beispielsweise Zucker und Kakao so teuer wie zuletzt vor rund 30 Jahren. Andere Agrarrohstoffe sind für viele Experten hingegen ein Megatrend und verbilligten sich derzeit. Worauf Anleger jetzt setzen sollten.

Schokolade: Sorge bereitet der Branche der stark gestiegene Preis für Kakao. Quelle: ap

Schokolade: Sorge bereitet der Branche der stark gestiegene Preis für Kakao.

DÜSSELDORF. Schlechte Nachrichten für Naschkatzen: Süßigkeiten werden teurer. Die Händler erwarten im Einkauf "deutlich höhere Preisschwankungen", die an die Verbraucher weitergegeben werden müssten, sagt der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelshandelsverbandes HDE, Stefan Genth. Der Grund: Einige Agrarrohstoffe legten im vergangenen Jahr eine fulminante Rally hin.

Und das trifft auch die Produzenten der Leckereien. Sorgen bereite der Branche vor allem der stark gestiegene Preis für den wichtigsten Rohstoff Kakao, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie Tobias Bachmüller. Während Naschkatzen tiefer in die Tasche greifen müssen, können Anleger von den steigenden Preisen profitieren, den die Börsennotierungen für "Genuss-Rohstoffe" haben sich prächtig entwickelt.

Zucker hat im vergangenen Jahr fast 120 Prozent zugelegt, Kakao hat sich seit 2007 verdoppelt. Die Rally könnte weitergehen. "Bei Zucker stehen die Zeichen weiter auf Grün", sagt Eugen Weinberg, Rohstoffexperte bei der Commerzbank. "Es könnte zu einer kleinen Korrektur kommen, aber dann steigen die Preise weiter." Die robuste Nachfrage und massive Probleme bei der Produktion würden für Zucker sprechen. Es gibt durchaus erste Anzeichen einer Angebotsverknappung: Die großen Anbieter können die enorme Nachfrage nicht bedienen und decken teilweise nicht mal mehr den heimischen Bedarf.

So ist beispielsweise Indien nach einer Trockenheitsperiode vom zweitgrößten Exporteur zum größten Importeur geworden. "Da Zucker sehr kalorienreich ist, gehört er gerade in den armen Ländern zu den Hauptnahrungsstoffen - das macht ihn zu seinem politischen Rohstoff", sagt Weinberg. Sein Fazit: "Zucker bleibt sehr attraktiv." Weniger optimistisch ist Manfred Wolter, Rohstoffexperte der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). "Noch läuft die Rally, aber wir haben zumindest bei Softs den größten Teil der Rally hinter uns", sagt er. "In Zucker braucht man derzeit nicht neu zu investieren." Die vergangenen beiden Jahre seien durch Sonderfaktoren geprägt gewesen. In Indien habe der Monsun 2008 zu wenig Regen gebracht, in Brasilien sei hingegen 2009 zu viel Niederschlag gefallen.

Beides habe das Angebot verknappt. Aber nun würde sich die Lage normalisieren, der Zuckerpreis stehe vor einer Konsolidierung. "Auch wenn die Preise kurzfristig noch steigen, sollten Investoren den Markt genau beobachten und bei Zeiten aussteigen." An eine Wiederholung der Performance aus dem vergangenen Jahr glaubt er nicht.

Bei neuen Engagements würde Wolter Kakao vorziehen. Doch auch Kakao ist bereits gut gelaufen und so teuer wie seit Jahrzehnten nicht mehr. "Zuletzt kostete er 1979 so viel wie jetzt", sagt Weinberg. Viele Analysten gehen davon aus, dass die Nachfrage mit der zu erwartenden Konjunkturerholung weiter steigen wird - und mit ihr der Preis für den Rohstoff. Das gilt grundsätzlich auch für die Preise von Getreide. Doch zeitweise lässt Überproduktion die Notierungen purzeln oder zumindest auf der Stelle treten. Ein Phänomen, das derzeit bei Weizen zu beobachten ist. "Wir haben zwei sehr gute Weizenjahre hinter uns", sagt LBBW-Analyst Wolter. "Die Ernten waren phantastisch, wir sind mehr als gut versorgt, die Lager sind voll." Für Anleger heißt das: fundamental kaum Potenzial. Auch Carsten Fritsch, Experte für Agrarrohstoffe bei der Commerzbank, rät derzeit nicht zum Engagement. "Kurzfristig sollten Anleger die Finger von Weizen lassen, für die kommenden drei bis sechs Monate sind die Erwartungen gedämpft", sagt er.

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