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04.01.2010

07:00 Uhr

Insolvenz

Lehman-Geschädigte müssen noch Monate warten

VonSonia Shinde

Die Gläubiger des deutschen Lehman-Ablegers Lehman Brothers Bankhaus AG müssen sich gedulden. Insolvenzverwalter Michael Frege plant eine Vorabausschüttung im Sommer. Wieviel Geld gezahlt werden könne, sei derzeit aber noch nicht absehbar. Noch länger auf ihr Geld warten müssen Privatanleger mit Lehman-Zertifikaten.

Lehman-Geschädigte demonstrieren im September 2009 in Frankfurt am Main. dpa

Lehman-Geschädigte demonstrieren im September 2009 in Frankfurt am Main.

FRANKFURT. Nach den britischen Lehman-Kunden können auch die Gläubiger des deutschen Lehman-Ablegers Lehman Brothers Bankhaus AG auf erste Zahlungen hoffen. Wie das Handelsblatt aus Finanzkreisen erfuhr, sei eine Vorabausschüttung aus der Insolvenzmasse noch im kommenden Sommer geplant. Wie viel Geld das sein wird, sei allerdings noch nicht absehbar, hieß es.

Bisher hatte Insolvenzverwalter Michael Frege mit einer Quote von mindestens zehn Prozent gerechnet. Dies hänge allerdings davon ab, wie sich die Vermögenswerte der deutschen Lehman in den kommenden zwei Jahren verwerten ließen. Kunden des Frankfurter Bankhauses waren institutionelle Investoren wie Banken, Sparkassen und Versicherungen, aber auch Pensionsfonds, Städte und Gemeinden sowie Unternehmen.

Die Gläubiger der deutschen Lehman haben bislang Forderungen in Höhe von rund 35 Mrd. Euro beim Insolvenzverwalter geltend gemacht. Bis auf die Finanzinstitute haben die meisten ihr Geld aber bereits vom Einlagensicherungsfonds der deutschen Banken wieder bekommen. Er springt mit bis zu 285 Mio. Euro ein, wenn eine Mitgliedsbank pleite geht. Maximal 20 000 Euro hatte die gesetzliche Einlagensicherung EdB übernommen.

Die deutsche Lehman war im September 2008 von der Finanzaufsicht BaFin geschlossen worden, nachdem die amerikanische Mutter Insolvenz angemeldet hatte. Ihr Kollaps erschütterte die Branche und riss die Weltwirtschaft in eine beispiellose Krise. Jetzt kämpfen die Kunden um ihr Geld.

Bereits in der vergangenen Woche hatte der britische Insolvenzverwalter PWC angekündigt, rund elf Mrd. Dollar (rund 7,6 Mrd. Euro) an die Kunden der europäischen Gesellschaft Lehman Brothers International (LBIE) zu bezahlen. Die Gläubiger müssen ihre Ansprüche bis zum 19. März geltend machen. Allerdings betrifft dies nur das Treuhandvermögen der institutionellen Anleger. "Wie viel Geld deutsche institutionelle Investoren bei der LBIE verwalten ließen, lässt sich nicht sagen", sagt Michael Rützel, Anwalt bei der Kanzlei White & Case, die unter anderem Sparkassen im Lehman-Insolvenzverfahren vertritt. Beobachter schätzen aber, dass dies nur auf Einzelne zutrifft.

Noch länger auf ihr Geld warten müssen Privatanleger mit Lehman-Zertifikaten. Sie haben ihre Forderungen zunächst bei der amerikanischen Mutter geltend gemacht. Aufgelegt hatte die Zertifikate aber die niederländische Tochter Lehman Brothers Treasury B.V. Die amerikanische Mutter Lehman Inc. hatte für sie garantiert. Vertrieben hatten die Papiere vor allem Citibank, Dresdner Bank sowie Hamburger und Frankfurter Sparkasse. Diese Häuser und die Sparkasse Hannover bieten als einzige Institute ihren Kunden 50 Prozent der Anlagesumme als Entschädigung an. Die Kunden der übrigen Institute müssen klagen, auf Kulanz hoffen oder auf die Insolvenverwalter setzen.

Kommentare (8)

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Maushake

04.01.2010, 11:03 Uhr

ich bin durch Lehmann-Zertifikate, vertrieben durch die Citibank, geschädigt. Die Citibank hat mir noch keine Entschädigung angeboten!

Analyst

04.01.2010, 16:26 Uhr

Die Sparkasse Hannover bietet 50 bzw. 75 % Entschädigung, die Frankfurter Sparkasse bietet 50 %, die Sparkasse Gießen 50 %, die Pax-bank 100 %,
Durch die Citibank wurden ca. 30000 Kunden geschädigt, der Schaden betrug ca. 300 Millionen Euro, an Entschädigung sollen 27 Millionen gezahlt werden.
Die Dresdner bank entschädigt nicht.
An die Redaktion : ich bitte um berichtigung des Artikels.

Dr. Wehner

04.01.2010, 16:40 Uhr

Sehr geehrte Frau Shinde,
es ist mir neu, dass die Dresdner bank eine Entschädigung anbietet. Können Sie mir bitte mitteilen, woher diese information stammt, damit ich mich darauf berufen kann.
Falls dies nicht zutrifft sollten Sie die information in der Presse richtig stellen, sonst entsteht ein falsches bild in der Öffentlichkeit.
Vielen Dank!

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