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24.04.2012

10:16 Uhr

Interview

„Die Aktie von Facebook ist sehr sehr teuer“

VonSebastian Schaal

Die Facebook-Aktie ist mit knapp dem hundertfachen des Jahrsgewinns bewertet. Maik Haufe, Leiter des Portfoliomanagements der Quirin Bank verrät, ob der Einstieg trotzdem lohnt.

Facebook: Gewinne sinken vor Börsengang

Video: Facebook: Gewinne sinken vor Börsengang

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Kann Facebook zu der neuen Volksaktie werden?

Bei einer Volksaktie im eigentlichen Sinne liegt natürlich der Gedanke an die Aktie der Deutschen Telekom nahe. Da ist der Vergleich mit Facebook schwierig. Der Anteil an älteren Usern bei Facebook ist sehr gering, so sind etwa Nutzer über 54 Jahre nur mit zwei Prozent der gesamten User vertreten. In Deutschland liegt das Vermögen aber primär bei der älteren Generation. Eine Volksaktie im Sinne der Telekom wird Facebook daher sicher nicht. Aber der Börsengang von Facebook kann jüngere Menschen für Aktieninvestitionen öffnen. Man könnte also von einer „Teil-Volksaktie“ sprechen.

Wo liegen die Risiken für die Anleger?

Facebook ist ein Unternehmen, das schwarze Zahlen schreibt. Allerdings ist das Online-Netzwerk nach den Zahlen, die veröffentlicht wurden, etwa mit dem Hundertfachen des Jahresgewinns bewertet – bei Dax-Unternehmen ist es ungefähr das Zehnfache. Wenn ich als Anleger  in Facebook investiere, muss ich also die Erwartungshaltung haben, dass das Unternehmen seinen Jahresgewinn mittelfristig verachtfacht oder verneunfacht. Das ist eine große Herausforderung, denn das Nutzerwachstum von derzeit 800 Millionen Usern weltweit dürfte begrenzt sein. Die Herausforderung, die Facebook meistern muss, ist den Ertrag pro User zu steigern. Nur damit kann Facebook diesen hohen Preis rechtfertigen. Die Kunst liegt jetzt darin, das Geschäftsmodell weiterzuentwickeln, obwohl Facebook bereits Marktführer ist. Die Risiken sind exorbitant. Wir halten Facebook daher für ein spekulatives Investment.

Fakten aus dem Facebook-Börsenprospekt

Online-Spiele

Im ursprünglichen Börsenprospekt hatte Facebook berichtet, im Jahr 2011 insgesamt zwölf Prozent seines Umsatezs aus einer Kooperation mit dem Online-Spieleentwickler Zynga („Farmville“) erzielt zu haben. In der aktualisierten Variante ist von 19 Prozent des Umsatzes im Jahr 2011 die Rede und von 15 Prozent im ersten Quartal 2012.

Nutzerzahlen in Europa

Monatliche aktive Nutzer (Wachstum gegenüber Vorjahr in Prozent)

Ende März 2009 - 71 Millionen

Ende März 2010 - 138 Millionen (+94%)

Ende März 2011 - 201 Millionen (+46%)

Ende März 2012 - 241 Millionen (+20%)

Facebook in Deutschland

Im keine zwei Monate alten ursprünglichen Börsenprospekt hatte Facebook noch davon gesprochen, in Deutschland 20-30 Prozent der Internetnutzer zu erreichen.

Mittlerweile schätzt das Unternehmen seine „Durchdringungsrate“ auf 30 bis 40 Prozent.

Am stärksten seien die Raten in Chile, Türkei und Venezuela mit einem Anteil von über 85 Prozent.

Umsatz in Europa

Das Schlussquartal 2011 war bislang das umsatzstärkste für Facebook in Europa mit einem Umsatz von 306 Millionen Dollar (233 Millionen Euro). Im ersten Quartal 2012 kommt das Unternehmen auf 274 Millionen Dollar (208 Millionen Euro).

Wie sieht es mit Risiken für Facebook selbst aus? Das Management ist bisher eine Art One-Man-Show des Mark Zuckerberg, der nicht gerne von Aktionären bei seinen Entscheidungen beeinflusst wird.

In der Außenwirkung ist Facebook stark personalisiert, man nimmt nur Mark Zuckerberg wahr. Auch nach dem Börsengang wird er die Fäden in der Hand halten, in bestimmten Bereichen sogar stärker als bisher.

Wie geht das?

Er wird zwar nur rund 30 Prozent der Aktien besitzen, hält aber mehr als 58 Prozent der Stimmrechte. Einige Investoren haben bereits avisiert, Herrn Zuckerberg die Stimmrechte zu übertragen. Eine weitere Besonderheit ist, dass es verschiedene Arten von Aktien geben wird. A-Klasse-Aktien haben ein Stimmrecht pro Aktie, diese Papiere werden an der Börse gehandelt werden. Die Aktien der B-Klasse, die Mark Zuckerberg halten wird, haben zehn Stimmrechte.

Mit dieser Stimmrechtsverteilung sind gewissen Gefahren verbunden: Zuckerberg kann das Unternehmen strategisch in die Richtung steuern, die er sich vorstellt – im Zweifel auch gegen die Aktionäre, die Anteile am Kapitalmarkt erworben haben. Das sind elementare Risiken, denn als Anleger ist man in hohem Maße abhängig vom Management einer einzigen Person, von Mark Zuckerberg.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

24.04.2012, 12:06 Uhr

Ich würde sagen,dass der Zenit von Facebook schon überschritten ist.Vorsicht ist hier die Mutter der Porzellankiste.

Realist

24.04.2012, 12:55 Uhr

Erleben wir gerade die Internetblase 2.0? Apple und Facebook gehen bei der Bewertung durch die Börse im wahrsten Sinne des Wortes durch die Decke. Beide haben ein sehr cooles und hipes Geschäftsmodell mit exorbitanten Wachstumserwartungen. Was passiert wenn sich die sprunghaften Kunden abwenden. Dann wird das Schreien wieder groß sein und Standardwerte werden wieder Geheimtipps. Auch an der Börse scheint es den natürlichen Zwang zur Herdenbildung zu geben.

nichtzufriedenerFacebooknutzer

24.04.2012, 18:09 Uhr

Sehe ich genauso. Apple und Facebook dürften ihrem jeweiligen Zenit sehr nahe sein. Als Investor ist das die optimale Gelegenheit um sich die Finger zu verbrennen.

Mister (S)uckerbergs Image und das seines Fratzenbuchs dreht sich gerade gewaltig. Selbst die datenfreizügigen Amerikaner behagt die Facebooksammelwut nicht. Ihm ist es nicht wie Google gelungen ein positives Image zu behalten. Apple dürfte mit der Zeit langweilig für alle Poser werden und die Konkurrenz schläft nicht. Ich gebe Facebook 2 Jahre bis zum Absturz. Bei Apple könnte es vielleicht noch für 5 Jahre reichen.

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