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05.10.2011

12:10 Uhr

Interview

„Ein Ritterschlag für CFDs“

VonJessica Schwarzer

Spekulieren mit hohem Hebel hat nichts mit Kasino zu tun, sagt René Diehl. Der Vorstand der Wertpapierhandelsbank Cefdex erklärt, warum CFDs besser sind als ihr Ruf und was der Markteintritt der Comdirect bedeutet.

Herr Diehl, mitten in einer extrem turbulenten Marktphase werben Onlinebroker für hochspekulative Produkte mit Hebel. Passt das zusammen?

Sehr gut sogar. Die alte Aktienkultur „Buy and Hold“ gibt es nicht mehr. Die Märkte schwanken heute sehr viel stärker als früher. Mit den sogenannten Contracts for Difference (CFDs) – zu Deutsch Differenzkontrakte – können Anleger sehr schnell und kostengünstig reagieren, auf fallende wie steigende Kurse setzen. Und mit geringem Einsatz können Anleger hohe Gewinne einfahren.  

Geringer Einsatz, hohe Gewinne? Klingt verlockend und ein bisschen nach Spielkasino….

Mit Kasino hat das nichts zu tun. CFDs sind Differenzkontrakte. Anleger spekulieren auf die Kursveränderung von Aktien, Indizes, Währungen oder Rohstoffen. Und dabei setzen sie nur ein Bruchteil der Summe ein, die der Basiswert kostet, können aber voll an den Gewinnen partizipieren. Wer also 20 Prozent hinterlegt – wir nennen das Margin oder Sicherheitsleistung – spekuliert mit Hebel fünf. Er bekommt also am Ende so viel raus, als ob er 100 Prozent investiert hätte.

CFDs sind also Hebelprodukte und nicht nur die Gewinne sondern auch die Verluste vervielfachen sich je nach Höhe des Hebels. Ist das nicht extrem riskant?

Natürlich wird das Risiko je nach Hebel größer. Das heißt, mit steigendem Hebel steigt das Risiko bei gegenläufiger Kursentwicklung Verluste zu machen.

Aber mit Hebel 400…

…ein solcher Hebel ist natürlich extrem gefährlich, da kann ich als Anleger eigentlich nur verlieren. Davon kann ich nur abraten. Wir bieten CFDs auf den Dax nur bis Hebel 50 an, bei vielen anderen Werten ist der Hebel geringer, bei Aktien liegt er nur bei höchstens 20.

Das ist aber immer noch ein hoher Multiplikator… Wenn die Wette nicht aufgeht, sitzt der Anleger auf hohen Verlusten. Ein Zockerprodukt?

Natürlich sind CFDs spekulative Finanzprodukte – Wie jede Aktie oder Zertifikat auch. Aber sie sind definitiv keine Zockerprodukte. Die Anleger sind sehr gut informiert und setzen CFDs sehr bewusst ein.

Trotzdem sind CFDs sehr umstritten, haben einen ziemlich schlechten Ruf…

Das sehe ich nicht so. Hebelprodukte sind natürlich riskanter als Produkte ohne Hebel. Aber CFDs sind wesentlich transparenter als vergleichbare andere Hebelprodukte wie Optionsscheine oder Zertifikatekonstruktionen.

Hebelprodukte

Contracts for Difference (CFD)

Mit CFDs – auch Differenzkontrakte genannt – partizipieren Anleger an steigenden und fallenden Kursen unterschiedlicher Basiswerte. Über einen Hebel, der weit über 100 Prozent sein kann, können sie dabei ein Vielfaches des eingesetzten Kapitals gewinnen – oder auch verlieren. CFDs sind keine Wertpapiere, CFD-Anleger haben keine Rechte an dem Basisinstrument.

Optionsschein

Ein Optionsschein ist ein derivatives Finanzinstrument, mit dem Anleger gehebelt von der Kursbewegung eines Basiswerts profitieren können. Optionsscheine sind verbriefte Wertpapiere. Ein Kaufoptionsschein (Call) verbrieft das Recht, einen Basiswert zu einem bestimmten Preis zu einer festgelegten Zeit beziehen zu können. Der Verkaufsoptionsschein (Put) verbrieft dagegen das Recht, den Basiswert zu einem bestimmten Preis zu einem festgelegten Zeitpunkt zu verkaufen.

Hebelzertifikat

Mit einem Hebelzertifikat können Investoren einen Basiswert, beispielsweise eine Aktie, zu einem günstigeren Preis kaufen. Hebelzertifikate werden auch unter dem Begriff Knock-out-Produkte angeboten, die je nach Emittent Waves, Mini-Futures, Classic/Unlimited/BEST oder Smart Turbos oder einfach nur Turbos heißen. Hebelzertifikate haben eine Knock-out-Grenze, bei der das Zertifikat wertlos wird. Durch den Hebel partizipieren Anleger stärker an den Kursschwankungen des zugrunde liegenden Basiswerts. Verlieren können Anleger nur den eingesetzten Betrag.

Hebel-ETF

Auch börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds, kurz ETF), die die Entwicklung eines Index eins zu eins nachbilden, gibt es mit Hebel. Diese Hebel-ETFs gibt es als Long- und als Short-Version. Verlieren können Anleger nur den eingesetzten Betrag.

Es halten sich aber hartnäckig Gerüchte, dass die meisten Anleger, die ihr Glück mit diesen Differenzkontrakten versucht haben, binnen kürzester ihr Geld verzockt haben. Alles Märchen?

Das war vielleicht vor fünf oder sechs Jahren noch so. Damals haben nicht ausreichend informierte Anleger oftmals hohe Verluste eingefahren.

Verlieren viele Anleger mehr Geld als sie ursprünglich eingesetzt, also als Sicherheitsleistung hinterlegt hatten und müssen dann Geld nachschießen?

Das kommt natürlich vor, aber nur sehr selten. Wir wickeln die CFD-Transaktionen für die Kunden von S-Broker. Vi-Trade und Flatex ab und hatten im vergangenen Jahr einige wenige Fälle, in denen die Nachschusspflicht gegriffen hat – und das bei weit über fünf Millionen Trades im Jahr.

Kommentare (15)

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R.L.

05.10.2011, 12:38 Uhr

Wer nimmt den bei den CFDs eigentlich die Gegenposition ein? Weil dass innerhalb von Sekunden, bei Abgabe meiner Order, eine Gegenposition mit dem gleichen Produkt und Hebel gefunden wird, ist dauerhaft unwahrscheinlich. Aber die Bank wird die Position wohl auch kaum in ihre Bücher nehmen...

R.L.

05.10.2011, 12:42 Uhr

Ergänzung zu meinem letzten Post: Die Bank wird die Position höchstens in ihre Bücher aufnehmen, wenn sie einen "Wissensvorsprung" hat, z.B. durch verzerrte/ verzögerte Kurse. Dann ist es aber wie im Kasino: Jeder spielt gegen die Bank und am Ende gewinnt immer die Bank.

Gut.informierte.Anleger

05.10.2011, 12:51 Uhr

Sehr geehrter Herr Diehl, ihre Produkte haben keinerlei volkswirtschaftlichen Nutzen und verfolgen nur das Ziel, dem "gut informierten" Anleger das Geld aus der Tasche zu ziehen...sie als unternehmen liefern keinerlei Wert.

Gruss, ein "gut informierter" Investor

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