Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.11.2011

12:48 Uhr

Interview mit Steffen Scheuble

„Viele Indexprodukte setzen auf Nischen“

VonJessica Schwarzer

Börsenindizes sind längst nicht mehr nur Barometer für die Stimmung an den Märkten sondern oft auch Anlagevehikel. Warum das Sinn macht, erklärt Steffen Scheuble, Vorstand des Indexanbieters Strutured Solution.

Steffen Scheuble ist Vorstand des Indexanbieters Structured Solutions AG.

Steffen Scheuble ist Vorstand des Indexanbieters Structured Solutions AG.

Herr Scheuble, es gibt Hunderttausende Indizes, brauchen wir die wirklich alle?

Es sind sogar mehr als eine Million - allein FTSE berechnet täglich mehr als 120.000. Und ja, jeder einzelne hat seine Daseinsberechtigung. Ob man allerdings jeden einzelnen davon ins Schaufenster stellen muss, ist eine andere Frage.

Wie meinen Sie das?

Für Privatanleger, die sich über die einzelnen Märkte informieren möchten, sind im Grunde zehn bis 15 Indizes relevant - und das sind die großen, globalen Benchmark-Indizes wie der S&P 500, der Euro Stoxx oder auch der Dax.

Viele Indizes werden als Anlagevehikel spezielle für Produkte konstruiert und nicht mehr als Barometer für die Stimmung an den Börsen. Macht das also wenig Sinn?

Im Gegenteil. Wir kommen ja von der Produktseite, berechnen beispielsweise den FAZ-Index. Anleger fragen immer speziellere Produkte nach, viele Indexzertifikate und Indexfonds setzen auf Nischen. Das kann eine interessante Beimischung sein.

 

Aber eine Million Indizes...

Die Zahl täuscht ein wenig. Nehmen wir beispielsweise den Dax, eigentlich ein Performanceindex, der in Euro berechnet wird. Es werden aber auch Varianten in zahlreichen anderen Währungen berechnet, als Kurs- und als Performanceindex. So wächst die Zahl der Indizes schnell in die Höhe – letztlich können sie auch einen VW Golf in Hunderten Varianten bestellen. Die Indizes richten sich natürlich nicht an Privatanleger, sondern eher an Institutionelle. Berichte über den Dax in Dollar liest man natürlich nirgendwo.

Was macht einen guten Index aus?

Er muss den zugrundeliegenden Markt adäquat abbilden, egal, wie viele Aktien er enthält. Der Dax tut das, noch besser ist aber der FAZ-Index. Mit 100 Aktien ist er ein besseres Spiegelbild der deutschen Wirtschaft.

Als Indexanbieter verfolgen Sie den Markt genau. Welche Indizes fehlen noch? Welche Trends sehen Sie?

Ich sehe drei spannende Trends. Nummer eins: Indizes, die Aktien mit einem alternativen Gewichtungsschema gewichten - zum Beispiel eine Dax-Variante, bei der alle Aktien den gleichen Anteil am Index haben. Nummer zwei: Indizes, die verschiedene Anlageklassen kombinieren, also beispielsweise Aktien und Anleihen oder Aktien und Rohstoffe. Trend Nummer drei sind neue Themen, was auch immer das in den kommenden Jahren sein wird.

Steffen Scheuble ist Vorstand des Indexanbieters Structured Solutions AG.

 

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×